Archive for the ‘Pressefreiheit’ Category

GV-Protokolle und Gründer der Schweizer Lyoness-Firmen

Thursday, May 2nd, 2013

Seit einigen Tagen geht im Forum Plattform-Lyoness.at die Post ab – fast kein Tag, an dem nicht interessante Dokumente veröffentlicht werden.

Da kann ich natürlich auch noch so das eine oder andere beitragen. Transparenz ist vor allem auch darum angebracht, weil die Lyonesen-Presseabteilung mal wieder im Pinocchio-Stil am 16. April 2013 ein Communiqué in die Welt setzte, bei dem schon der Name des attackierten Mediums nicht stimmte. So schrieb der PR-Experte Mathias Vorbach irgendwas von einem “Handelsblatt” in der Schweiz. Tja… gibts hier nicht.

Hier die erste Akte der Lyoness Holding Europe AG, welche die Gründer der Lyoness Holding Europe AG (heute Lyoness Europe AG) mit Aktienverteilung auflistet. Es dürfte sich um eine reine Strohmann-Gründung des Umfelds des Hubert Freidl gehandelt haben. Vielleicht um den Schein zu wahren, gab Freidl in einem Gerichtsprozess 2003 an, sich bei der Gründung des österreichischen Ablegers (der heutigen Lyoness-Austria GmbH) mit “Ackermann” abgesprochen zu haben. Mit anderen Worten gab er damit zu verstehen, er hätte von einem “Ackermann” Anweisungen eingeholt, es tönt so, als wäre dieser der “Boss” gewesen.

Doch das ist ziemlich zweifelhaft, schaut man sich mal an, was dieser “Ackermann” denn so macht und wer er ist.

Die Gründer der Lyoness Holding Europe AG waren lic. oec. HSG Iwan J. Ackermann, Vaduz, Max Meienberg, Steinhausen und die Centrapriv AG aus Zug, vertreten durch Uwe Proch, Obfelden. Iwan Ackermann ist der Inhaber der liechtensteinischen Treuhandfirma First Advisory, die 2009 dem Fürst von Liechtenstein die Treuhandabteilung der unter Druck stehenden LGT-Bank abkaufte. Sein Motto damals:  “Der Treuhandsektor wird sich umstellen müssen. Er wird nicht davon leben können, als einzige Dienstleistung die Steuerhinterziehung oder den Steuerbetrug anzubieten.” Die First Advisory ist also eine ziemliche Nummer im Ländle. Interessant ist, dass einerseits ein angesehener liechtensteinischer Treuhänder zur Gründung herangezogen wurde und andererseits Zuger Treuhänder in der Schweiz “mitgründeten” – was rechtlich gar nicht nötig gewesen wäre.

Die beiden anderen unterschrieben die Gründungsakten für die Centrapriv AG aus dem Kanton Zug. Die Aktienverteilung bei Gründung ist in den Dokumenten ersichtlich.

Die zweite Akte der Lyoness IMEA SA listet deren Gründer auf. Es ist dies die Lyoness International AG, vertreten durch Erwin Josef Hüsler. Dazu parkierte Hüsler das Kapital bei der Voralberger Landes- und Hypothekenbank AG in St. Gallen.

Die dritte Akte der Lyoness Greenfinity Foundation (Stiftung) zeigt, dass auch sie von der Lyoness International AG gegründet wurde. Diesmal aber vertrat der Oberverkäufer Hubert Freidl die Gründerin.

Die vierte Akte der Lyoness Child and Family Foundation (Stiftung) zeigt, dass sie ebenfalls von der Lyoness International AG gegründet wurde. Hier wurde sie wieder von Hüsler vertreten.

Die fünfte Akte ist ein Protokoll der Generalversammlung der Lyoness International AG vom 9. Juli 2012. Es zeigt unter anderem den Austritt der Revisionsstelle OBT und den Gewinnvortrag in der Höhe von einigen hunderttausend Franken.

Die sechste Akte besteht aus dem Protokoll der Generalversammlung der Lyoness Europe AG vom 15. Juli 2012. Es zeigt unter anderem, wie sich die Anwesenden eine Dividende von 3,2 Millionen Franken genehmigten.

Schweizer Pistolen für Saudi Arabien

Thursday, January 17th, 2013

Die Nachrichtensendung «10 vor 10» von SRF berichtete, die Saudis hätten gerne Pistolen der Firma KRISS. Die folgenden Bilder hielt der Schweizer Geschäftsmann Nick Frei fest. Es zeigt, wie der fundamentalistische Gottestaat den Nachbarn in Bahrein im Jahr 2011 während dem arabischen Frühling beim Perlenplatz bei der Errichtung von Demokratie und Freiheit tatkräftig zur Seite stand.

Swiss news channel «10 vor 10» reported an upcoming weapons deal between arms dealer KRISS and the Kingdom of Saudi Arabia. The following pictures were taken by Swiss businessman Nick Frei. He was an eye witness how armed forces of Saudi Arabia helped the ruling family of neighbouring country Bahrein strike down the uprising in 2011 at the Pearl Roundabout in Manama.

Die Schweiz schützt einen mutmasslichen Kriegsverbrecher

Tuesday, May 3rd, 2011

Die Schweiz hat einen ehemaligen General aus Sri Lanka als Diplomaten akkreditiert. Dabei wusste Bern, dass der Armeechef höchst umstritten ist – ihm werden Kriegsverbrechen vorgeworfen. Jetzt fordern Nichtregierungsorganisationen seine Absetzung. von Christian Bütikofer

Mit dem Sieg im Mai 2009 der Armee Sri Lankas über die aufständischen Tamil Tigers (LTTE) im Norden des Landes nahm der 26-jährige bewaffnete Konflikt ein blutiges Ende.

Die meisten LTTE-Generäle wurden getötet, die Tamilen verloren ihren Unabhängigkeitskampf. Für die siegreichen Generäle der Armee aber brachen gute Zeiten an. Dazu gehört auch Nanayakkara Agarage Jagath Chulanaga Dias, kurz Jagath Dias genannt. Er startete eine neue glanzvolle Karriere.

Dias wurde wenige Monate nach Kriegsende im Herbst 2009 nach Europa geschickt und darf sich seither Diplomat nennen.

Heute lebt er in Berlin, ist als stellvertretender Botschafter der sri-lankischen Regierung für Deutschland, die Schweiz und den Vatikan akkreditiert. Mit dem Diplomatenstatus ist er unantastbar.

40’000 Zivilisten starben in wenigen Wochen

Die diplomatische Immunität erhielt er in der Schweiz, obwohl auch für Aussenstehende schnell klar weden musste, dass sich Dias gegen schwerste Vorwürfe verteidigen muss.

Jetzt fordern die Nichtregierungsorganisationen Trial (Genf), ECCHR (Berlin) und die Gesellschaft für bedrohte Völker (Bern), dass die Schweizer Regierung Dias sofort als persona non grata erklärt – er also hier nicht mehr als Diplomat mit den inhärenten Privilegien fungieren kann.

In einem 26 Seiten dicken Dossier trugen die NGOs diverse Vorfälle zusammen, die sie als Kriegsverbrechen taxieren und Dias anlasten.

Denn er war Generalmajor der sri-lankischen Armee zur Zeit der Schlussoffensive gegen die Tamil Tigers, bei der laut einem UNO-Rapport in der Schlussoffensive des Konflikts um die 40’000 Zivilisten ermordet wurden. Dazu gehörten der gezielte Granatenbeschuss von zivilien Schutzzonen sowie Krankenhäusern und religiösen Stätten. Journalisten wurden eingeschüchtert, Kritiker verschwanden in weissen Lieferwagen und wurden nie wieder gesehen.

Auch das UNO-Gebäude und Unterkünfte des Roten Kreuzes bombardierte die sri-lankische Armee, obwohl sie über deren Standort nachweislich ganz genau Bescheid wusste.

Die LTTE machte sich gemäss dem UNO-Rapport ebenso schwerster Verbrechen schuldig. So rekutierten sie etwa Minderjährige als Soldaten, hinderten die Flüchtlinge am Verlassen der Kampfzone, nutzten sie als menschliche Schilde und führten jahrelang Selbstmordattentate durch.

Die meisten LTTE-Verantwortlichen sind tot, wurden in den letzten Tagen erschossen, zum Teil nachdem sie in Gefangenschaft gefoltert wurden. Die Verantwortlichen der Regierungsarmee aber lassen sich als Helden feiern, bekommen Häuser für ihre Taten, geniessen obersten politischen Schutz.

Vorwürfe waren längst bekannt

Gegenüber dem ARD-Nachrichtenmagazin Fakt meinte ECCHR-Jurist Andreas Schilling: «Wenn man Schutzzonen einrichtet für Zivilisten, wo man die Zivilbevölkerung explizit auffordert, dorthin zu gehen, weil sie dort sicher sind, und dann diese Zonen unter Beschuss nimmt, dann ist das einer der schlimmsten Tatbestände, den man im humanitären Völkerrecht erfüllen kann.»

Beim Eidgenössischen Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) wusste man seit längerer Zeit von den Vorwürfen – passiert ist bisher nichts.

Den NGOs beschied man, zuerst wolle man einen unabhängigen Report der UNO abwarten.

EDA behält sich Schritte vor

EDA-Pressesprecher Georg Farago sagte gegenüber az: «Die Schweiz kennt die Vorwürfe gegen ein Mitglied der diplomatischen Vertretung Sri Lankas bei der Schweiz, die sich in Berlin befindet. Die Schweiz prüft gegenwärtig die Situation und behält sich allfällige Schritte vor.» Weiter meinte Farago: «Die Schweiz hatte die srilankischen Behörden konsequent dazu aufgerufen, ihre Verantwortung wahrzunehmen und Verstösse gegen das humanitäre Völkerrecht und die Menschenrechte zu untersuchen und die Täter vor Gericht zu stellen.»

Der UNO-Report ist seit Ende März erstellt. Im Bericht werden auf 214 Seiten verschiedene Kriegsverbrechen der Regierungstruppen und der Tamil Tigers detailliert festgehalten. In Sri Lanka führte er zu empörten Voten der Regierung.

Der Bürgerkrieg in Sri Lanka gehörte zu einem der blutigsten Konflikte der Welt. Dabei wurden auch extralegale Hinrichtungen durchgeführt. Solche Exekutionen durch die sri-lankische Armee wurden durch Videoaufnahmen dokumentiert und von der australischen Presse veröffentlicht.

EDA-Pressesprecher Farago bestätigte, dass man den Bericht der UNO-Expertengruppe zur Verantwortlichkeit («accountability») der Konfliktparteien im Nachgang des bewaffneten Konflikts in Sri Lanka von 2009 begrüsse. Er solle als Grundlage für eine unabhängige Aufarbeitung der Geschehnisse dienen.

Auch in der Schweiz aktiv

Klar ist, dass Jagath Dias mehrere Male in der Schweiz weilte und laut Informationen der az Kontakt zu Medienvertretern suchte. Ihm soll es darum gegangen sein, einen neu gegründeten Verein der tamilischen Diaspora in der Schweiz zu «beobachten» und ihn hier bei der Presse unmöglich zu machen.

Wie durch einen Zufall erschienen wenig später in grossen Schweizer Tageszeitungen Berichte über einen «dubiosen» Verein, in dem angeblich terroristisch vernetzte Tamilen das Sagen hätten.

Auf eine Anfrage reagierte die sri-lankische Botschaft in Deutschland bis zum Publikationsdatum nicht.

© az Aargauer Zeitung 2011; 03.05.2011

Nie mehr Wikileaks-Server suchen

Tuesday, December 7th, 2010

Ein Klick aufs Wikileaks-Logo und man wird immer zum nächsten Server weitergeleitet, der die geleakten Dokumente beherbergt.

Hintergrund: Die Wikileaks-Server werden momentan von verschiedenen Ländern zum Verschwinden gebracht. Ein Zensurversuch, der so im Internet zwar nicht einmalig, in seiner Grösse aber neu ist.

Die Aktion startete die deutsche linke Tageszeitung «Taz». Mehr dazu hier.

WikiLeaks

Und wenn wir schon dabei sind:


Schmierenkomödie um Paul Lendvai geht weiter

Tuesday, November 23rd, 2010

Zuerst «protestierten» seine Gegner in der Schweiz und bezichtigten ihn als «Volksverhetzer». Jetzt musste der Journalist Paul Lendvai eine Veranstaltung in Deutschland absagen, er wird körperlich bedroht. Der Grund: Lendvai hat ein Buch über sein Heimatland Ungarn geschrieben, das Extremisten so ganz und gar nicht gefällt.

Die Pressemitteilung seines Verlags Ecowin von Ende November im Original:

«Diskussionsveranstaltung mit Paul Lendvai wegen Gewaltandrohungen abgesagt

by Ecowin Verlag on Tuesday, November 23, 2010 at 11:47pm

Die für morgen, 24. November 2010 geplante Veranstaltung „Vom Schrittmacher zum Krisenherd. Ungarn im Wandel“ mit dem österreichischen Journalisten Paul Lendvai,in Frankfurt muss aufgrund persönlicher Gewaltandrohungen gegen Herrn Lendvai abgesagt werden.

Paul Lendvai , gebürtiger Ungar und als Journalist und Publizist in Wien lebend, ist wegen seines Buches „Mein verspieltes Land“ zur Hauptangriffsfläche von rechtsnationalisitschen und antisemitischen Kräften geworden, die derzeit eine ungeheuer aggressive Kampagne gegen ihn und sein Buch führen.

Nachdem wir von verschiedenen Seiten eindrücklichst davor gewarnt wurden, dass es bei der Veranstaltung in Frankfurt am Main morgen möglicherweise nicht nur bei Demonstrationen gegen die Veranstaltung und gegen Herrn Lendvai bleiben wird (wie das in Zürich vor kurzem der Fall war), sondern dass auch mit Tätlichkeiten gerechnet werden müsse, hat sich die Heinrich-Böll-Stiftung Hessen in enger Absprache mit den an der Veranstaltung Beteiligten entschlossen, die Veranstaltung abzusagen, weil wir die Sicherheit von Paul Lendvai nicht gewährleisten können.

Umso mehr werden wir in Zukunft auf Veranstaltungen die Entwicklungen in Ungarn kritisch beleuchten und den zunehmenden Antisemitismus, Nationalismus und Rechtspopulismus dort (und nicht nur dort) zum Thema machen.

Ralf Zwengel/Margret Krannich

Heinrich-Böll-Stiftung Hessen

Tel.: 069/231090

e-mail: info@hbs-hessen.de»

Wer den wissen will, was Paul Lendvai so Böses schreibt, sollte sich sein Buch «Mein verspieltes Land – Ungarn im Umbruch» kaufen. Als politisch Interessierter lernt man nicht nur über den Kalten Krieg und Ungarn sondern liest ein unverfälschtes, kritisches Geschichtsbuch. Viel Spass!

Verfasser von «Mein verspieltes Land: Ungarn im Umbruch» als Spitzel verunglimpft

Friday, November 19th, 2010

Tja, es fing mit einer simplen Pressemitteilung an. Osteuropa-Kenner Paul Lendvai veröffentlichte ein kritisches Buch über sein Heimatland Ungarn – und die Gegner bezichtigten ihn in der Schweiz im Vorfeld der Buch-Präsentation gleich als «Volksverhetzer», der die Schweizer gegen Ungarn aufbringen will.

Doch damit nicht genug. Jetzt versuchten sie ihn auch noch als kommunistischen Spitzel zu «outen». Sehr witzig, wer Lendvais politische Ansichten durch seine Bücher kennt. Von Kommunist keine Spur, im Gegenteil. Seine einzige Sünde: Er ist ein kritischer – brillanter – Kopf und Verfechter einer offenen Gesellschaft.

Hier die ganze Geschichte, von Paul Lendvai auf der Website seines Verlags Ecowin am 18.11.2010 veröffentlicht:

«Mit Bestürzung habe ich in der Wochenzeitung „Heti Valasz“ jenen Artikel gelesen, der, aus den diplomatischen Berichten des kommunistischen Regimes aus herausgegriffenen Futzerln aus meinen Memoiren und anderen Büchern und künstlichen Wortverbindungen zusammenstellt, sensationsheischend und „entlarvend“ beabsichtigt, mich in meiner menschlichen Ehre und journalistischem Ruf zu verletzen. Nichts weniger wird behauptet, als dass ich mich in den 80er Jahren über die ungarische Botschaft in Wien dem damaligen Regime als „freiwilliger Informator“ angeboten habe. Man wirft mir vor, dass ich 1985 ungarischen Diplomaten über den Budapester „Oppositionsgipfel“ erzählt hätte.

Es war und ist eine natürliche und übliche journalistische Praxis, mit Diplomaten und offiziellen Persönlichkeiten in Form von ungezwungenen Gesprächen Verbindung zu halten. Es liegt in der Natur der Sache, dass die beiden Informationen austauschen, ohne dass sie einander als „Informator“ betrachten würden.

Was das sogenannte „alternative Gegenforum“ zum 1985er „Europäischen Kulturforum“ betrifft, so war dies nicht ein Oppositionsgipfel, sondern eine öffentliche Veranstaltung mit der Teilnahme angesehener internationaler Persönlichkeiten, über die die Weltpresse berichtet hat. Die über dieses Ereignis entstandenen Dokumente waren nicht geheim, so auch nicht die englischsprachige Einladung, die jeder hätte jedem geben können.

Dieses Ereignis war damals Mittelpunkt der öffentlichen Gespräche und natürlich kommentierte der Diplomat nach seinem bzw. dem Geschmack seiner Auftraggeber entsprechend meine damaligen Worte, zitierte mich also nicht wörtlich.

Die Anschuldigung eines „doppelten Lebens“ im Titel ist einfach lächerlich, wie auch die Annahme irgendwelcher „Dienste“ meinerseits.

Meinen damaligen Standpunkt belegen überzeugend die TV-Reportagen und Kommentare, von denen die Autoren von „Heti Valasz“ nicht einmal einen Zwischenschnitt gesehen haben.

Mein Verhältnis zum Regime wird in den Akten im Archiv des Staatssicherheitsdienstes dokumentiert, welche auch in meinen auch in ungarischer Sprache erschienenen Memoiren jeder nachlesen kann. Also auch die Tatsache, dass auf die Frage der ostdeutschen Staatssicherheit das ungarische Innenministerium Ende 1984 mich als „feindliches Element“ qualifiziert hat und meine Arbeit als Chefredakteur der Osteuropa-Redaktion des österreichischen Fernsehens als „anti-kommunistisch“ und „anti-sowjetisch“ beschrieben.

Also nicht nur ich war im Bilde über den Standpunkt meiner Gesprächspartner der Botschaft, sondern auch sie hätten bezüglich meiner Person keine Illusionen pflegen können. Die ungarischen Staatssicherheitsorgane haben mich bis zuletzt mit Spitzeln beobachtet und mich als „Zielperson“ betrachtet.

Gleichzeitig hatte ich als Mitarbeiter der österreichischen, öffentlich-rechtlichen Medien natürlich den Stand der österreichisch-ungarischen Beziehungen und die daraus sich bietende Möglichkeit in Betracht gezogen. Wir haben die relative Offenheit Ungarns genützt und eine Kommunikationspolitik der sogenannten „offensiven Auflockerung“ betrieben, die die Informationsfestung des Ostblocks durchbrochen hat.

Es ist kein Zufall, dass manche osteuropäischen Hauptstädte, so Moskau und Warschau bis zuletzt für mich gesperrt waren.

In dieser Art habe ich natürlich Kontakte mit offiziellen Persönlichkeiten und Institutionen gepflegt, aber nie etwas getan, das nicht ehrenhaft gewesen wäre oder die journalistische Ethik verletzt hätte.

Ich glaube, dass die zügellose Hetze, betrieben durch einen Teil der ungarischen Presse gegen mich, nichts anderes ist als eine Retourkutsche für mein letztes Buch.

Über meine Werke oder Ansichten kann jeder diskutieren, die Methode von „Heti Valasz“ ist aber eine bewusste Diskreditierung, deren Ziel ist, die ausländischen Kritiker der Regierung unter Druck zu setzen und gegebenenfalls zum Schweigen zu bringen.

Diese Methoden, welcher sich früher die kommunistischen Diktaturen bedienten, sind aber für eine Demokratie völlig unannehmbar.

Paul Lendvai, Wien 18.11.2010»

Kampagne gegen «Aufmarsch» in Ungarn

Thursday, November 11th, 2010

Zum Artikel des Schweizer Ablegers des «Weltbunds der Ungarn», hier ein Text von Journalist Gregor Mayer von diesem Mai auf der Website des Residenz Verlags, der das kritische Buch «Aufmarsch – Die rechte Gefahr aus Osteuropa» publizierte. Mayers Replik dürfte einiges erklären, was hinter der heiligen «Empörung» senkrechter Ungarn zu finden ist:

«Der ungarische Sender Echo-TV widmet dem Buch «Aufmarsch – Die rechte Gefahr aus Osteuropa» einen längeren Beitrag und diffamiert die Autoren und den Verlag mit antisemitischen Klischees. Ein Hintergrundbericht von Gregor Mayer.

Ungarns populistische und extreme Rechte hat auf das Erscheinen des Buches „Aufmarsch. Die rechte Gefahr aus Osteuropa” mit der Diffamierung der Autoren reagiert. Anstelle einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit den Aussagen des Ungarn-Teils des Buches operieren verschiedene Medien aus dem Umkreis des nunmehr regierenden Bundes Junger Demokraten (FIDESZ) und der rechtsextremen Jobbik mit der Unterstellung, die Verfasser des Bandes seien „Lügner” und „extrem ungarn-feindliche Kräfte” (u.a. FIDESZ-Tageszeitung „Magyar Nemzet”, Jobbik-nahes Nazi-Portal „kuruc.info”) . Einen vorläufigen Höhepunkt erreichte diese Kampagne mit der Sendung „Éjjeli menedék” (Nachtasyl) des FIDESZ-nahen Senders Echo TV am 14. Mai 2010. Besagte Fernsehanstalt gehört dem Oligarchen Gábor Széles, der den FIDESZ unterstützt, und bietet immer wieder rechtsextremen Propagandisten und Ideologen eine Plattform, die entweder mit dem FIDESZ oder mit der Jobbik sympathisieren.

„Kronzeuge” der angestrebten „Aufmarsch”-Demontage am 14. Mai 2010 war der in der Schweiz lebende Ungar Csaba Kenessey. Er selbst bezeichnet sich als Journalist, schmückt sich aber auch gerne mit den pompösen Titeln eines „Generalsekretärs des Schweizer Rates des Weltbundes der Ungarn” oder eines „Schweizer Korrespondenten des Verbandes Unabhängiger Journalisten”. Seine wahrnehmbaren Aktivitäten beschränken sich jedoch darauf, Schweizer Medien mit Leserbriefen zu bombardieren, sobald dort etwas erscheint, das die ungarische Rechte in einem kritischen Licht erscheinen lässt. Kenessey verlangt dann gerne die Entlassung des betreffenden Berichterstatters. Besonders hartnäckig verfolgt er den „Aufmarsch”-Autor und Wiener Korrespondenten des „Tagesanzeigers”, Bernhard Odehnal, den er immer wieder als „Lügner” diffamiert.

Als am 31. März dieses Jahres der „Aufmarsch” in Zürich öffentlich präsentiert wurde, erschien auch Kenessey, um in der Diskussion das Buch als „Machwerk” und „Lüge” zu beschimpfen. Sein impulsiver Einwurf wurde vom Publikum als nervend bis erheiternd empfunden. Unter Berufung darauf, „Journalist” zu sein, filmte er die gesamte Veranstaltung mit. Nun ist klar, wozu: Das Material wurde in der Diffamierungssendung des Budapester Echo TV reichhaltig genutzt.

Weder der begleitende Sprechertext noch die Moderatorin im Studio versuchten, die Kritik an dem Buch in einen objektiveren Kontext zu stellen. Das ganze Setting beschränkte sich darauf, Kenessey die Stichwörter zu liefern. Schon der Vorspanntext stimmte auf das Folgende ein: „Nazi-Gefahr von rechts, Drohen mit der antisemitischen Gefahr bis zum Abwinken, Anschuldigungen der Rassismus-Rufer: die globalen Herren der Welt haben die bewährte Rezeptur, wie es scheint, erneut verschrieben, jetzt, da Viktor Orbán wieder Regierungschef wird und die Jobbik mit ungefähr 17 Prozent der Stimmen ins Parlament gelangte.” – „Was für eine Wirkung kann so ein Buch haben?”, fragte im Studio sorgenvoll die Moderatorin. Eigentlich keine, meinte Kenessey, denn verkaufen ließe es sich ohnehin nicht (Anm. RV: das Buch ist in der 2. Auflage). Über die Autoren sagte er: „Ich beobachte und bekämpfe seit Jahrzehnten die beiden, sich als Journalisten titulierenden Personen, die in der Geschichte des Journalismus wahrscheinlich eine neue Kategorie geschaffen haben, und zwar die der Berufslügner. Wer ihre Auftraggeber sind, weiß ich nicht. Da hätte ich auch ein, zwei Gedanken …” Ohne „Auftraggeber” ginge es nicht, da sich ein solch unverkäufliches Buch sonst nicht rechnen würde. Die Autoren hätten es nur geschrieben, weil sie „gegenüber ihren Auftraggebern beweisen mussten, dass sie die Aufgabe sehr wohl erfüllt haben, für die sie das Geld angenommen haben”.

Aber wer sind nun diese geheimnisvollen „Auftraggeber”, insistierte die Moderatorin. Kenessey kam ins Stammeln und rückte dann reichlich verworren mit der „Wahrheit” heraus: „Darüber hinaus gibt es hier noch welche, die sich wahrscheinlich hier ansiedeln wollen … und die Vorbereitung dessen, dass sie im gegebenen Fall in größeren Massen kommen, die von irgendwoher kommenden Siedler, wenn wir dagegen eventuell etwas unternähmen oder das Land dagegen revoltierte, dann soll das nicht eine Wirkung dieser Art haben beziehungsweise dass man dies von vornherein kompromittieren kann in der Art, das ist eben hier so oder so eine pampige Völkerschaft und obendrein Nazis … Das ist eine politische Waffe …” Die Bedeutung dieser konfusen Darstellung erhellt sich erst vor dem Hintergrund des rechtsextremen ungarischen Diskurses, wie er auch von der Jobbik und ihrem Führer Gábor Vona intensiv gepflegt wird: Demnach stehe Israel vor der Niederlage im Nahostkonflikt, infolgedessen Massen von israelischen Juden in Ungarn angesiedelt werden müssten – die „Auftraggeber” des Buches „Aufmarsch” würden demnach mit der Kompromittierung der ungarischen Patrioten, die sich derlei Plänen widersetzen, das Terrain für die „Massenansiedlung” vorbereiten.

Eine kodierte antisemitische Spitze ritt Kenessey dann auch noch gegen Paul Lendvai, der das Geleitwort zum Buch „Aufmarsch” verfasst hat und bei der Präsentation in Zürich mit am Podium saß. O-Ton Kenessey: „Paul Lendvai, der von sich selbst sagt, dass er aus Kosice (ung. Kassa, dt. Kaschau, slowakische Stadt, die zum historischen Ungarn gehörte, d. Red.) stammt  …Gut, das ist sehr schön und gut, aber wo wer geboren ist, hat so weit überhaupt keine Bedeutung.” Auch er sei einer, der – wie Bernhard Odehnal und Gregor Mayer – Ungarn „berufsmäßig” anschwärze.»

Erschienen auf der Homepage des Residenz Verlags, Österreich

«Volkshetze»: Ungarn wollen Buchpräsentation stören

Tuesday, November 9th, 2010

Der Weltbund der Ungarn stört sich an einer Buchpräsentation im Kaufleuten. Der Schweizer Ungarn-Ableger bemüht Nazi-Vergleiche und spricht von «Volkshetze». Grund: Buchautor Paul Lendvai thematisiert die rechtsradikalen Tendenzen Ungarns.

von Christian Bütikofer

In der Stadt Zürich wird heute im Kaufleuten eine Buchpräsentation durchgeführt. Der Publizist und politische Kommentator Paul Lendvai wird über sein neues Buch «Mein verspieltes Land: Ungarn im Umbruch» reden.

Er thematisiert darin den Umbruch Ungarns vom demokratischen Musterschüler Europas zu einem Land, in dem Rechtsradikale eine immer grössere Rolle spielen. Und er geht den Gründen nach, warum rassistische und antisemitische Töne in den Medien zunehmen.

Die Buchpräsentation wird vom «Tages-Anzeiger» organisiert.

«Ungarnfeindliche Volkshetze»

Jetzt laufen Ungarn-Schweizer der Schweizer Sektion des «Weltbunds der Ungarn» (MVSZ) gegen den Diskussionsabend Sturm. MVSZ-Schweiz-Vertreter Csaba Kenessey schreibt in einer Pressemitteilung, Lendvai sei «seit vielen Jahren als Hetzer gegen das ungarische Volk bekannt.» Darum würde man heute eine «Pressekonferenz» anlässlich der Buchbesprechung abhalten.

Kenessey bezichtigt den «Tages-Anzeiger», er würde seit vielen Jahren «unwahre» und «ungarnfeindliche» Attacken gegen das «freiheitsliebende Volk der Ungarn» reiten. Weiter ereifert er sich, die Zeitung würde seine Leser aggressiv irreführen, die Ungarn verleumden und das Schweizer Volk gegen die Ungarn «aufhetzen».

Problem mit kritischen Journalisten

Kenesseys Problem scheint zu sein, dass Tages-Anzeiger-Korrespondent Bernhard Odehnal und sein Kollege Gregor Mayer das vielbeachtete Buch «Aufmarsch: Die rechte Gefahr aus Osteuropa» verfassten, in dem Ungarn nicht eben als positives Beispiel auftauchte.

Mayer zeigte etwa, wie die eigentlich verbotene paramilitärische Gruppe «Ungarische Garde» gemeinsame Sache mit der rechtsradikalen Partei Jobbik macht.

Der Juden-Vergleich

Kenessey fühlt sich an die «Nazi-Zeit» erinnert und vergleicht das Schicksal der Ungarn mit jenem der Juden: Wie damals, «als für alle Schandtaten die Juden benannt und herangezogen» worden seien, müssten nun die Ungarn als «Übeltäter» für alle «Schandtaten» herhalten: «Das ist eine Verleumdung, eine hetzerische Aktivität, welche bisher in der Schweiz nicht angetroffen wurde.»

© Aargauer Zeitung, 09.11.2010

Wie zwei Frauen korrupte Polizisten enttarnten

Saturday, September 11th, 2010

Dieses Wochenende findet in Wien ja mal wieder der Kongress des International Press Institute statt.

Dabei stiess ich auf den Blog-Eintrag «The Dangers of Reporting on Corruption». Die zwei Journalistinnen Wendy Ruderman und Barbara Laker der «Philadelphia Daily News» hefteten sich korrupter Polizeibeamten an die Fersen.

Natürlich wurden sie bei der Recherche behindert und nicht nur durch Anwälte bedroht. Sie liessen sich nicht beirren und stellten über Monate aufwendige Nachforschungen an – die Zeitung gewährte ihnen die dafür nötige Zeit, Unterstützung und Mittel.

Mit ihrer Arbeit gewannen sie den Pulitzer Preis für die beste investigative Leistung 2010.

Die ganze Serie ist bei der «Philadelphia Daily News» online abrufbar: Tainted Justice

Nebenbei erwähnt: Wer sich fürs Thema interessiert, statt Philly ist Baltimore inbegriffen, der sollte sich mal die Serie «The Wire» kaufen. Gibts bisher nur auf Englisch. Aber wie so praktisch alle HBO-Produktionen, TV vom Feinsten.

Schüsse auf Redaktion in Mexiko

Wednesday, June 23rd, 2010

Bewaffnete Männer feuerten am Dienstag in Mexiko während mehrere Minuten aufs Gebäude einer Zeitung und verletzten die Receptionistin. Ziel war «El Sol de La Laguna», berichtet Associated Press (AP).

Die Zeitung liegt in Torreón, im nördlichen Staat Coahuila. Die Schiesserei ist nicht die erste Gewalttat gegen die Presse in Coahuila. Am 18. August 2009 wurde die Zeitung «El Siglo de Torreón» das Opfer einer ähnlichen Aktion.

In anderen Staaten Mexikos wurden immer wieder Zeitungen und TV-Stationen Ziel von Gewalt. Die Täter stammen meist von Drogenkartellen, die sich in Mexiko seit Jahren ausbreiten.


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