Archive for the ‘Uncategorized’ Category

Gewiefte Verkäufer, geprellte Anleger

Monday, November 16th, 2020

Zwei Jungunternehmer verkauften Aktien ihrer Startups zu überrissenen Preisen. Nun wehren sich Anleger, die sich ­getäuscht fühlen.

Fredy Hämmerli

Stolz präsentierten sich Fredy Piller und Oliver Scheuerer Mitte 2018 auf einem grossformatigen Foto im Wirtschaftsmagazin «Bilanz» (Bild im PDF). Die Zeitschrift hatte sie soeben zu den reichsten jungen Leuten des Landes gekürt.

Ihr Vermögen von 50 bis 100 Millionen Franken sollen sie mit Start-up-Firmen gemacht haben. Dazu gehören insbesondere Unternehmen wie die Screen24 AG, die Recycling Services AG und die Hyposcout AG. Screen24 vertreibt Handy-Ladestationen mit Werbebildschirmen, Recycling Services ist ein Abholdienst für wiederverwertbare Abfälle, und Hyposcout vermittelt Immobi­lienfinanzierungen.

Dokumente zeigen, dass Piller bei Screen24 aktuell rund die Hälfte und bei Recycling Services gut ein Drittel der Aktien kon­trolliert, Scheuerer gut 10 beziehungsweise 5 Prozent. An Hypo­scout sind die beiden inzwischen nicht mehr be­teiligt. Scheuerer sitzt noch im Verwaltungsrat.

Betreibungen und ­Pfändungen in Millionenhöhe

Heute, zwei Jahre später, stuft die «Bilanz» das Vermögen der beiden ehemaligen Studenten der Hochschule St. Gallen nur noch mit 20 bis 50 Millionen Franken ein. Doch auch das dürfte weit übertrieben sein. Denn gegen die beiden Jungunternehmer und ihre Firmen laufen Betreibungen und Pfändungen über Millionen­beträge. Gegen Piller waren es im Juni 1,4 Millionen, gegen Scheuerer rund 2,3 Millionen, bei Screen24 sind es rund 1,5 Millionen und bei Recycling Services 600000 Franken. Auf der Gläubigerliste finden sich Forderungen über Hunderttausende von Franken von Steuerämtern, Sozialversicherungsanstalten und Lieferanten. Die grössten Forderungen aber stammen von Investoren und Darlehensgebern, die sich getäuscht fühlen.

Wenig bewanderte ­Investoren zum Kauf von Aktien überredet

Die meisten von ihnen kauften Aktien der genannten Firmen über die Venstone AG (K-Geld 4/2018 und 3/2019). Venstone betreibt ein Callcenter, das vermeintlich wohlhabenden, aber in Finanzdingen wenig bewanderten Investoren Aktien am Telefon andrehte. Darunter befinden sich Kleinunternehmer sowie Aka­demiker wie ein ehemaliger Professor für Medizin, eine ehema­lige Linguistik-Professorin oder ein Sozialpädagoge. Sogar ein Steuerberater liess sich zum Kauf von Aktien überreden. Er wurde kurz nach seinen letzten Käufen von der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde wegen seiner Demenz verbeiständet. Insgesamt verkauften allein die Recycling Services und die Screen24 Aktien im Umfang von gegen 10 Millionen Franken.

Venstone verlangte als Vermittler für die Screen24-Aktien mit Nennwert 5 Rappen bis zu Fr. 9.90. Das entspricht bei 8,2 Millionen Aktien einem rechne­rischen Firmenwert von über 81 Millionen Franken. Heute bietet Venstone die 5-Rappen-Aktien für Fr. 3.50 an. Die Credit Suisse bewertete sie vor zwei Jahren mit 12 Rappen, was einen Unternehmenswert von unter einer Million Franken ergibt.

Ähnlich sieht es bei Recycling Services aus: Venstone verkaufte deren Aktien mit Nennwert 1 Rappen für einen Preis bis zu Fr. 5.50 pro Stück. Das ­würde ­einem Firmenwert von rund 56 Millionen Franken entsprechen. Nathan Landshut ist einer der Anlegeranwälte. Er sagt: «Nach klas­sischen Bewertungsmethoden – also einer Substanz-, Umsatz- und Gewinnanalyse − sind Screen24 und Recycling Services wertlos.» 

Tatsächlich sind die Umsätze und Gewinne bei beiden Firmen bescheiden: Bei Recycling Services lag der Bruttoerlös im letzten Jahr bei 784000 Franken  – minus 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es resultierte ein operativer Gewinn von 337000 Franken. Bei Screen24 lag der Bruttoerlös 2018 bei 1,51 Millionen Franken – minus 24 Prozent. Der Verlust beläuft sich allein für dieses Jahr aber auf 3,18 Millionen Franken. Das ist doppelt so viel wie der Umsatz. 

Recycling Services und Screen24 sind buch­mässig überschuldet

Gravierender ist jedoch, dass ­beide Firmen riesige Verlustvor­träge mitschleppen: Bei Screen24 sind es 4,9 Millionen, bei Recycling Services 2,8 Millionen Franken. Im Klartext: Beide Firmen sind buchmässig überschuldet. Die Revisionsfirmen akzeptierten darum die Abschlüsse erst, nachdem die beiden Gründungsaktionäre Piller und Scheuerer sowie weitere Beteiligte einen Rangrücktritt beziehungsweise einen Verzicht auf ihre Darlehen erklärten.

Bei Screen24 geschah dies ­allerdings nur mit Vorbehalt: Die Fortführung der Gesellschaft sei ohne neues Kapital «stark ge­fährdet respektive verunmöglicht», schreibt die Transcontag AG, die Revisionsstelle der Screen24. Zudem kritisiert die Transcontag, dass die Generalversammlung zum Geschäftsjahr 2018 erst im August 2019 stattfand. Laut Gesetz hätte sie spätestens im Juni 2019 abgehalten werden müssen. In diesem Jahr soll es laut Oliver Scheuerer gar «Anfang November» werden. Scheuerer ist der einzige Verwaltungsrat der Screen24. Schuld ­daran sei «ein Chaos in der Buchhaltung», sagt Scheuerer. Die gesamte Buchhaltung 2019 habe nochmals erfasst werden müssen.

Haussmann, die Revisions­stelle der Recycling Services, moniert, dass die Gesellschaft jahrelang eigene Aktien von den Gründungsaktionären zurückkaufte – mit einem Aufschlag von 9900 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis. Das wäre laut Aktiengesetz nur zulässig, wenn das Unternehmen über freie Kapitalreserven verfügen würde – was nicht der Fall ist. Verwaltungsratspräsident Fredy Piller beant­wortete keine Fragen von K-Geld. 

Ähnliches geschah zum Jahreswechsel 2017/2018 bei Screen24: Im Rahmen einer Kapitalerhöhung kauften Piller und Scheuerer 3 Millionen Aktien für 5 Rappen pro Stück. Diese Anteile verkauften sie umgehend wieder an ihre Gesellschaft zurück – zum Preis von ­einem Franken. Den Sofort­gewinn von 95 Rappen pro Aktien liessen sie als Darlehen in der Gesellschaft stehen. Scheuerer sagt gegenüber K-Geld, dieses Vorgehen habe man «aus bilanztechnischen Gründen gewählt, um eine Überschuldung zu vermeiden». Das Geld sei auf ein Sperrkonto ge­flossen und von dort «als Geschenk» zurück an die Gesellschaft. Die ­Revisionsstelle habe das Vorgehen akzeptiert.

Ein betroffener Investor sieht darin jedoch «eine klare Benach­teiligung der übrigen Aktionäre». Diese zahlten für die Aktien 70 Mal mehr als das Duo Piller/Scheuerer. Der als «Rückschenkung» dekla­rierte Darlehensverzicht sei erst auf Druck der Revisionsgesellschaften erfolgt. 

Der Investor ist nicht allein mit seiner Meinung: Anleger beauftragten mehrere Anwälte mit Zivil- und Strafklagen gegen die genannten Firmen und ihre beiden Gründungsaktionäre. Ein Zivilprozess ist bereits vor dem Bezirksgericht Höfe in Wollerau SZ hängig. Betroffene Investoren und Darlehensgeber wollen ihr Geld zurück. Denn ein Verkauf auf dem freien Markt ist praktisch ausgeschlossen. Immerhin verspricht Scheuerer, dass «jedem Verkaufswilligen ein faires Angebot» gemacht werde – «mindestens zum Einstandspreis». Ein Schreiben an den Finanzchef der betroffenen Firmen genüge. K-Geld bleibt dran und wird überprüfen, ob dieses Versprechen tatsächlich eingehalten wird.

Hochriskante Investition in Diabetes-Unternehmen

Monday, November 16th, 2020

Christian Bütikofer

Mitarbeiter der Nordstein AG rufen ungefragt potenzielle Kleinanleger an und werben für Investitionen in die Urdorfer Firma Secure­cell AG. Dabei droht schlimmstenfalls ein ­Totalverlust.

Anfang Mai erhielt K-Geld-­Leser Alex S. aus Zürich einen Anruf aus heiterem Himmel. Am anderen Ende war ein Mann, der sich als «Herr Benz» der Zürcher Nordstein AG vorstellte. Der Telefon­verkäufer sagte Alex S., er solle die Gelegenheit beim Schopf packen und zu einem günstigen Preis ­Aktien der Firma Securecell AG kaufen – und zwar noch vor deren geplantem Börsengang: Für 90 Franken pro Aktie sei er dabei. Das sei ein Super­preis, denn der Aktienwert ­werde sich später auf 800, ja sogar 1500 Franken erhöhen. In Zukunft ­werde die Urdorfer Medizinaltechnikfirma mit Milliarden be­wertet. 

Aus Neugier bestellte Alex S. die Unterlagen. Nordstein schickte ihm Dokumente, die S. «eher als Werbematerial» einstufte. Man legte ihm etwa einen Artikel der Zeitung «Finanz und Wirtschaft» von diesem Januar bei, in dem prominent von einem bevorstehenden Börsengang der Securecell AG die Rede ist. «Dadurch erscheint die Securecell in ­einem seriösen Licht», kommentiert Alex S. Als er dann einen weiteren Anruf der Nordstein erhielt, bat er um die Zustellung eines Geschäftsberichts samt Erfolgsrechnung und Bilanz. Diese erhielt er – samt einer Einladung für ein Investorentreffen am 24. September in Zürich. 

Die AG bewirbt ihr Produkt «Seraccess». Das soll eine künstliche Bauchspeicheldrüse für Diabetiker sein. Bei Diabetes-Patienten reguliert sich der Blutzuckerspiegel nicht mehr von selbst. Dieses Problem soll «Seraccess» angeblich dank sehr genauer Messung lösen. Nach Jahren der Forschung existiert aber bis heute kein auf dem Markt erhältliches Produkt.

Securecell-­Chef Carlo Andretta schreibt dazu: ­«Unser Messverfahren wurde über sieben Jahre entwickelt und Ende 2019 auf der Basis von Prototypen­elementen erfolgreich abgeschlossen und qualifiziert.» Nach heu­tigem Erkenntnisstand werde die erste Anwendung der «Seraccess»-­Technologie Ende 2022 oder Anfang 2023 am Markt eingeführt.

Securecell lebt weitgehend vom Verkauf von Aktien

Trotz einem fehlenden Produkt werben aggressive Aktienverkäufer bei Schweizer Kleinanlegern immer wieder für die Securecell. Vor fünf Jahren beispielsweise kamen die Telefon­anrufe nicht von Nordstein, sondern von der Salfried AG. Auch damals wurde bereits ein Börsengang von Securecell ins Spiel gebracht. Potenzielle Anleger waren schon für etwas mehr als 20 Franken dabei.

Eine Analyse der Geschäfts­berichte zeigt, dass Securecell weitgehend vom Verkauf der Aktien lebt: Der grösste Teil des Ertrags der letzten vier Jahre stammt daraus. Der Nennwert einer Aktie liegt bei 10 Rappen pro Stück, der Verkaufspreis bei 90 Franken. Zurzeit sind mehr als drei Millionen Aktien von Secure­cell im Umlauf. So können die Urdorfer Firma und die Nordstein AG massenhaft Aktien ver­kaufen und Geld verdienen.

K-Geld hatte Kontakt mit In­sidern, die Securecell gut kennen. Eine Person sagt: «Den Investoren wird nicht gesagt, dass Nordstein und vorher Salfried weit mehr als 30 Prozent der Investments ver­langen.» Das heisst: Bei einem Preis von 90 Franken für eine Aktie gehen 27 Franken an den Vermittler, also die Nordstein AG. Secure­cell-Chef Andretta bestätigt, dass 25 bis 35 Prozent an die Nordstein als Kommission gehen. Man sei mit der Nordstein sehr zufrieden.

Weiter bemängeln Insider Andrettas hohes Gehalt, das eines Start-ups unwürdig sei. Er verdient nach eigenen Angaben bis zu 240000 Franken netto pro Jahr. Dazu kommt ein Bonus bis zu 30000 Franken, der erfolgsabhängig vom Verwaltungsrat festgelegt werde. Der Grund für die Kommission an die Nordstein sei der erhebliche Aufwand für die Akquisition bei Privatinvestoren. 

Nicht börsennotierte Aktien bringt man kaum los

Für Anleger ist eine solche Inves­tition in der Regel kein gutes Geschäft. Wichtig zu wissen: Wer Geld in Firmen steckt, deren Aktien und Obligationen nicht an der Börse gehandelt werden, kann die Anteile schlecht verkaufen. Denn es gibt dafür kaum einen Markt. Solche Firmen sind auch nicht zur Transparenz verpflichtet. 

Die Masche mit solchen Privat­investitionen ist nicht neu: Die Telefonverkäufer der Salfried AG verkauften auch Aktien des Zuger Pharmaunternehmens Amvac und kassierten dafür Millionen an Provisionen. Von jedem Verkauf sackten sie 60 Prozent des Geldes ein. Inzwischen ist die Amvac pleite, Anleger verloren Millionen (K-Geld 4/18). 

Die Staatsanwaltschaft Zug erhob im August 2019 Anklage gegen den Geschäftsführer der Salfried AG, unter anderem wegen gewerbsmässigen Wuchers und Gehilfenschaft zum gewerbsmässigen Betrug. Der Staatsanwalt beantragt eine Freiheitsstrafe von mehr als vier Jahren. Er befragte den Beschuldigten während der Unter­suchung auch zur Nordstein AG. Doch dazu wollte sich der Salfried-­Geschäftsführer in Anwesenheit ­seines Anwalts nicht äussern. Letzterer ist seit der Gründung der Nordstein AG einziger Verwaltungsrat. Mit­arbeiter, die früher für Salfried tätig waren, zügelten zu Nordstein.


Blackstone Resources – Wer sein Geld in einem schwarzen Loch wiederfinden will…

Friday, March 15th, 2019

… ist bei dieser Firma wohl an der richtigen Adresse. Hinter Blackstone Resources steckt Ulrich Ernst. Seit Jahrzehnten holt er Geld herein mit Versprechen, die nicht haltbar sind. Der letzte Coup war, dass er seine Firma Blackstone Resources an der Schweizer Börse “kotieren” liess. “Kotieren” lassen heisst nicht, dass es sich hier um ein waschechtes IPO handelt (also ein “echter” Börsengang, wo jeder Stein umgedreht wird, wie es denn so ausschaut mit den Finanzen) – aber es tönt für unbedarfte Investoren natürlich gut: “Wir sind an der Schweizer Börse”.

Etwas ist bemerkenswert. Eine der Personen, die Ulrich Ernst im Verwaltungsrat hat in seiner Blackstone Resources, heisst Patrick Stach. Ein Rechtsanwalt aus St. Gallen. Einer, der in der Szene sehr bekannt ist. Seit kurzem hat RA Stach etwas Neues entdeckt. Die “ImmoYou” – aufgegleist von Bettina C. Stach, auch Patrick Stach ist im Verwaltungsrat dabei. Auf Bussen in Zürich wird verheissen, wenn man bei ImmoYou einsteige, seien Renditen zwischen 5 und 9 Prozent “möglich”. ImmoYou steht unter anderem in Konkurrenz zu Crowdhouse. Auch das ein Player in der Schweiz, der starke Renditen verspricht mit Immobilien-Investments – bisher sind auch die Versprechen von Crowdhouse  “Verheissungen” (auch diese Firma verspricht hohe Renditen). Ich persönlich setze hinter beide Anlage-Geschäfte Fragezeichen. Darum sei einfach gesagt: Wer auf solche Anlagen fliegt – könnte früher oder später gehörig auf die Nase fliegen.

Was jeder Investor von Blackstone Resources einfach bedenken muss, ist das: Will ich mein Geld jemandem geben, der von der Schweizerischen Finanzmarktaufsicht Finma bereits einmal sanktioniert wurde? Und jeder, der sich als Verwaltungsrat einer neuen Firma dieser Leute hinter Blackstone Resources mit seiner Reputation verwendet, muss sich fragen: Ist das mein Verwaltungsrats-Honorar wert?

Male ich da irgendwelche Untergangsszenarien ohne Hintergrundwissen an die Wand? Entscheiden Sie selbst. Hier meine Recherche zur “kotierten” Blackstone Resources AG an der “Schweizer Börse” in K-Geld:

Nichts als Ärger für Anleger

K-Geld 01/2019 vom von Christian Bütikofer, Redaktor K-Geld

Seit Jahrzehnten gründet der Geschäftsmann Ulrich Ernst ­Unternehmen und verkauft deren Aktien mit falschen Versprechen. Wer investiert, riskiert den Totalverlust.

Andreas G. aus Kloten ZH kaufte im Februar 2007 Aktien der Immobilienfirma Realcapital In­vest AG in Sarnen OW. Fürs Paket mit 29000 Anteilen zahlte er dem Unternehmen direkt 471250 Franken. Geschäftsführer und Ver­wal­tungsratspräsident war der heute ­71-jährige Ulrich Robert Ernst.

2013 verlegte dieser die Firma nach Zug und taufte sie in Swiss­real Holding AG um. Für 2016 wies Swissreal einen Verlust von 1,1 Millionen Franken aus. Ende 2017 wurde sie liquidiert. Das Geld des Anlegers Andreas G. dürfte komplett verloren sein. ­Dividenden hat er nie erhalten. Noch im Frühling 2016 hatte Andreas G. versucht, seine Aktien loszuwerden. Doch die Papiere werden an keiner Börse gehandelt. Er hätte selbst einen Käufer finden müssen. Geschäftsführer Ernst ­sicherte ihm zwar Unterstützung zu – doch es geschah nichts.

Anleger wird Aktien für 400000 Franken nicht mehr los

Andreas G. ist kein Einzelfall. K-Geld kennt weitere Anleger, die mit Investments bei Ulrich Ernst nichts als Ärger haben. Ein Investor konnte Aktien einer weiteren Firma von Ulrich Ernst, der «Multi Minerals», erst an ihn zurückverkaufen, nachdem Ernst erfahren hatte, dass K-Geld über diesen Fall berichten wird. Ein weiterer Investor hat bei der gleichen Multi Minerals über 400000 Franken eingesetzt – und wird seine Aktien nicht mehr los.

Seit Jahrzehnten verkauft Ernst Aktien von undurchsichtigen Firmen. Die Finanzmarktaufsicht Finma verbot Ernst 2007, «bewilligungspflichtige Effektenhandels­tätigkeiten» auszuüben. Das zeigen Akten, die K-Geld vorliegen. Wie lange dieses Verbot bestand, sagt die Finma nicht. Das Verbot, in der Schweiz Aktien an Privat­investoren zu verkaufen, hinderte den Geschäftsmann aber nicht daran, ­im Ausland weiter aktiv zu sein.

Bereits 2008 gründete er auf der britischen Kanalinsel Jersey eine neue Firma, die Multi Minerals Cor­poration PLC (MMC). Mit dieser Firma, die im Rohstoffsektor tätig sein sollte (Gold, Mangan etc.), werde er in London oder Jersey an die Börse gehen, versprach Ernst zu Beginn. In den Inves­toren-Prospekten schrieb er von 12 Mil­lio­­­nen Tonnen Mangan und schwärmte von Vorkommen im Wert von 1,05 Milliarden US-­Dollar. 2016 teilte er den Investoren aber mit, das Mangan-Projekt sei eingestellt worden. Zudem ­zügelte Ernst den Sitz der MMC auf die Britischen Jungferninseln – einem anderen Steuerparadies.

Bereits kurz nach Gründung der MMC ging der Aktienverkauf an mehrere Schweizer Investoren los – trotz der Finma-Sanktion. Während Ernst seine Aktionäre punkto Börsengang immer wieder vertröstete, liefen die Geschäfte schlecht. Die MMC häufte von 2008 bis 2016 mindestens 1,6 Millionen Franken Verluste an und schrieb 2011 zusätzlich ein Minenprojekt in Kolumbien im Wert von 5,36 Millionen Franken auf 1 Britisches Pfund ab. Das geht aus Geschäftsberichten hervor, die K-Geld vorliegen.

Blackstone Resources ist nun an der Börse, doch Investieren ist riskant

Während dieser Zeit summierten sich dafür die «Beratungshonorare». Die Akten zeigen: Von 2008 bis 2016 beliefen sich die ent­sprechen­den Ausgaben auf über 1,4 Millionen Franken. In den Jahresabschlüs­sen der MMC wies Ernst nie klar aus, wie viel er selbst für seine ­Arbeit jährlich bezog. Es hiess jeweils: «Die Direktoren der Firma haben eine vernünftige Vergütung für ihre Arbeit erhalten.»

2014 stampfte Ernst eine neue Firma aus dem Boden, die im gleichen Sektor tätig ist wie die MMC und deren Eigentum er teils übernahm: Blackstone Re­sources AG. Mit ihr führte Ernst eine Kapital­erhöhung von 20 Millionen Franken durch. Dies geschah über ein «Darlehen» einer anderen Offshorefirma, wie im Handels­register nachzulesen ist. Die Kapitalerhöhung war wichtig für Ernsts Plan: die Zulassung der Blackstone Resources an der Schweizer Börse SIX. Dies gelang ihm ver­gangenen Sommer.

Auch hier zeigen sich Un­stimmig­keiten. So soll eine Marcor Holdings Ltd. aus Hongkong fast 10 Prozent der Aktien der Black­stone Resources AG besitzen. Doch diese Firma ist im Handelsregis­ter Hongkongs nicht eingetragen. ­Weder Ernst noch die Finma wollen sich dazu äussern. Fakt ist: Die Aktien der Blackstone Resources sind riskant. So schreibt die Firma in einer Werbebroschüre ­selber: «Es ist ungewiss, ob die ­Firma ihren Betrieb mit den ak­tuellen Mitteln fort­setzen kann.»

Ulrich Ernst nahm zu den Fragen von K-Geld nicht Stellung.

Ich bekam auf diesen Blog-Eintrag eine ausführliche Stellungnahme von ImmoYou zur Sache des Rechtsanwalts Patrick Stach. Sie ist als Kommentar ersichtlich – im unveränderten Wortlaut. Diesem Kommentar ist aber hinzuzufügen: RA Patrick Stach soll aus der Firma zurückgetreten sein. Zumindest aktuell, 15. April 2019, stimmt das (noch) nicht. Er ist nach wie vor Mitglied des Verwaltungsrats der Immoyou. Hier der Handelsregister-Auszug: https://zh.chregister.ch/cr-portal/auszug/auszug.xhtml?uid=CHE-361.478.875

IN BARGAIN BASEMENT BID, SPANISH TO EXPAND PANAMA CANAL

Saturday, December 18th, 2010
ID
09PANAMA550
SUBJECT
IN BARGAIN BASEMENT BID, SPANISH TO EXPAND PANAMA
DATE
2009-07-09 21:09:00
CLASSIFICATION
CONFIDENTIAL//NOFORN
ORIGIN
Embassy Panama
TEXT
C O N F I D E N T I A L PANAMA 000550
SIPDIS
E.O. 12958: DECL: 07/07/2019TAGS: ECON EINV ETRD MARR PM EWWT PRELSUBJECT: IN BARGAIN BASEMENT BID, SPANISH TO EXPAND PANAMACANAL
REF: A. 2007 PANAMA 1899

¶B. 2008 PANAMA 320

¶C. 2008 PANAMA 732

¶D. 2008 PANAMA 820

¶E. 2008 PANAMA 851

¶F. 2009 PANAMA 195

¶G. 2009 PANAMA 519

¶H. 2009 STATE 69224

¶I. 2009 PANAMA 539

Classified By: Ambassador Stephenson for reasons 1.4 (b) and (d).

 

——-SUMMARY——-
¶1. (C) During a morning of high political theater, PresidentMartinelli, Panama’s senior government officials, consortiarepresentatives, diplomatic corps, and the public (throughlive TV and an internet broadcast) witnessed the presentationof the technical scores and the opening of the financial bidson July 8. After brief real-time calculations, the PanamaCanal Authority (ACP) announced that Sacyr’s consortium wonthe bid to build the third set of locks, centerpiece of the$5.25 billion Panama Canal Expansion. Bechtel believes Sacyrbroke EU anti-competiveness laws in obtaining its suretybonds and will protest if they find a smoking gun. The Sacyrwin signals expanding Spanish influence in Panama and apotential loss of American export opportunities for theproject (although much of the sourcing has not yet beendetermined).

———-SACYR WINS———-

¶2. (U) President Martinelli, Panama’s senior government andACP officials, consortia representatives, diplomatic corpsmembers, and the public (through live TV and an internetbroadcast) witnessed the awarding of the locks contract, thecenterpiece of the $5.25 billion Panama Canal Expansion, to aconsortium led by Sacyr Vallehermoso S.A.. The otherconsortia members are Impregilo S.P.A. (Italian), Jan de NulN.V. (Belgian), Constructora Urbana, S.A. (Panamanian and runby the first cousin of the Panama Canal Administrator),Montgomery Watson Harza (American), IV-Groep (Dutch), TetraTech (American), and Heerema Fabrication Group (Dutch).

———————————PROCESS FOR DETERMINING SACYR WON———————————

¶3. (C) The ACP declared Sacyr to have the “best value”proposal. Out of a possible 10,000 points, Sacyr obtained adominating 8089 points; Bechtel – 6770 points; and ACS – 6559points. The total point tally was composed from technicaland financial scores. Sacyr had the highest technical scorewith 4089 points (out of a possible 5500), ACS – 3974 points,and Bechtel – 3790 points. The technical points ranking was”shocking” to a representative of CH2MHill (anAmerican-firm), the Project Advisor for the expansionprogram. Previously, sources rated Bechtel’s and ACS’stechnical plans to be about equal and both superior toSacyr’s. See ref G. The pre-announcement conventionalwisdom on the technical plans was so prevalent that theaudience collectively gasped when the Sacyr high technicalscore was announced. During a post-announcment meeting withthe Ambassador, the subdued Bechtel reps speculated that thetechnical scoring committee was probably not comfortable withBechtel’s “innovative” design, because it did not fit neatlyinto the ACP’s specifications. Bechtel reps dismissedchallenging the technical evaluation process, noting frompast experience that these technical evaluations can behighly subjective.

¶4. (C) After the award ceremony started, ACP and consortiaofficials retrieved the price envelopes from a nearby bankvault. The audience watched via streaming video projected on
to giant screens, the OJ Simpson-esque drive to/from the bankand the “signing out” of the deposit box with the envelopes.The base price proposals were $3.1 billion for Sacyr, $4.2billion for Bechtel, and $6.0 for ACS, which led to financialpoint scores of 4000, 2980, and 2586, respectively. (Theprovisional prices were $103 million, $94 million, and $0,respectively.) The Sacyr base price elicited a cheer fromthe audience; many Panamanians are pleased that the locks maybe built for less money than expected. Sacyr supporterscheered, because their victory was almost assured with thebest technical score and lowest price.

¶5. (C) The spread on the bid prices is surprising. Sacyr wasexpected to be the low ball bid (due to its precariousfinancial situation and apparent financial backstop from theSpanish government), but both Bechtel and ACS reps had hintedto Embassy officials that their bids were just over $4billion. See ref G. However, the base price proposals linedup with the three bidding strategies outlined in ref D -lowball, value, or punt. The fact that ACS’s $6 billion bidwas almost double of Sacyr’s was not expected and isinterpreted by some as a punt. Bechtel reps state aconsortium cannot even “pour the concrete” for $3.1 billionand hinted even their $4.2 billion price was closer to alowball bid than a value bid. It is widely expected thatduring construction, Sacyr will attempt to renegotiate theprice with the ACP.

¶6. (C) After the ACP declared Sacyr the “best value” winner,the ACP opened the sealed envelope with the price ceiling (lapartida asignada) for the contract. Sacyr offered a baseprice below the ACP’s $3.5 billion ceiling; as a result,further negotiation on price between the ACP and Sacyr is notneeded. See ref G.

——————————-NEXT STEPS IN THE AWARD PROCESS——————————-

¶7. (C) The ACP Price Verification Board will now verify thatthe process complies with ACP requirements and the ACPContracting Officer will proceed to verify the contractor’squalifications. Both these steps should be pro forma, andthe ACP expects to officially award the contract in a fewbusiness days. Upon announcement of the award, the ACP willnotify all consortia members and allow the evaluationdocuments to be examined by all consortia. The winningconsortium must renew its surety bonds within twenty-eightdays. The losing consortia have three days to protest, oncethe five day notification period expires. The ACPProcurement Division must then adjudicate a protest withinthirty days. Whether or not the losing consortia agree withthe ACP decision, the ACP will proceed to sign the contractwith Sacyr. Without defining “work,” the ACP requires Sacyrto begin work seven days after the contract signing.

—————-BECHTEL PROTEST?—————-

¶8. (C) Bechtel reps informed the Ambassador that at this timethey only plan to protest the award if they can prove thatSacyr’s $400 million performance and $50 million paymentbonds (that must now by renewed from Zurich) arecounter-guaranteed by a European government and undisclosed.If the bonds are counter-guaranteed, then Bechtel repsbelieve Sacyr and the backing European government(s)(probably Spain) broke European Union anti-competitivenesslaws by not having this state aid declared. If true and ifthe potential remedy is significant, Bechtel might pursue thematter in court. However, counter-guaranteed surety bondsare not against the ACP bid rules. See ref H for backgroundon this issue. However, we can not rule out some other typeof Spanish government guarantee was provided to Sacyr(outside of the specific action of guaranteeing surety bonds)that would enable Sacyr access to the credit necessary tocomplete the project, preserve Spanish jobs, and prevent arumored shock to Spanish banking system that could ensue froma collapse of Sacyr.

¶9. (C) Bechtel reps were not alarmed over past press leaksfrom Impregilo of the Sacyr consortium forecasting Sacyr’shighest technical score and lowest price. They believe theleaks likely did not reflect undue access to insideinformation or skullduggery by the ACP. See ref G. Rather,the Bechtel rep opined, it was far more likely that Impregilowas engaging in puffery on the outcome in order to securevital new credit.

——————-PANAMANIAN REACTION——————-

¶10. (C) Overall, the ACP, President Martinelli, and thePanamanian public are clearly ecstatic about receiving aprima facie bargain basement price and that a Panamaniancompany (CUSA) is part of the Sacyr consortium. However, weunderstand there may be lingering doubts by some ACP BoardMembers and members of the government that the Sacyrconsortium does not have financial ability to complete theproject. Bechtel reported they had been called to a surprisemeeting with VP/FM Juan Carlos Varela, who was clearlyconcerned about the big price spread and suggested thecabinet needed to ask ACP Administrator Aleman to provide anexplanation.

————————CANAL EXPANSION OVERVIEW————————

¶11. (C) The Panamanian people approved the overall PanamaCanal Expansion project on October 22, 2006 in a NationalReferendum and the ACP broke ground on the first relatedexcavation project on September 3, 2007. The expansionconsists of three major components: construction of thelocks, widening and deepening of the navigational channels,and deepening Lake Gatun. Of the various major contracts tocomplete the expansion, there is now only one left – theestimated $400 million PAC 4 excavation that includes thebuilding of a dam. The ACP hopes to complete the expansionin 2014 for the 100th anniversary of the opening of thePanama Canal. Whether the expansion is completed on-time andon-budget may impact the 2014 Panamanian Presidential andNational Assembly elections.

——-COMMENT——-

¶12. (C) U.S. ECONOMIC IMPACT: Bechtel was expected topurchase $1.2 to $1.3 billion dollars worth of goods fromU.S. suppliers. Sacyr has not provided post with theirexpected U.S. purchases; however, due to Sacyr’s closerelationship with European suppliers, the amount of U.S.exports could be substantially affected. American companiesMontgomery Watson Harza (MWH) and Tetra Tech are minorpartners in Sacyr’s consortium; MWH and Tetra Tech have notrequested commercial advocacy.

¶13. (C) LONG TERM: For over a hundred years, the Panama Canalremained at the core of the United States/Panamanianrelationship. Two-thirds of all ships transiting the canalare traveling to/from a U.S. port and we retain a fundamentalinterest in the successful completion of the expansionproject. However, the Sacyr win marks an increased tide ofSpanish influence in Panama and – for now – injects anelement of uncertainty in to the future of the canalexpansion. What is undisputed, is the pride of Panamanianofficials in moving this project forward under theirsovereignty. See ref I.

STEPHENSON

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