Im Dunstkreis der Hells Angels

Welche Rolle der umstrittene Motorrad-Club bei einem Biker-Treffen in Graubünden spielt.

Christian Bütikofer, Oliver Baumann

Im Winterkurort Laax findet dieses Wochenende die elfte Veranstaltung des Biker-Events «Fat Tire» statt. Früher organisierte den Event die Laaxer Bergbahnengruppe Weisse Arena, die Hells Angels sorgten jahrelang für die Sicherheit auf dem Platz.

Die Laaxer gaben den Anlass wegen anhaltender Defizite nach 2006 auf – die Rede war von jährlichen Verlusten um die 100000 Franken.

Nun aber soll dem Event neues Leben eingehaucht werden. Marcel Zaru, der als Sprecher des Anlasses fungiert, erwartet etwa 2000 bis 3000 Biker aus der Schweiz und Europa. Schon am Donnerstag seien einige auf dem Gelände der Alp Plaun oberhalb von Laax angekommen, sagt Zaru. Aufgrund des schönen Wetters, das man am Wochenende erwarte, rechnet er mit vielen Besuchern. Man wolle aber nicht mehr so mit der grossen Kelle anrühren, wie das in der Vergangenheit der Fall gewesen sei. «Unser Ziel ist es, den Leuten der Region etwas zu bieten.» Die Kosten müssten gedeckt sein, man wolle mit dem Event nicht einen Haufen Geld verdienen.

OK im Umfeld der Hells Angels?

In der Schweizer Biker-Szene wird kolportiert, den Anlass würde das Umfeld des Hells-Angels-Chapters Riverside aus der Region Rheintal organisieren. Das dementiert Sprecher Marcel Zaru vehement: «Das Organisationskomitee hat mit den Hells Angels nichts zu tun.» Auch bei der Weissen Arena, der nach wie vor die Website und das Logo von «Fat Tire» gehört und die nach aussen als «Logistik- und Dienstleistungspartner» des Events auftritt, will man von angeblichen Hells Angels im OK nichts wissen. Geschäftleitungsmitglied Martin Hug: «Im OK sitzen Vertreter der Weissen Arena und des MRC Vorderrheintal, einer lokalen Biker-Gruppierung.»

Was sicher ist: Die Hells Angels sorgen auch in diesem Jahr für die Sicherheit auf dem Gelände des Events. Das bestätigen sowohl Hug als auch Zaru freimütig. Angesprochen auf den Zwischenfall in Ehrendingen, wo ein Clubhaus des Outlaws MC von rivalisierenden Gruppierungen angegriffen wurde und auf die Frage, ob jener Vorfall Auswirkungen auf die Sicherheit am «Fat Tire»-Anlass habe, reagiert Zaru allerdings unwirsch: «Wenn Sie das in Verbindung mit den Hells Angels oder dem Event bringen wollen, beende ich das Gespräch.»

Pikantes Detail: An der Zürcher Motorradmesse Swiss Moto trat ein Aussteller namens «Big Red Machine» auf – die Umschreibung steht für die Hells Angels. Als Kontakt des Ausstellers fungierte – Marcel Zaru.

Ermittlungen im Aargau laufen noch

Mitte Juni entstand in Ehrendingen durch den Angriff auf das Outlaws-Clubhaus ein Sachschaden von über 100000 Franken. Gemäss Kantonspolizei waren über 100 Personen daran beteiligt. Die Outlaws behaupteten, es habe sich bei den Angreifern auch um Mitglieder der Hells Angels gehandelt, was diese durch ihren Anwalt Valentin Landmann dementieren liessen. «Die Ermittlungen im Fall Ehrendingen sind nach wie vor am Laufen», sagt Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei Aargau. Es würden immer noch Beteiligte des Zwischenfalls befragt. Darunter sind dem Vernehmen nach auch Hells Angels.

Dass der umstrittene Motorradclub auch beim «Fat Tire» in Laax – zumindest als Sicherheitsdienst – eine Rolle spielt, nimmt man beim Hauptsponsor des Anlasses, dem Bierbrauer Heineken, indes gelassen. Ihr sei versichert worden, sagte eine Heineken-Sprecherin auf Anfrage, dass der Sicherheitsdienst der Hells Angels am «Fat Tire» jeweils massgeblich dazu beigetragen habe, dass der Event immer friedlich verlaufen sei.

Unzimperliche Ordnungshüter

Einheimische Besucher vergangener «Fat Tire»-Anlässe berichten jedoch, dass die Hells Angels als Ordnungshüter in der Vergangenheit nicht gerade zimperlich mit vermeintlichen Delinquenten umgegangen seien. Eine Person, die nicht namentlich genannt werden will, meinte gegenüber dieser Zeitung: «Ich sah, wie die Hells Angels einen Typen erwischten, der etwas Kleines klaute. Sie nahmen ihn in ihre ‹Sheriff–Hütte›. Dort verprügelten sie ihn und liessen ihn dann mit blutender Nase wieder laufen.»

Bei der Kantonspolizei Graubünden hiess es auf Anfrage, dass das «Fat Tire» noch nie Probleme bereitet habe. Ob der Anlass speziell beobachtet werde, wollte der Kantonspolizei-Sprecher nicht kommentieren.

© Aargauer Zeitung / MLZ; 06.08.2010

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