Äpfel, Klone, ein bisschen Kokain

Die Firma Psystar will Apple-kompatible Computer unter die Leute bringen. Das Umfeld des Unternehmens aus Miami mutet dubios an.

Von Christian Bütikofer

Seit Tagen ist die Internetwelt in Aufruhr. Die Firma Psystar aus Miami, Florida, kündigte den ersten Apple-Klon an, der seit elf Jahren auf den Markt kommt. Für nur 399 Dollar – und gegen einen Aufpreis mit vorinstalliertem Apple-Betriebssystem (Mac OS X) – gibts auf der Website von Psystar einen solchen Mac-Klon zu bestellen. Die Homepage von Psystar war zeitweise nicht mehr erreichbar, der Server litt unter dem grossen Ansturm der Internetgemeinde. Nachdem die Seite gestern wieder online war, setzte Psystar noch einen drauf und kündigte das leistungsstärkere «OpenPro Computer»-Modell an, erhältlich für 999 Dollar und ebenfalls Mac-kompatibel.

Früher waren Mac-Klone keine Seltenheit. Als Apple in den Neunzigerjahren wirtschaftlich vor dem Abgrund stand, führte die Firma ein Lizenzmodell für fremde Hardwarehersteller ein – auf deren Mac-Kopien lief das originale Apple-Betriebssystem legal. Seit Steve Jobs wieder die Zügel in der Hand hält, vergibt das Unternehmen aber keine Lizenzen zum Bau von Mac-Kopien mehr.

Umtriebige Geschäftsleute

Das Geschäftsmodell von Psystar steht daher juristisch auf schwachen Beinen. Trotzdem scheint man bei Psystar siegessicher. Das IT-Magazin «Information Week» zitiert einen Psystar-Mitarbeiter namens «Robert» damit, dass Apple seine Hardware viel zu teuer anbiete. Er zeigte sich optimistisch, was ein allfälliges Gerichtsverfahren betrifft.

Schon Psystars Geschäftsidee löst Stirnrunzeln aus. Aber auch die involvierten Personen regen zum Nachdenken an. Die Firma existiert seit knapp einem halben Jahr. Als Direktoren des Unternehmens amten Roberto Pedraza und der 51-jährige Lastwagenfahrer Rodolfo Jesus Pedraza. Sie trifft man seit 2000 entweder einzeln oder zusammen in etlichen Firmen mit diversen Geschäftszwecken an.

So mischte etwa die Expressi Networks ohne grossen Erfolg im Website-Hosting mit – sie ist inzwischen nicht mehr aktiv. Zwei weitere Firmen wurden beide ein Jahr nach Gründung 2006 schon wieder aufgelöst; diverse Websites lauten aber nach wie vor auf diese drei Unternehmen. Eine weitere Firma, die Elect Elite, existiert noch und entwickelt ein Online-Wahlsystem für Schulen. Auch in ganz anderen Geschäftsfeldern war das Umfeld von Psystar tätig. Laut dem TA vorliegenden Dokumenten wurde eine Person aus diesem Kreis in der Vergangenheit wegen einem Betäubungsmitteldelikt verurteilt.

Die Beantwortung diverser Fragen des TA per Telefon wurde von einem Psystar-Mitarbeiter abgelehnt. Per E-Mail erhalte man innert 20 Minuten Antwort, meinte er, auch von Psystar-Chef Rudy Pedraza persönlich per Telefon. Bis Redaktionsschluss erfolgte keine Reaktion.

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