Adressbuch-Schwindler unterliegen vor Bundesgericht

Christian Bütikofer

Novachannel ködert Kunden mit unlauteren Mitteln, sagt das Bundesgericht. Doch die Hintermänner der Firma sind längst umgezogen.

Jahrelang haute Novachannel weltweit Firmen übers Ohr. Die Firma versandte Formulare für vermeintlich kostenlose Adressbuchverzeichnisse. Der Preis war im Kleingedruckten versteckt, die Konditionen wurden geschickt verschleiert. Für jedes ausgefüllte Formular verrechnete Novachannel dem ahnungslosen Kunden 5000 Franken.

Das Resultat war eine nicht abreissende Flut von Beschwerden ausländischer Opfer beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). 2006 verklagte das Seco die Adressbuchschwindler wegen unlauteren Wettbewerbs. Novachannel verlor vor jeder Gerichtsinstanz, ging aber bis nach Lausanne. Jetzt hat auch das Bundesgericht das Seco gestützt.

Novachannel gehört zu einem Firmenkreis, der seit 20 Jahren aus der Innerschweiz weltweit Firmen mit unlauteren Adressbuch-Formularen eindeckt und mit eigenen Inkassounternehmen zum Zahlen drängt. Das Bundesgerichtsurteil dürfte wegweisend sein. Es hat Signalwirkung für das ganze Adressschwindel-Gewerbe. Ob das lukrative Geschäft mit dem Kleingedruckten damit ausgespielt hat, ist aber fraglich.

TA-Recherchen zeigen: Als Ende 2008 absehbar wurde, dass Novachannels Geschäftsmodell in der Schweiz keine Zukunft hat, wich deren Chef Michael Röwe ins Ausland aus. Die Seco-Klage ist nur eines seiner Probleme. Die Staatsanwaltschaft Luzern ermittelt gegen das Firmengeflecht wegen Betrugs und unlauteren Wettbewerbs. Über Zypern gründete Röwes Umfeld in Portugal die Firma United Directorios. Als Geschäftsführerin amtet Debora Schaer, die Röwe in einem anderen Verfahren als seine «private Sekretärin» vorstellte.

United Directorios hat von der sich inzwischen in Liquidation befindenden Novachannel sämtliche Verträge übernommen. Aus Lissabon versuchen Mitarbeiter erneut, die Opfer des Kleingedruckten zum Zahlen zu animieren. United Directorios will offenbar sogar expandieren – auch in die USA. Mit Webseiten wie «The European Medical Directory» (www.temdi.com oder www.ammedi.com) dürften das ganze von vorne losgehen.

Bundesgerichtsurteil: 4A_106/2009

© Tages-Anzeiger; 03.11.2009

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