Archive for the ‘Medien’ Category

Aargau schob IV-Gesuche auf die lange Bank

Sunday, September 26th, 2010

Wer im Aargau ein Gesuch auf Invalidenrente stellt, wartet im Vergleich mit allen anderen Kantonen der Schweiz am längsten. Das teilte jetzt der Regierungsrat auf eine Interpellation der SP-Grossratsfraktion mit.

In der Beantwortung der Anfrage meinte der Regierungsrat, die IV-Kunden hätten «Anspruch auf schnelle Behandlung der Gesuche. Von diesem Ziel ist die IV-Stelle einstweilen weit entfernt.»

Zu diesem Missstand recherchierte vor einigen Monaten auch der «Beobachter» – eine Leserin hörte auch nach fast vier Jahre nichts von den Beamten.

Offenbar traf das Magazin ins Schwarze: Kurz darauf verabschiedete sich der IV-Bereichsleiter. Mehr dazu hier von Beobachter-Journalist Peter Johannes Meier und hier die unscheinbare «Pressemeldung» des Amtes, das bis anhin gegenüber der Presse vor allem durch glänzende Jahresrechnungen auffiel.

Wie zwei Frauen korrupte Polizisten enttarnten

Saturday, September 11th, 2010

Dieses Wochenende findet in Wien ja mal wieder der Kongress des International Press Institute statt.

Dabei stiess ich auf den Blog-Eintrag «The Dangers of Reporting on Corruption». Die zwei Journalistinnen Wendy Ruderman und Barbara Laker der «Philadelphia Daily News» hefteten sich korrupter Polizeibeamten an die Fersen.

Natürlich wurden sie bei der Recherche behindert und nicht nur durch Anwälte bedroht. Sie liessen sich nicht beirren und stellten über Monate aufwendige Nachforschungen an – die Zeitung gewährte ihnen die dafür nötige Zeit, Unterstützung und Mittel.

Mit ihrer Arbeit gewannen sie den Pulitzer Preis für die beste investigative Leistung 2010.

Die ganze Serie ist bei der «Philadelphia Daily News» online abrufbar: Tainted Justice

Nebenbei erwähnt: Wer sich fürs Thema interessiert, statt Philly ist Baltimore inbegriffen, der sollte sich mal die Serie «The Wire» kaufen. Gibts bisher nur auf Englisch. Aber wie so praktisch alle HBO-Produktionen, TV vom Feinsten.

Tamedia entliess Tagi-Redaktor missbräuchlich

Monday, July 19th, 2010

Als Tamedia vor einem Jahr ein Drittel der Belegschaft des Tages-Anzeigers entliess, stellte sie auch Redaktor Daniel Suter vor die Tür. Suter war Präsident der Tages-Anzeiger-Personalkommission (Peko). Er war der oberste gewählte Vertreter der gesamten Redaktion. Die Peko verhandelte mit Tamedia über einen Sozialplan, der die von der Massenentlassung Betroffenen unterstützen sollte.

Während dieser Verhandlungen hatte die Tamedia dem Peko-Präsidenten Suter Ende Mai 2009 das Arbeitsverhältnis auf Ende Oktober gekündigt. Es traf ihn wie praktisch alle Journalisten, die gegen die 60 Jahre gingen in diesem Haus. Suter arbeitete 22 Jahre lang für den TA und leitete die Arbeitnehmer-Vertretung seit der Gründung 2005.

Suter liess sich das nicht gefallen und klagte vor dem Zürcher Arbeitsgericht. Er machte eine Entschädigung wegen missbräuchlicher Kündigung geltend. Nun hat das Arbeitsgericht die Klage gutgeheissen und erklärte die Kündigung als missbräuchlich.

Das Gericht stellt fest, dass Tamedia die Kündigung ausgesprochen habe, obwohl sie wusste, dass Suter in seiner damaligen Stellung als Präsident der Personalkommission (Peko) unter besonderem Kündigungsschutz stand. Die wirtschaftlichen Gründe könnten bei einer solchen Kündigung nicht als “begründeten Anlass” angeführt werden.

Tamedia muss Suter eine Entschädigung im Umfang von drei Monatslöhnen sowie eine reduzierte Prozessentschädigung von 4’304 Franken zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

IV-Chef Aarau nach «Beobachter»-Anfrage freigestellt

Sunday, July 18th, 2010

«Beobachter»-Journalist Peter Johannes Meier rief vor einigen Wochen bei der IV-Stelle Aarau an. Er wollte wissen, warum das Gesuch um Bezug der Invalidenrente einer Person, die sich an den «Beobachter» wandte, seit Jahren nicht behandelt wurde.

Noch am Tag der Anfrage wurde der Leiter der IV-Stelle Aarau freigestellt. Kurz danach erschien auch in der «Aargauer Zeitung» am 15.06.2010 folgender kleiner Bericht:

IV-Stelle Bereichsleiter Vinzenz Bauer geht
Bereichsleiter Vinzenz Bauer verlässt Ende Juni die IV-Stelle der Sozialversicherungsanstalt Aargau. Unterschiedliche Auffassungen in der Umsetzung der von der Verwaltungskommission vorgegebenen Strategie hätten zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses geführt. Diese erfolge im gegenseitigen Einvernehmen. Bis zur Wahl des Nachfolgers wird Bergita Kayser, Direktorin der SVA Aargau, die IV-Stelle interimistisch leiten. (MZ)
So tönt das, wenn beide Seiten das Gesicht wahren wollen. Denn ganz offensichtlich ist die vom «Beobachter» vertretene Person kein Einzelfall. So gab der Präsident der Verwaltungskommission Fredy Böni gegenüber Peter Johannes Meier zu: «Es ist auch zu inakzeptablen Verzögerungen bei der Bearbeitung von IV-Fällen gekommen».
Liebe AZ-Kollegen: Was passierte in der IV Aarau wirklich?

Atvisican: Wie die MPEG-Hochstapelei endete

Tuesday, July 13th, 2010

Uwe Prochnow wollte mit seiner Firma Atvisican den weltweit gültigen Videostandard MPEG mit einem «neuronalen Netzwerk» und vektorbasierten Berechnungen ablösen.

Der Deutsche vermeldete, er verwendete dabei Technologie der Sowjetrussischen Armee. Es war die Rede von Filmchen, die zwanzigmal kleiner wären, als normale MPEG-Movies. Es war die Rede von Millionengewinnen für sein neues Videokomprimierungsverfahren.

Prochnow wickelte alle um den Finger

Reihenweise krochen ihm renommierte Personen und Presseunternehmen auf den Leim: Der MDR, die Drefa, das ZDF und 3sat. Seltsam auch, dass sich die Computerkoryphäe Lorenz Hanewinkel (Mitarbeiter von Konrad Zuse, Heinz Nixdorf) für den Ostdeutschen verwendete – wie so etliche «Experten» mehr.

Auch in der Schweiz trat Prochnow mit seiner Wundererfindung auf. Wie ich es in solchen Situationen immer tue, ging ich der Sache nach – und musste bald feststellen, dass hinter der professionellen Verkäuferfassade einiges nicht stimmte:

1. Der Prediger des Video-Wunders

2. Mit Kraftnahrung zum Video-Revolutionär

3. Allcanview – Test vom Verkäufer

Jetzt bangen wohl einige Gläubiger, ob sie ihre Einsätze je wieder sehen. Am 12. September 2009 wurde über die Atvisican AG wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung das Insolvenzverfahren eröffnet (Aktenzeichen 162 IN 297/07).

Knapp zwei Jahre lang ging es, bis das Amtsgericht Essen das Konkursverfahren erzwang, der erste Antrag ging bereits am 7. November 2007 ein. Im aktuellen Insolvenzverfahren wurden x andere Vorfälle gebündelt (162 IN 297/07 und 162 IN 132/09, 162, IN 133/09, 162 IN 184/08, 162 IN 198/08 und 162 IN 79/08).

Die Atvisican, vertreten durch den Vorstand Uwe Prochnow und Christian Alpert, musste bis zum Prüfungsstichtag am 01.06.2010 beim Gericht schriftlich Widerspruch einlegen, falls sie die Forderungen bestritt.

Journalistisches Lehrstück: Wie man es nicht machen soll

Die legendäre Doku auf ZDF/3sat kann man sich auf Youtube nochmals ansehen. Dieser Beitrag ist ein Paradebeispiel dafür, wie Journalisten Geschichten versuchen mit «grossen» Namen/Firmen «hart» zu machen, obwohl nichts von der Sensationsstory je überprüfbar war.

Der Beitrag zeigt weiter, wie angebliche «Experten» dafür sorgen, dass die Erfindung seriös wird. Dabei ist es völlig egal, ob man diese «Experten» in der Zunft kennt. Da sie dem Leser/Zuseher Autorität vorspielen, haben sie für den Beitrag ihre Aufgabe erfüllt («Also, wenn ein Experte sagt, das ist was, dann ist ja sicher was dran…»).

Nicht selten verstecken sich Journalisten hinter Experten, wenn sie ihre Geschichte a) glaubhafter oder b) «hart» machen wollen, obwohl sie selbst nicht so ganz überzeugt sind von der Seriosität ihrer Story – und sie im Extremfall stoppen müssten.

1. Teil:

2. Teil:

3. Teil:

Schüsse auf Redaktion in Mexiko

Wednesday, June 23rd, 2010

Bewaffnete Männer feuerten am Dienstag in Mexiko während mehrere Minuten aufs Gebäude einer Zeitung und verletzten die Receptionistin. Ziel war «El Sol de La Laguna», berichtet Associated Press (AP).

Die Zeitung liegt in Torreón, im nördlichen Staat Coahuila. Die Schiesserei ist nicht die erste Gewalttat gegen die Presse in Coahuila. Am 18. August 2009 wurde die Zeitung «El Siglo de Torreón» das Opfer einer ähnlichen Aktion.

In anderen Staaten Mexikos wurden immer wieder Zeitungen und TV-Stationen Ziel von Gewalt. Die Täter stammen meist von Drogenkartellen, die sich in Mexiko seit Jahren ausbreiten.


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iPad: Apps-Abstürze, schlampiger Code

Tuesday, June 22nd, 2010

Apples iPad ist nett. Zeitunglesen macht Spass und ist billiger als auf Papier. Wenn da nur nicht diese andauernden Abstürze diverser Apps wären. Die «Libération» verabschiedet sich urplötzlich, mit schöner Regelmässigkeit.

Der «PressReader» der Firma Newspaperdirect – von mir in der Zeitung noch hoch gelobt – schmiert immer wieder ab. Vor allem dann, wenn man viele Zeitungen abonniert hat und sie jeden Tag runterlädt. Der «Support» von Pressdisplay hat dafür bisher keine Lösung anzubieten, auch die neue Version 1.7 behebt diesen Fehler nicht.

Und wenn ich schon am ranten bin: Die Jungs von Newspaperdirect scheinen auch sonst nicht so auf der Höhe zu sein. Die Website Newspaperdirect.de etwa lässt sich mit Google Chrome nicht richtig anzeigen…

Auch «Le Monde» macht Ärger. Das App funktioniert, stürzt nicht ab. Dafür haben die Programmierer für ihren Bezahlinhalt geschlampt. Will man als Schweizer «Le Monde» Geld für ein Abo überweisen (Monat, Jahr), dann muss man sich registrieren, klar. Und hier fangen die Probleme an: Als Postleitzahl muss man mal eben fünfstellige Zahlen eingeben – darauf hingewiesen wird nicht. Da wird dann halt aus 8XXX 08XXX für Zürich.

Schlimmer aber ist folgender Bug: Wenn man die Postleitzahl-Hürde nach einigem Pröbeln überwunden hat, danach wechselt man zum Bezahlfenster, wo man die Kredtikartenangaben macht.

Bricht man hier ab (etwa weil man ein anderes Abo wählen möchte), dann ist die verwendete E-Mail-Adresse bereits gesperrt, man kann mit ihr nichts mehr anfangen, eine neue Registrierung mit dieser Mail mit dem korrekten Abo ist nicht mehr möglich. Wohlverstanden: Man wird nie gefragt, irgendwas zu speichern. Der Bezahlprozess wird abgebrochen und – schwupps! – ist die E-Mail blockiert.

Schade fürs Geld, das die «Le Monde»-Gruppe dringend benötigte:


Duel de trios pour «Le Monde»
PRESSE Le
Liberation
22 Jun 2010

op départ. Le compte à rebours a été enclenché, hier, pour la reprise du groupe Le Monde. Dans une semaine, si tout se déroule selon le calendrier prévu, aura un nouveau propriétaire putatif. Car à l’issue du conseil de surveillance du 28 juin,…Lesen Sie mehr…

Fall Nef: Journalisten erhalten Akteneinsicht

Monday, May 31st, 2010

Einige Zürcher Gerichte mauerten und mauerten – doch es nützte nichts. Der«Beobacher» und die «Weltwoche» erhalten Einsicht in die Einstellungsverfügung im Fall Nef.

Der ehemalige Schweizer Armeechef Roland Nef stürzte über eine unappetitliche Geschichte, die die Sonntagszeitung publik machte und in vielen Medien hohe Wellen schlug. Nefs Ende als Armeechef besiegelte auch die Zukunft von Bundesrat Samuel Schmid – er trat kurz darauf zurück.

Während den Enthüllungen drängte sich auch der Verdacht auf, dass die Zürcher Staatsanwaltschaft Nef begünstigt hatte, als sie ein Strafverfahren gegen ihn einstellte.

Justizposse beendet

Genau das wollten «Beobachter» und «Weltwoche» aufklären, sie verlangten darum Akteneinsicht in die Einstellungsverfügung. Der zuständige Staatsanwalt hiess das Gesuch gut, die Oberstaatsanwaltschaft untersagte danach aber die Einsicht auf Intervention Nefs hin.

Danach gelangten die beiden Medien an das Verwaltungsgericht. Dieses erklärte sich für unzuständig und schob den Fall ans Obergericht ab. Und man ahnt es schon: Auch das Obergericht wollte die Beschwerden nicht behandeln.

Erst nach einem Machtwort des Bundesgerichts, ging es weiter: Das Verwaltungsgericht musste die Sache behandeln. Das hat es nun getan und im Sinne der Medien entschieden, schreibt Beobachter-Redaktor Dominique Strebel. Er erklärt, warum:

„An der Klärung der Vorwürfe besteht ein gewichtiges Interesse – zumal die Vorwürfe zumindest nicht abwegig erscheinen“, halten die Richter fest. Die privaten Interessen Nefs an Geheimhaltung würden hingegen nicht schwer wiegen.

Migros scannt Blogs und Facebook

Sunday, May 30th, 2010

Yves Demuth vom «Sonntag» berichtet über die neusten Aktivitäten der Migros im Web: Social Media-Monitoring ist angesagt beim Grossverteiler. Per Knopfdruck lassen sich mit der eingesetzten Überwachungs-Software Sysomos von Orange8 persönliche Daten von Bloggern abgreifen, die sie auf ihren Internetseiten preisgegeben haben.

Und natürlich lässt sich auch feststellen, wer in den letzten Monaten die meisten Einträge zur Migros geschrieben hat.

Offenbar greifen die orangen PR-Leute dann je nach Bedarf auch aktiv in die Blogosphäre ein. Zum Beispiel wenn die Firma des «Sozialen Kapitals» mal wieder wegen Entlassungen ins Gerede kommt.

Nein, es geht nicht um die peinlichen Rausschmisse wegen «Mundraubs», die der «Blick» publik machte. Demuth erwähnt aber einen frappant ähnlichen Fall:

Momentan sind drei Personen der Abteilung für die Überwachung des Internets zuständig: Das Monitoring-Team meldet täglich ein bis zwei Blog-, Twitter- oder Facebook-Einträge der Migros-Kommunikationsabteilung, welche dann je nach Fall auf die Einträge reagiert. Vor einigen Tagen verteidigte Urs Peter Naef die Migros etwa, als der Blog «Journalistenschredder» berichtete, die Migros habe eine Kassiererin nur deshalb entlassen, weil sie die Cumulus-Punkte eines Kunden auf die eigene Karte geladen habe: «In der Migros wird niemand entlassen, ohne vorher verwarnt worden zu sein.»

Ringier macht sich an «Le Monde» ran

Saturday, May 29th, 2010

Vor wenigen Wochen haben die Macher von «Le Monde» ihre Zeitung völlig neu eingekleidet. Jetzt twittert Fabienne Schmitt, Chefredaktorin des Pariser Medienmagazins «La Correspondance de la Presse», dass Ringier an «Le Monde» interessiert sei. «Le Monde» steckt in schweren finanziellen Nöten – seit Jahren verlocht der Verlag Millionen und kommt aus den roten Zahlen nicht heraus.

Schmitt hat ganz eigene Erfahrungen mit der Zeitung gemacht: Nachdem sie auf der «Le Monde»-eigenen Blogplattform über mögliche Interessenten der Le Monde-Gruppe berichtete, wurde sie dort rausgeworfen.

«Le Monde» gehört mit dem «Figaro» und «Libération» zu den bedeutendsten französischsprachigen Zeitungen. Mit der Westschweizer Zeitung «Le Temps» beteiligen sich Ringier und die Le Monde-Gruppe schon an einem gemeinsamen Projekt.