Archive for November, 2010

«Volkshetze»: Ungarn wollen Buchpräsentation stören

Tuesday, November 9th, 2010

Der Weltbund der Ungarn stört sich an einer Buchpräsentation im Kaufleuten. Der Schweizer Ungarn-Ableger bemüht Nazi-Vergleiche und spricht von «Volkshetze». Grund: Buchautor Paul Lendvai thematisiert die rechtsradikalen Tendenzen Ungarns.

von Christian Bütikofer

In der Stadt Zürich wird heute im Kaufleuten eine Buchpräsentation durchgeführt. Der Publizist und politische Kommentator Paul Lendvai wird über sein neues Buch «Mein verspieltes Land: Ungarn im Umbruch» reden.

Er thematisiert darin den Umbruch Ungarns vom demokratischen Musterschüler Europas zu einem Land, in dem Rechtsradikale eine immer grössere Rolle spielen. Und er geht den Gründen nach, warum rassistische und antisemitische Töne in den Medien zunehmen.

Die Buchpräsentation wird vom «Tages-Anzeiger» organisiert.

«Ungarnfeindliche Volkshetze»

Jetzt laufen Ungarn-Schweizer der Schweizer Sektion des «Weltbunds der Ungarn» (MVSZ) gegen den Diskussionsabend Sturm. MVSZ-Schweiz-Vertreter Csaba Kenessey schreibt in einer Pressemitteilung, Lendvai sei «seit vielen Jahren als Hetzer gegen das ungarische Volk bekannt.» Darum würde man heute eine «Pressekonferenz» anlässlich der Buchbesprechung abhalten.

Kenessey bezichtigt den «Tages-Anzeiger», er würde seit vielen Jahren «unwahre» und «ungarnfeindliche» Attacken gegen das «freiheitsliebende Volk der Ungarn» reiten. Weiter ereifert er sich, die Zeitung würde seine Leser aggressiv irreführen, die Ungarn verleumden und das Schweizer Volk gegen die Ungarn «aufhetzen».

Problem mit kritischen Journalisten

Kenesseys Problem scheint zu sein, dass Tages-Anzeiger-Korrespondent Bernhard Odehnal und sein Kollege Gregor Mayer das vielbeachtete Buch «Aufmarsch: Die rechte Gefahr aus Osteuropa» verfassten, in dem Ungarn nicht eben als positives Beispiel auftauchte.

Mayer zeigte etwa, wie die eigentlich verbotene paramilitärische Gruppe «Ungarische Garde» gemeinsame Sache mit der rechtsradikalen Partei Jobbik macht.

Der Juden-Vergleich

Kenessey fühlt sich an die «Nazi-Zeit» erinnert und vergleicht das Schicksal der Ungarn mit jenem der Juden: Wie damals, «als für alle Schandtaten die Juden benannt und herangezogen» worden seien, müssten nun die Ungarn als «Übeltäter» für alle «Schandtaten» herhalten: «Das ist eine Verleumdung, eine hetzerische Aktivität, welche bisher in der Schweiz nicht angetroffen wurde.»

© Aargauer Zeitung, 09.11.2010

Millionen aus Genf: Mandelas Enkel in Finanz-Affäre verwickelt

Tuesday, November 2nd, 2010

Sie erhalten Millionen aus der Schweiz, bezahlen aber ihre eigenen Arbeiter seit Monaten nicht. Nelson Mandelas Enkel Zondwa Mandela sorgt mit einem Neffen des Präsidenten Südafrikas für Ärger.

von Christian Bütikofer

Die südafrikanische Investment-Firma «Aurora Empowerment Systems» zahlt tausenden Arbeitern zweier Goldminen seit Februar keinen Lohn mehr, obwohl die Firma aus der Schweiz 13 Millionen Rand (umgerechnet 1,8 Millionen Franken) erhalten hat.

Dies berichtet die südafrikanische Zeitung «The Witness». Aurora habe Gelder in Millionenhöhe von der Genfer «Global Emerging Markets» (GEM) erhalten. Völlig unklar sei, wo die Gelder versickerten.

Statt Lohn gibts Lebensmittelrationen

Die Minenarbeiter haben bisher nichts gesehen, obwohl ihnen die Löhne bis spätestens Ende September versprochen wurden.

Seit Monaten müssen die Minenarbeiter von Lebensmittel-Rationen leben, die ihnen die Gewerkschaft National Union of Mineworkers (NUM) liefert.

Aurora investiert unter anderem in die Ausbeutung von Bodenschätzen. Das Konglomerat trat als Retter von zwei Goldminen auf, die unter Liquidation stehen und vorher der Firma Pamodzi Gold gehörten.

Politisch vernetzte Entourage

Aurora ist bestens vernetzt: Zondwa Gadaffi Mandela, Khulubuse Zuma und Michael Hulley stehen der Firma vor. Zondwa Mandela ist der Enkel des Ex-Präsidenten Nelson Mandela. Khulubuse Zuma wiederum ist der Neffe von Südafrikas Präsidenten Jacob Zuma und fungiert als Familiensprecher. Michael Hulley ist der persönliche Anwalt des Präsidenten.

Ein Dream-Team seien die Mandela-Zuma-Sprosse und Khulubuse Zuma protzte mit «deep pockets» – seine Firma verfüge über grosse Geldreserven. Er wolle spätestens in 10 Jahren jährlich 10 Milliarden US-Dollar umsetzen.

Im April berichtete «Mining Weekly», GEM habe mit Aurora ein Equity Capital-Agreement im Wert von 750 Millionen Rand (umgerechnet etwa 150 Millionen Franken) abgeschlossen. Bisher sind offenbar erst die verschwundenen 13 Millionen Rand geflossen.

Kurz nach Bekanntgabe der Schweizer Investoren meldete sich Frans Baleni von der Gewerkschaft NUM zu Wort: Mehr als 2 000 Grootvlei-Arbeitern habe man die Wasserzufuhr abgestellt, das sei völlig inakzeptabel. In Grootvlei liegt eine der zwei Minen, die Aurora von der Firma Pamodzi Gold aufgekauft hatte.

Milliarden-Deals in Asien

Obwohl Zuma offenbar kein Geld hat, um seine Angestellten zu entlöhnen und für die Infrastruktur zu sorgen, wickelte er gemäss dem «Business Report» mit seiner Impinda Gruppe Milliarden-Deals ab – unter anderem mit Daewoo Shipbuilding and Marine Engineering aus Südkorea und der chinesischen Donfeng Motor Gruppe.

Daneben flog er in die Demokratische Republik Kongo und schnappte Konkurrenten Ölfelder vor der Nase weg, die ursprünglich ihnen zugeschlagen wurden, berichtet «Business Report».

Weiterer Link in die Schweiz

Auch hier liess Khubuluse Zuma seine Schweizer Kontakte spielen. «Bloomberg» berichtete, für den Kongo-Deal seien zwei Firmen auf den Britischen Jungferninseln gegründet worden (Caprikat und Foxwhelp), als Zumas «technischer Berater» fungiert der Italiener Giuseppe Ciccarelli, Direktor der Medea Development SA, eine Firma aus Luxemburg mit Zweigniederlassung im Tessin.

Khulubuse Zuma frönt einem ausgesprochen aufwendigen Lebensstil, mit Nobekarossen, teuren Hotels und ausschweifenden Partys. Er, seine Geschäftspartner Mandela und Hulley stehen mit der Firma Aurora aber nicht nur wegen ihrer unakzeptablen Lohnpolitik in der Kritik.

Mitte August erschossen Sicherheitskräfte der Firma mehrere Personen, die sich auf dem Gelände einer Mine befanden. Aurora behauptete, es habe sich um «illegale» Arbeiter gehandelt, die Waren gestohlen hätten.

© Aargauer Zeitung, 02.11.2010

Journalisten und Evangelikale blasen zur Homo-Hatz

Tuesday, November 2nd, 2010

In Uganda publizierte ein Blatt die Adressen diverser Homosexueller. Der Konflikt wurde von einem evangelikalen Eiferer angeheizt, der verbreitet, Adolf Hitler sei schwul gewesen.

von Christian Bütikofer

Eine Hetzliste mit 100 Bildern sorgt für Empörung. Ugandas Zeitung «Rolling Stone» veröffentlichte die Bilder von homosexuellen Ugandern mit der Forderung, diese Leute am nächsten Baum aufzuknüpfen.

Redaktor Giles Muhame sagte, er wolle mit der Veröffentlichung von Fotos Schwuler fortfahren, um ihnen zu «helfen», ein verantwortungsbewusstes Leben zu führen. Gegenüber CNN stellte Muhame Homosexualität mit einem Virus gleich.

«Poo-Poo»-Priester sorgte für Eklat

Bereits 2009 sorgte Uganda für Furore. Ein Abgeordneter brachte einen Gesetzesentwurf ins Parlament ein, der für homosexuelle Handlungen die Todesstrafe vorsah.

In einer denkwürdigen Pressekonferenz sorgte Pastor Martin Ssempa für einen Eklat, als er vor versammeltem Publikum Schwule mit üblen Bildern als sexuell Abnorme hinstellte.

Nach internationalen Protesten legte Präsident Yoweri Musweni den Vorschlag auf Eis.

Amerikanische Eiferer haben neues Spielfeld gefunden

Wenn’s in Uganda um Schwulen-Hetze geht, sind amerikanische Evangelikale ganz vorne mit dabei. Seit Jahren veranstalteten sie in Ugandas Hauptstadt Kampala Seminare, um die angeblichen geheimen Pläne der Homosexuellen aufzudecken.

Die ugandische Organisation «Family Life Network» lud amerikanische Evangelikale ein, um Vorträge über die Zerstörung der traditionellen Familienwerte durch Homosexualität und die Gefahr für die Gesellschaft durch die Schwulen anzuprangern.

Einer dieser Missionare ist Scott Lively. Zu seinem Lebenswerk gehört das Buch «The Pink Swastika» (Das rosarote Hakenkreuz), in dem er behauptet, zwischen Homosexuellen und Nationalsozialisten bestehe ein enger Zusammenhang. Sogar Hitler sei schwul gewesen, meinte Lively in der US-Talkshow «The Daily Show». Wegen ihrer Homosexualität seien die Nazis auch so grausam gewesen.

The Daily Show With Jon Stewart Mon – Thurs 11p / 10c
Gay Reichs
www.thedailyshow.com
Daily Show Full Episodes Political Humor Rally to Restore Sanity

Historiker bezeichnen Scott Livelys Theorien als völlig haltlos. Das Gegenteil sei der Fall gewesen: Die Nazis verfolgten Homosexuelle und steckten sie in Konzentrationslager.

Rektorin Sylvia Tamale vom Institut für Rechtswissenschaften der Makerere Universität bringt die Schwulen-Hetze mit politischem Kalkül in Verbindung. Es sei eine Tatsache, dass in Krisenzeiten Machthaber ihre Untergebenen gerne auf schwache Gruppen in der Gesellschaft hetzten, sagte sie gegenüber der «Huffington Post».

Laut einem Bericht der Organisation «Human Rights Watch» wurden in Uganda in letzter Zeit immer mehr politisch motivierte Übergriffe verzeichnet, die keine strafrechtlichen Konsequenzen hatten. Die seit Jahren dominierende Partei NRM habe in letzter Zeit politische Gegner immer wieder mit Anschuldigungen von sexuellen Übergriffen, Homosexualität oder «abtrünnigem» Verhalten eingedeckt, um sie einzuschüchtern