Mit Steuergeldern Freundin in Schweizer Knast besucht

Ein südafrikanischer Minister besuchte seine Freundin in der Anstalt Hindelbank. Er übernachtete im Luxushotel und liess sich per Limousine ins Gefängnis fahren. Bezahlt haben den Trip die Steuerpflichtigen seines Landes. von Christian Bütikofer

Im Dezember 2008 bekam die in der Nähe von Bern gelegene Anstalt Hindelbank hohen Besuch: der südafrikanische Minister Sicelo Shiceka fuhr in einer Limousine des Nobelhotels Bellevue Palace vor. Des Ministers Ziel: Knastbesuch bei seiner damaligen Freundin Phumla M. Das zeigen Recherchen der südafrikanischen Zeitung «The Sunday Times».

Mit der ehemaligen Flugzeughostesse pflegte der Herr Minister ein längeres Verhältnis, das von einer Kleinigkeit getrübt wurde: 2007 musste M. in der Schweiz wegen Drogendelikten zwei Jahre im Gefängnis verbringen.

Für den Trip in die Schweiz – per First Class-Flug – wünschte Minister Shiceka eine «Präsidenten-Suite». Als er mit seiner Entourage in Bern eintraf, cancelte er die Reservation im Hotel Allegro und stieg stattdessen im Fünfsternhotel Bellevue ab – für doppelte Kosten. Die erste Übernachtung für 630 Franken im Allegro musste die südafrikanische Botschaft trotzdem zahlen. In den Knast liess sich Shiceka per Chauffeur bringen. Das ganze kostete den Steuerzahler umgerechnet 44’000 Franken.

Fussball-Reisli vorgeschoben

Um seine Privatreise zu tarnen, gab der Minister vor, an eine Fussball-WM-Vorbereitungsveranstaltung zu reisen. Er wolle von den Erfahrungen der Schweizer mit WM-Veranstaltungen profitieren. Dass ihm die Botschaft zu verstehen gab, die Veranstaltung sei abgesagt und auch die Euro sei schon vorbei, änderte nichts an Shicekas Vorhaben.

Als er mit den Recherchen konfrontiert wurde, flüchtete er sich in die bekannten Ausreden: Die Dokumente seien gefälscht und überhaupt habe ihn die südafrikanische Botschaft in Bern eingeladen. Zu dieser Aussage konnte man in Bern nur lachen: «Wer bin ich denn, der Minister für eine Reise einladen kann?», meinte der zuständige Botschaftsmitarbeiter auf Anfrage der Times.

Neben dem 44’000-Franken-Trip nach Hindelbank fanden die Journalisten auch heraus, dass Shiceka bereits kurze Zeit nach Amtsantritt sich mit seltsamen Ausgaben für Rundflüge und teure Hotels seiner Freunde beschäftigte.

© az Aargauer Zeitung 2011; 20.04.2011

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