Jetzt zieht der Schweizer Produzentenverband Ifpi richtig um

Der mächtige Schweizer Produzentenverband der Musikindustrie, Ifpi Schweiz, steckt in der Krise. Geschäftsführer Beat Högger musste wegen seiner Nebentätigkeit «in einer privaten Unternehmung» mit Namen IPGate von seinem Posten zurücktreten. von Christian Bütikofer

IPGate steht im Visier deutscher Steuerbeamter, unter anderem wegen fraglicher Anstellungen und eines seltsamen Domizilwechsels der Ifpi. Mit der Trennung versucht sich Ifpi nun, von Högger zu distanzieren.

Auf den 1. November 2009 sollte bei der Ifpi eine Umstrukturierung vollendet werden. Der Ifpi-Vorstand beschloss, einen «Umzug» der Ifpi von der Zürcher Toblerstrasse 76a an die Zürcher Kraftstrasse 30. Beide Adressen bezeichnen ein und dasselbe Gebäude, die IPGate residierte weiterhin an der Toblerstrasse 76a. Ein Ifpi-Sprecher begründete dies gegenüber az so: «Wir wollten die Neuorganisation nach dem Wechsel des Geschäftsführers nach 15 Jahren auch gegen aussen sichtbar machen.» Nur: Eine entsprechende Pressemitteilung zu der bedeutsamen Restrukturierung ist dieser Redaktion unbekannt.

Nur einer war dagegen

Der Ifpi-Vorstand entschied auch nicht geschlossen. Ifpi-Präsident Ivo Sacchi (Universal) und Stefan Grulert (EMI) wollten den Adresswechsel, die anderen meinten «egal», nur Victor Waldburger (TBA/Phonag) war als Einziger dagegen.

Mit der Kraftstrasse-Lösung war der Vorstand scheinbar zufrieden, wie Dokumente zeigen, die az vorliegen. Mitte 2010 diskutierten die Ifpi-Vorstände die Frage, wie schnell man sich vom ehemaligen Ifpi-Geschäftsführer V. trennen sollte: «Einen eher raschen Schlussstrich hätte wohl zur Folge, dass neue Büroräumlichkeiten gesucht […] werden müssten.» Denn das Gebäude an der Tobler-/Kraftstrasse gehört dem Ex-Ifpi-Geschäftsführer V. Trotzdem beschloss man, «Vorbereitungen für den Umzug zu treffen».

Als deutsche Steuerbeamte die Ifpi-Vorstände Anfang 2011 das erste Mal im Zusammenhang mit IPGate kontaktieren und sie über ihre «steuerrechtliche Untersuchung mit Verdacht auf Steuerhinterziehung» ansprechen, wird ein richtiger Umzug plötzlich wichtig.

Für Ivo Sacchi «ist es nun vordringlich, eine neue Location für Ifpi zu finden». Um alle Missverständnisse auszuräumen, «wünscht der Vorstand, dass die Zusammenarbeit mit der IPGate aufgelöst wird».

Ifpi-Vorstand war einverstanden

Ivo Sacchis Anliegen wird schnell erhört. Anfang März informierte Beat Högger den Vorstand, dass an einer «guten Lage» im Kreis 11 Büroräume zu mieten sind. Kostenpunkt: monatlich 3000 Franken. Der Ifpi-Vorstand war einverstanden, «diese Möglichkeit umgehend» zu realisieren. Dafür war man auch bereit, «dass es allenfalls zu einer Überschneidung der Mietverpflichtung» mit dem ehemaligen Vermieter und zugleich langjährigen Geschäftsführer V. kommt.

Jetzt ist das neue Domizil der Ifpi bezugsbereit. An der Berninastrasse 53, gleich neben dem Zürcher Migrationsamt. Die Türklingel ist schon montiert.

© az Aargauer Zeitung, 06.07.2011

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