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Ein «Fall Madoff» am Genfersee?

Thursday, October 14th, 2010

Aus Montreux heraus sei ein HedgefondsManager in einen riesigen Anlageschwindel à la Madoff verwickelt. Das behaupten Beamte in den USA und reichten Klage ein.

Von Christian Bütikofer

Mindestens 323 Millionen Dollar an «falschen Gewinnen» («false profits») habe der Hedgefonds-Manager Steve Goran Stevanovich generiert. So steht es in einer Klageschrift vor dem Insolvenzgericht Minnesota, USA.

Der Amerikaner Stevanovich ist von Montreux aus aktiv. Er sei in den Anlagebetrugsfall des Amerikaners Tom Petters verwickelt, schreibt der für den Fall zuständige staatlich eingesetzte Liquidator.

Petters Firmengeflecht wurde in Zwangsliquidation gesetzt, nach dem so genannten «Chapter 11»-Paragrafen. Der eingesetzte Liquidator ist auf der Suche nach mehreren Milliarden Dollar.

Petters zog seit 1993 ein ähnliches Betrugsmodell auf, wie es Madoff jahrelang tat – Petters hat einen Gesamtschaden von über 3 Milliarden Dollar angerichtet. Insgesamt sollen über sein Firmengeflecht um die 40 Milliarden Dollar gewaschen worden sein.

Im Zuge der Ermittlungen wurde Petters diesen April zu 50 Jahren Haft verurteilt.

Spuren führen an den Genfersee

Die Klage gegen Petters Geschäftspartner Stevanovich wurde am Freitag hinterlegt und liegt der «Aargauer Zeitung» vor. Darin wird Stevanovich «aktiver und direkter» Verwicklung in den Millionenschwindel beschuldigt.

Recherchen zeigen: Stevanovich gründete im Herbst 2003 in Montreux am Genfersee zusammen mit seinem langjährigen Geschäftspartner Christian Valentini das Investment-Vehikel «Westford Sarl», das drei Jahre später mit der Fondsgesellschaft «SGS Asset Management Sarl» fusionierte.

An der gleichen Adresse war auch seine «Epsilon Investment Management» anzutreffen.

Stevanovich antwortete einem amerikanischen Gericht in einem anderen Fall noch während diesem August aus Montreux.

In den Dokumenten ist ersichtlich, dass die Epsilon Management aus Montreux heraus operierte, auch wenn sie auf einer Offshore-Insel ihren Sitz hatte.

Weiter zeigen der «Aargauer Zeitung» vorliegende Akten, dass der ehemalige Epsilon-Manager B. im Zuge der Petters-Verfahren erstinstanzlich wegen Überweisungsbetrugs zu 60 Monaten Gefängnis verurteilt wurde.

Milliarden-Transfers getätigt

Stevanovichs Firmen verfügten über Offshore-Parallelgesellschaften auf den Kaimaninseln, Delaware, den Britischen Jungferninseln sowie St. Kitts und Nevis.

Das Westford-Konstrukt wird in der Klage als so genannter «Feeder Fund» bezeichnet: Über ihn wurden bei Opfern Gelder eingesammelt und dann in die Gesellschaften des Anlagebtrügers Tom Petters investiert.

Stevanovich sei für Transfers von mindestens 3 Milliarden Dollar verwantwortlich gewesen und habe so Millionen Dollar eingestrichen. Damit habe er seinem extravaganten Lebensstil gefrönt und in Montreux in einer luxuriösen Villa gehaust.

Universität Millionen gespendet

Stevanovich betätigte sich auch als grosszügiger Gönner. So spendete er seiner Alma Mater, der Universität Chicago, 7 Millionen Dollar. Darauf wurde ein Insitut nach ihm benannt, heute sitzt er dort auch im Universitätsrat.

Anwalt dementiert

Die Anschuldigungen in der Klageschrift dementiert Stevanovichs Anwalt gegenüber der «Aargauer Zeitung» vehement. Die Klage sei in jeder Hinsicht falsch und entbehrte jeder Grundlage.

Stevanovich sei nicht Profiteur von Petters Millionen-Betrug gewesen sondern im Gegenteil ein Opfer.

Zum Zeitpunkt der Investitionen in Petters Fonds habe man keinerlei Anhaltspunkte gehabt, dass sie betrügerisch verwaltet würden. Wie auch die staatlichen Regulierungsbehörden sei man getäuscht worden.

Die Geschäfte mit Petters seien beendet worden, 18 Monate bevor er aufflog. Das Vorgehen des klagenden Liquidators würde statt Geschädigten nützen Investoren schädigen und die wirklichen Täter schützen.

Anmerkung: Petters tätigte einen Anlagebetrug nach dem klassischen so genannten «Ponzi-Modell», auch Madoffs Betrügereien entsprachen dem «Ponzi-Scheme». Fast alle Schäden in dieser Höhe werden nach diesem fast 100-jährigen Betrugsmodell verursacht.

© Aargauer Zeitung / MLZ; 14.10.2010; © Neue Luzerner Zeitung; 14.10.2010