Archive for the ‘Medien’ Category

Und Urs Paul Engeler hat doch recht

Saturday, January 7th, 2012

Im Interview mit der BaZ sagt UPE sehr viel Wahres, wofür er wohl von einigen Kollegen auf den Deckel kriegt. Der Artikel ist leider nicht online – zumindest habe ich ihn nicht gefunden. Darum mal wieder ein Pressdisplay-Link.


Basler Zeitung
7 Jan 2012

Söldner-Holding Aegis verklagt Basler Zeitung und SonntagsZeitung auf 267’000 Franken

Friday, April 29th, 2011

Die englische Söldnertruppe Aegis um Tim Spicer liess sich letztes Jahr in Basel nieder und wunderte sich dann, als ihr Geschäft in der Presse ein Thema wurde.

Jetzt veröffentlichte das Schweizer Medienmagazin Edito, dass die geschäftstüchtigen Privatkrieger juristisch gegen die Basler Zeitung (BaZ) vorgehen, die den Fall als erste publik machte. Und auch die SonntagsZeitung (SZ) nehmen die Aegis-Anwälte aufs Korn.

Die beliebten Vorwürfe gegen ungenehme Berichterstattung: Verletzung des Persönlichkeitsrechts sowie UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb). Die Verlage bestreiten die Anschuldigungen – alles andere wäre auch völlig absurd.

Und das berichtete die BaZ u.a.: Der König der Söldner sitzt jetzt in Basel. Auch bei der AZ lohnt sich mal die Suche nach Aegis. Unter anderem beschäftigten sich die Engländer bereits in der Schweiz im Spitalwesen

Überhaupt nicht lustig: Millionenklage gegen Ex-«Schillerstrasse»-Produzenten

Tuesday, April 12th, 2011

Chaos im TV-Himmel: Der Ex-Chef der Produzenten von Serien wie der «Schillerstrasse» hat Anzeigen in Millionenhöhe am Hals. Gegen einen Schweizer Ex-Aufsichtsrat wird wegen Geldwäscherei ermittelt. Im Vorstand tobte ein Machtkampf. von Christian Bütikofer

Bei der Mistral Media AG hängt der Haussegen schief. Der deutschen Holding gehören TV-Produktionsfirmen wie die Hurricane Fernsehproduktion, die beim Privatsender ProSiebenSat.1 für so bekannte Comedy-Formate wie «Schillerstrasse» oder «Genial daneben» garantiert.

Nichts zu lachen hat momentan deren Ex-Geschäftsführer Marc Schubert – ausgerechnet seine frühere Firma hat ihn Mitte Februar angezeigt. Es geht um den Verdacht der Untreue über 1,5 Millionen Euro, Luxusausgaben, dubiose Geschenke.

Schuberts Nachfolger Stephan Brühl äusserte im «Spiegel» happige Vorwürfe: «Meiner Meinung nach hat Schubert das Unternehmen als sein eigenes betrachtet und ausgenutzt.» Der ist sich keiner Schuld bewusst und meinte gegenüber dem Nachrichtenmagazin, es habe alles stets «mit Wissen und dem schriftlichen Einverständnis des Aufsichtsrates und der amtierenden Manager stattgefunden».

Verschiedene Schweizer Investoren

Dass bei Unternehmen der Mistral-Gruppe die Auftragslage nicht gerade rosig war, wussten Eingeweihte seit längerem – nicht nur die Jahresberichte zeugten davon. Von einst 8 Euro pro Aktie fiel deren Wert zwischenzeitlich auf 40 Cent.

Auch die Verdachtsmomente gegen einige Führungspersonen dürften schon länger bestanden haben. An der letzten Hauptversammlung im August probte dann die Mehrheit der Aktionäre den Aufstand.

Mit dabei auch die Schweizer Sonova SA und die SIX SIS AG, eine Tochter der SIX Group. Die SIX SIS vertrat mit 1,1 Millionen Aktien einen guten Sechstel der anwesenden Stimmen. SIX-Mediensprecher Stephan Meier sagte gegenüber az, man sei im Auftrag eines Kunden aktiv geworden. Immerhin 42‘000 dieser Aktien gab SIX SIS aber gemäss Versammlungsprotokoll als «Eigenbesitz» an.

Aufsichtsrat lange Zeit in Haft

In einem Coup wurden etliche Aufsichtsräte abgewählt – unter anderem auch der Aufsichtsratsvorstand; er war ein langjähriges Mitglied des Aufsichtsrats und Intimus des israelischen Geschäftsmannes Jacob Agam, einem Grossaktionär der Mistral Media. Der ehemals oberste Überwacher über die Geschäftstätigkeit der Mistral-Gruppe ist ein Schweizer Treuhänder. Gegen ihn ermittelt die Bundesanwaltschaft seit längerer Zeit in einem anderen Fall wegen des Verdachts auf Geldwäscherei und anderer Delikte. Deshalb verbrachte er auch längere Zeit in Untersuchungshaft – die Probleme der Mistral Media dürften deshalb nicht gerade zu seinen grössten Sorgen gehört haben.

Ihre Abwahl im August 2010 nahmen die unterlegenen Aufsichtsräte aber nicht einfach so hin. Erst Ende März 2011 wurde eine entsprechende Anfechtungsklage zurückgezogen.

Weitere Klagen werden folgen

Gleichzeitig verkündete die Mistral-Gruppe einschneidende Massnahmen: Das Medienportal DWDL.de wird verkauft, «Personalanpassungen» folgen. Und auch neue Klagen werden folgen. So verlautete Mistral Media, man bereite eine Haftungsklage und Zivilklagen vor, mit der das Unternehmen die Rückzahlung von 31 Millionen Euro durch den Ex-Geschäftsführer Marc Schubert und weitere Personen verlangt.

Rüffel der Finanzaufsicht BaFin

Doch damit nicht genug. Wenig später nach dem Coup während der Hauptversammlung Mitte August 2010 publizierte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), dass Mistral Media einen fehlerhaften Konzernabschluss fürs Geschäftsjahr 2008 ablieferte. So bemängelte die BaFin etwa, man habe nicht ausreichend über Risiken informiert und über den massiven Umsatzrückgang (-37%) hätten sich Aussenstehende nicht richtig informieren können.

© az Aargauer Zeitung 2011; 12.04.2011

Millionenbetrug bei Mistral Media AG? Ex-Vorstand unter Geldwäscherei-Verdacht

Thursday, February 24th, 2011

Der Spiegel schreibt in seiner aktuellsten Ausgabe über gehörige Verwerfungen bei der Mistral Media AG aus Köln. Der gehört unter anderem die Hurricane Fernsehproduktion GmbH, die für Sat.1 Shows wie «Schillerstrasse» oder «Genial daneben» produzierte.

Nun. Die Mistral Media-Verantwortlichen haben Strafanzeige gegen ihren ehemaligen Geschäftsführer und Vorstand gestellt. Der Verdacht: Untreue und Betrug, dazu fordert die Mistral Media noch schlappe 31 Millionen Euro von ihm.

Die Mistral Media hatte bis vor kurzem auch einen Schweizer Treuhänder in ihren Reihen, der hier gehörig unter Druck steht. Dazu veröffentlichte ich in der «Aargauer Zeitung» im Oktober 2010 bereits eine ausführliche Recherche.

Vor diesem Hintergrund wundert es mich überhaupt nicht, wenn ich in einer aktuell abgeschlossenen Klageschrift der involvierten Parteien auch auf Firmen aus Steuerparadiesen treffe.

Wetten, dass in dieser Sache das letzte Wort noch nicht geschrieben ist?

Nie mehr Wikileaks-Server suchen

Tuesday, December 7th, 2010

Ein Klick aufs Wikileaks-Logo und man wird immer zum nächsten Server weitergeleitet, der die geleakten Dokumente beherbergt.

Hintergrund: Die Wikileaks-Server werden momentan von verschiedenen Ländern zum Verschwinden gebracht. Ein Zensurversuch, der so im Internet zwar nicht einmalig, in seiner Grösse aber neu ist.

Die Aktion startete die deutsche linke Tageszeitung «Taz». Mehr dazu hier.

WikiLeaks

Und wenn wir schon dabei sind:


Schmierenkomödie um Paul Lendvai geht weiter

Tuesday, November 23rd, 2010

Zuerst «protestierten» seine Gegner in der Schweiz und bezichtigten ihn als «Volksverhetzer». Jetzt musste der Journalist Paul Lendvai eine Veranstaltung in Deutschland absagen, er wird körperlich bedroht. Der Grund: Lendvai hat ein Buch über sein Heimatland Ungarn geschrieben, das Extremisten so ganz und gar nicht gefällt.

Die Pressemitteilung seines Verlags Ecowin von Ende November im Original:

«Diskussionsveranstaltung mit Paul Lendvai wegen Gewaltandrohungen abgesagt

by Ecowin Verlag on Tuesday, November 23, 2010 at 11:47pm

Die für morgen, 24. November 2010 geplante Veranstaltung „Vom Schrittmacher zum Krisenherd. Ungarn im Wandel“ mit dem österreichischen Journalisten Paul Lendvai,in Frankfurt muss aufgrund persönlicher Gewaltandrohungen gegen Herrn Lendvai abgesagt werden.

Paul Lendvai , gebürtiger Ungar und als Journalist und Publizist in Wien lebend, ist wegen seines Buches „Mein verspieltes Land“ zur Hauptangriffsfläche von rechtsnationalisitschen und antisemitischen Kräften geworden, die derzeit eine ungeheuer aggressive Kampagne gegen ihn und sein Buch führen.

Nachdem wir von verschiedenen Seiten eindrücklichst davor gewarnt wurden, dass es bei der Veranstaltung in Frankfurt am Main morgen möglicherweise nicht nur bei Demonstrationen gegen die Veranstaltung und gegen Herrn Lendvai bleiben wird (wie das in Zürich vor kurzem der Fall war), sondern dass auch mit Tätlichkeiten gerechnet werden müsse, hat sich die Heinrich-Böll-Stiftung Hessen in enger Absprache mit den an der Veranstaltung Beteiligten entschlossen, die Veranstaltung abzusagen, weil wir die Sicherheit von Paul Lendvai nicht gewährleisten können.

Umso mehr werden wir in Zukunft auf Veranstaltungen die Entwicklungen in Ungarn kritisch beleuchten und den zunehmenden Antisemitismus, Nationalismus und Rechtspopulismus dort (und nicht nur dort) zum Thema machen.

Ralf Zwengel/Margret Krannich

Heinrich-Böll-Stiftung Hessen

Tel.: 069/231090

e-mail: info@hbs-hessen.de»

Wer den wissen will, was Paul Lendvai so Böses schreibt, sollte sich sein Buch «Mein verspieltes Land – Ungarn im Umbruch» kaufen. Als politisch Interessierter lernt man nicht nur über den Kalten Krieg und Ungarn sondern liest ein unverfälschtes, kritisches Geschichtsbuch. Viel Spass!

Verfasser von «Mein verspieltes Land: Ungarn im Umbruch» als Spitzel verunglimpft

Friday, November 19th, 2010

Tja, es fing mit einer simplen Pressemitteilung an. Osteuropa-Kenner Paul Lendvai veröffentlichte ein kritisches Buch über sein Heimatland Ungarn – und die Gegner bezichtigten ihn in der Schweiz im Vorfeld der Buch-Präsentation gleich als «Volksverhetzer», der die Schweizer gegen Ungarn aufbringen will.

Doch damit nicht genug. Jetzt versuchten sie ihn auch noch als kommunistischen Spitzel zu «outen». Sehr witzig, wer Lendvais politische Ansichten durch seine Bücher kennt. Von Kommunist keine Spur, im Gegenteil. Seine einzige Sünde: Er ist ein kritischer – brillanter – Kopf und Verfechter einer offenen Gesellschaft.

Hier die ganze Geschichte, von Paul Lendvai auf der Website seines Verlags Ecowin am 18.11.2010 veröffentlicht:

«Mit Bestürzung habe ich in der Wochenzeitung „Heti Valasz“ jenen Artikel gelesen, der, aus den diplomatischen Berichten des kommunistischen Regimes aus herausgegriffenen Futzerln aus meinen Memoiren und anderen Büchern und künstlichen Wortverbindungen zusammenstellt, sensationsheischend und „entlarvend“ beabsichtigt, mich in meiner menschlichen Ehre und journalistischem Ruf zu verletzen. Nichts weniger wird behauptet, als dass ich mich in den 80er Jahren über die ungarische Botschaft in Wien dem damaligen Regime als „freiwilliger Informator“ angeboten habe. Man wirft mir vor, dass ich 1985 ungarischen Diplomaten über den Budapester „Oppositionsgipfel“ erzählt hätte.

Es war und ist eine natürliche und übliche journalistische Praxis, mit Diplomaten und offiziellen Persönlichkeiten in Form von ungezwungenen Gesprächen Verbindung zu halten. Es liegt in der Natur der Sache, dass die beiden Informationen austauschen, ohne dass sie einander als „Informator“ betrachten würden.

Was das sogenannte „alternative Gegenforum“ zum 1985er „Europäischen Kulturforum“ betrifft, so war dies nicht ein Oppositionsgipfel, sondern eine öffentliche Veranstaltung mit der Teilnahme angesehener internationaler Persönlichkeiten, über die die Weltpresse berichtet hat. Die über dieses Ereignis entstandenen Dokumente waren nicht geheim, so auch nicht die englischsprachige Einladung, die jeder hätte jedem geben können.

Dieses Ereignis war damals Mittelpunkt der öffentlichen Gespräche und natürlich kommentierte der Diplomat nach seinem bzw. dem Geschmack seiner Auftraggeber entsprechend meine damaligen Worte, zitierte mich also nicht wörtlich.

Die Anschuldigung eines „doppelten Lebens“ im Titel ist einfach lächerlich, wie auch die Annahme irgendwelcher „Dienste“ meinerseits.

Meinen damaligen Standpunkt belegen überzeugend die TV-Reportagen und Kommentare, von denen die Autoren von „Heti Valasz“ nicht einmal einen Zwischenschnitt gesehen haben.

Mein Verhältnis zum Regime wird in den Akten im Archiv des Staatssicherheitsdienstes dokumentiert, welche auch in meinen auch in ungarischer Sprache erschienenen Memoiren jeder nachlesen kann. Also auch die Tatsache, dass auf die Frage der ostdeutschen Staatssicherheit das ungarische Innenministerium Ende 1984 mich als „feindliches Element“ qualifiziert hat und meine Arbeit als Chefredakteur der Osteuropa-Redaktion des österreichischen Fernsehens als „anti-kommunistisch“ und „anti-sowjetisch“ beschrieben.

Also nicht nur ich war im Bilde über den Standpunkt meiner Gesprächspartner der Botschaft, sondern auch sie hätten bezüglich meiner Person keine Illusionen pflegen können. Die ungarischen Staatssicherheitsorgane haben mich bis zuletzt mit Spitzeln beobachtet und mich als „Zielperson“ betrachtet.

Gleichzeitig hatte ich als Mitarbeiter der österreichischen, öffentlich-rechtlichen Medien natürlich den Stand der österreichisch-ungarischen Beziehungen und die daraus sich bietende Möglichkeit in Betracht gezogen. Wir haben die relative Offenheit Ungarns genützt und eine Kommunikationspolitik der sogenannten „offensiven Auflockerung“ betrieben, die die Informationsfestung des Ostblocks durchbrochen hat.

Es ist kein Zufall, dass manche osteuropäischen Hauptstädte, so Moskau und Warschau bis zuletzt für mich gesperrt waren.

In dieser Art habe ich natürlich Kontakte mit offiziellen Persönlichkeiten und Institutionen gepflegt, aber nie etwas getan, das nicht ehrenhaft gewesen wäre oder die journalistische Ethik verletzt hätte.

Ich glaube, dass die zügellose Hetze, betrieben durch einen Teil der ungarischen Presse gegen mich, nichts anderes ist als eine Retourkutsche für mein letztes Buch.

Über meine Werke oder Ansichten kann jeder diskutieren, die Methode von „Heti Valasz“ ist aber eine bewusste Diskreditierung, deren Ziel ist, die ausländischen Kritiker der Regierung unter Druck zu setzen und gegebenenfalls zum Schweigen zu bringen.

Diese Methoden, welcher sich früher die kommunistischen Diktaturen bedienten, sind aber für eine Demokratie völlig unannehmbar.

Paul Lendvai, Wien 18.11.2010»

Kampagne gegen «Aufmarsch» in Ungarn

Thursday, November 11th, 2010

Zum Artikel des Schweizer Ablegers des «Weltbunds der Ungarn», hier ein Text von Journalist Gregor Mayer von diesem Mai auf der Website des Residenz Verlags, der das kritische Buch «Aufmarsch – Die rechte Gefahr aus Osteuropa» publizierte. Mayers Replik dürfte einiges erklären, was hinter der heiligen «Empörung» senkrechter Ungarn zu finden ist:

«Der ungarische Sender Echo-TV widmet dem Buch «Aufmarsch – Die rechte Gefahr aus Osteuropa» einen längeren Beitrag und diffamiert die Autoren und den Verlag mit antisemitischen Klischees. Ein Hintergrundbericht von Gregor Mayer.

Ungarns populistische und extreme Rechte hat auf das Erscheinen des Buches „Aufmarsch. Die rechte Gefahr aus Osteuropa” mit der Diffamierung der Autoren reagiert. Anstelle einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit den Aussagen des Ungarn-Teils des Buches operieren verschiedene Medien aus dem Umkreis des nunmehr regierenden Bundes Junger Demokraten (FIDESZ) und der rechtsextremen Jobbik mit der Unterstellung, die Verfasser des Bandes seien „Lügner” und „extrem ungarn-feindliche Kräfte” (u.a. FIDESZ-Tageszeitung „Magyar Nemzet”, Jobbik-nahes Nazi-Portal „kuruc.info”) . Einen vorläufigen Höhepunkt erreichte diese Kampagne mit der Sendung „Éjjeli menedék” (Nachtasyl) des FIDESZ-nahen Senders Echo TV am 14. Mai 2010. Besagte Fernsehanstalt gehört dem Oligarchen Gábor Széles, der den FIDESZ unterstützt, und bietet immer wieder rechtsextremen Propagandisten und Ideologen eine Plattform, die entweder mit dem FIDESZ oder mit der Jobbik sympathisieren.

„Kronzeuge” der angestrebten „Aufmarsch”-Demontage am 14. Mai 2010 war der in der Schweiz lebende Ungar Csaba Kenessey. Er selbst bezeichnet sich als Journalist, schmückt sich aber auch gerne mit den pompösen Titeln eines „Generalsekretärs des Schweizer Rates des Weltbundes der Ungarn” oder eines „Schweizer Korrespondenten des Verbandes Unabhängiger Journalisten”. Seine wahrnehmbaren Aktivitäten beschränken sich jedoch darauf, Schweizer Medien mit Leserbriefen zu bombardieren, sobald dort etwas erscheint, das die ungarische Rechte in einem kritischen Licht erscheinen lässt. Kenessey verlangt dann gerne die Entlassung des betreffenden Berichterstatters. Besonders hartnäckig verfolgt er den „Aufmarsch”-Autor und Wiener Korrespondenten des „Tagesanzeigers”, Bernhard Odehnal, den er immer wieder als „Lügner” diffamiert.

Als am 31. März dieses Jahres der „Aufmarsch” in Zürich öffentlich präsentiert wurde, erschien auch Kenessey, um in der Diskussion das Buch als „Machwerk” und „Lüge” zu beschimpfen. Sein impulsiver Einwurf wurde vom Publikum als nervend bis erheiternd empfunden. Unter Berufung darauf, „Journalist” zu sein, filmte er die gesamte Veranstaltung mit. Nun ist klar, wozu: Das Material wurde in der Diffamierungssendung des Budapester Echo TV reichhaltig genutzt.

Weder der begleitende Sprechertext noch die Moderatorin im Studio versuchten, die Kritik an dem Buch in einen objektiveren Kontext zu stellen. Das ganze Setting beschränkte sich darauf, Kenessey die Stichwörter zu liefern. Schon der Vorspanntext stimmte auf das Folgende ein: „Nazi-Gefahr von rechts, Drohen mit der antisemitischen Gefahr bis zum Abwinken, Anschuldigungen der Rassismus-Rufer: die globalen Herren der Welt haben die bewährte Rezeptur, wie es scheint, erneut verschrieben, jetzt, da Viktor Orbán wieder Regierungschef wird und die Jobbik mit ungefähr 17 Prozent der Stimmen ins Parlament gelangte.” – „Was für eine Wirkung kann so ein Buch haben?”, fragte im Studio sorgenvoll die Moderatorin. Eigentlich keine, meinte Kenessey, denn verkaufen ließe es sich ohnehin nicht (Anm. RV: das Buch ist in der 2. Auflage). Über die Autoren sagte er: „Ich beobachte und bekämpfe seit Jahrzehnten die beiden, sich als Journalisten titulierenden Personen, die in der Geschichte des Journalismus wahrscheinlich eine neue Kategorie geschaffen haben, und zwar die der Berufslügner. Wer ihre Auftraggeber sind, weiß ich nicht. Da hätte ich auch ein, zwei Gedanken …” Ohne „Auftraggeber” ginge es nicht, da sich ein solch unverkäufliches Buch sonst nicht rechnen würde. Die Autoren hätten es nur geschrieben, weil sie „gegenüber ihren Auftraggebern beweisen mussten, dass sie die Aufgabe sehr wohl erfüllt haben, für die sie das Geld angenommen haben”.

Aber wer sind nun diese geheimnisvollen „Auftraggeber”, insistierte die Moderatorin. Kenessey kam ins Stammeln und rückte dann reichlich verworren mit der „Wahrheit” heraus: „Darüber hinaus gibt es hier noch welche, die sich wahrscheinlich hier ansiedeln wollen … und die Vorbereitung dessen, dass sie im gegebenen Fall in größeren Massen kommen, die von irgendwoher kommenden Siedler, wenn wir dagegen eventuell etwas unternähmen oder das Land dagegen revoltierte, dann soll das nicht eine Wirkung dieser Art haben beziehungsweise dass man dies von vornherein kompromittieren kann in der Art, das ist eben hier so oder so eine pampige Völkerschaft und obendrein Nazis … Das ist eine politische Waffe …” Die Bedeutung dieser konfusen Darstellung erhellt sich erst vor dem Hintergrund des rechtsextremen ungarischen Diskurses, wie er auch von der Jobbik und ihrem Führer Gábor Vona intensiv gepflegt wird: Demnach stehe Israel vor der Niederlage im Nahostkonflikt, infolgedessen Massen von israelischen Juden in Ungarn angesiedelt werden müssten – die „Auftraggeber” des Buches „Aufmarsch” würden demnach mit der Kompromittierung der ungarischen Patrioten, die sich derlei Plänen widersetzen, das Terrain für die „Massenansiedlung” vorbereiten.

Eine kodierte antisemitische Spitze ritt Kenessey dann auch noch gegen Paul Lendvai, der das Geleitwort zum Buch „Aufmarsch” verfasst hat und bei der Präsentation in Zürich mit am Podium saß. O-Ton Kenessey: „Paul Lendvai, der von sich selbst sagt, dass er aus Kosice (ung. Kassa, dt. Kaschau, slowakische Stadt, die zum historischen Ungarn gehörte, d. Red.) stammt  …Gut, das ist sehr schön und gut, aber wo wer geboren ist, hat so weit überhaupt keine Bedeutung.” Auch er sei einer, der – wie Bernhard Odehnal und Gregor Mayer – Ungarn „berufsmäßig” anschwärze.»

Erschienen auf der Homepage des Residenz Verlags, Österreich

«Volkshetze»: Ungarn wollen Buchpräsentation stören

Tuesday, November 9th, 2010

Der Weltbund der Ungarn stört sich an einer Buchpräsentation im Kaufleuten. Der Schweizer Ungarn-Ableger bemüht Nazi-Vergleiche und spricht von «Volkshetze». Grund: Buchautor Paul Lendvai thematisiert die rechtsradikalen Tendenzen Ungarns.

von Christian Bütikofer

In der Stadt Zürich wird heute im Kaufleuten eine Buchpräsentation durchgeführt. Der Publizist und politische Kommentator Paul Lendvai wird über sein neues Buch «Mein verspieltes Land: Ungarn im Umbruch» reden.

Er thematisiert darin den Umbruch Ungarns vom demokratischen Musterschüler Europas zu einem Land, in dem Rechtsradikale eine immer grössere Rolle spielen. Und er geht den Gründen nach, warum rassistische und antisemitische Töne in den Medien zunehmen.

Die Buchpräsentation wird vom «Tages-Anzeiger» organisiert.

«Ungarnfeindliche Volkshetze»

Jetzt laufen Ungarn-Schweizer der Schweizer Sektion des «Weltbunds der Ungarn» (MVSZ) gegen den Diskussionsabend Sturm. MVSZ-Schweiz-Vertreter Csaba Kenessey schreibt in einer Pressemitteilung, Lendvai sei «seit vielen Jahren als Hetzer gegen das ungarische Volk bekannt.» Darum würde man heute eine «Pressekonferenz» anlässlich der Buchbesprechung abhalten.

Kenessey bezichtigt den «Tages-Anzeiger», er würde seit vielen Jahren «unwahre» und «ungarnfeindliche» Attacken gegen das «freiheitsliebende Volk der Ungarn» reiten. Weiter ereifert er sich, die Zeitung würde seine Leser aggressiv irreführen, die Ungarn verleumden und das Schweizer Volk gegen die Ungarn «aufhetzen».

Problem mit kritischen Journalisten

Kenesseys Problem scheint zu sein, dass Tages-Anzeiger-Korrespondent Bernhard Odehnal und sein Kollege Gregor Mayer das vielbeachtete Buch «Aufmarsch: Die rechte Gefahr aus Osteuropa» verfassten, in dem Ungarn nicht eben als positives Beispiel auftauchte.

Mayer zeigte etwa, wie die eigentlich verbotene paramilitärische Gruppe «Ungarische Garde» gemeinsame Sache mit der rechtsradikalen Partei Jobbik macht.

Der Juden-Vergleich

Kenessey fühlt sich an die «Nazi-Zeit» erinnert und vergleicht das Schicksal der Ungarn mit jenem der Juden: Wie damals, «als für alle Schandtaten die Juden benannt und herangezogen» worden seien, müssten nun die Ungarn als «Übeltäter» für alle «Schandtaten» herhalten: «Das ist eine Verleumdung, eine hetzerische Aktivität, welche bisher in der Schweiz nicht angetroffen wurde.»

© Aargauer Zeitung, 09.11.2010

Journalisten und Evangelikale blasen zur Homo-Hatz

Tuesday, November 2nd, 2010

In Uganda publizierte ein Blatt die Adressen diverser Homosexueller. Der Konflikt wurde von einem evangelikalen Eiferer angeheizt, der verbreitet, Adolf Hitler sei schwul gewesen.

von Christian Bütikofer

Eine Hetzliste mit 100 Bildern sorgt für Empörung. Ugandas Zeitung «Rolling Stone» veröffentlichte die Bilder von homosexuellen Ugandern mit der Forderung, diese Leute am nächsten Baum aufzuknüpfen.

Redaktor Giles Muhame sagte, er wolle mit der Veröffentlichung von Fotos Schwuler fortfahren, um ihnen zu «helfen», ein verantwortungsbewusstes Leben zu führen. Gegenüber CNN stellte Muhame Homosexualität mit einem Virus gleich.

«Poo-Poo»-Priester sorgte für Eklat

Bereits 2009 sorgte Uganda für Furore. Ein Abgeordneter brachte einen Gesetzesentwurf ins Parlament ein, der für homosexuelle Handlungen die Todesstrafe vorsah.

In einer denkwürdigen Pressekonferenz sorgte Pastor Martin Ssempa für einen Eklat, als er vor versammeltem Publikum Schwule mit üblen Bildern als sexuell Abnorme hinstellte.

Nach internationalen Protesten legte Präsident Yoweri Musweni den Vorschlag auf Eis.

Amerikanische Eiferer haben neues Spielfeld gefunden

Wenn’s in Uganda um Schwulen-Hetze geht, sind amerikanische Evangelikale ganz vorne mit dabei. Seit Jahren veranstalteten sie in Ugandas Hauptstadt Kampala Seminare, um die angeblichen geheimen Pläne der Homosexuellen aufzudecken.

Die ugandische Organisation «Family Life Network» lud amerikanische Evangelikale ein, um Vorträge über die Zerstörung der traditionellen Familienwerte durch Homosexualität und die Gefahr für die Gesellschaft durch die Schwulen anzuprangern.

Einer dieser Missionare ist Scott Lively. Zu seinem Lebenswerk gehört das Buch «The Pink Swastika» (Das rosarote Hakenkreuz), in dem er behauptet, zwischen Homosexuellen und Nationalsozialisten bestehe ein enger Zusammenhang. Sogar Hitler sei schwul gewesen, meinte Lively in der US-Talkshow «The Daily Show». Wegen ihrer Homosexualität seien die Nazis auch so grausam gewesen.

The Daily Show With Jon Stewart Mon – Thurs 11p / 10c
Gay Reichs
www.thedailyshow.com
Daily Show Full Episodes Political Humor Rally to Restore Sanity

Historiker bezeichnen Scott Livelys Theorien als völlig haltlos. Das Gegenteil sei der Fall gewesen: Die Nazis verfolgten Homosexuelle und steckten sie in Konzentrationslager.

Rektorin Sylvia Tamale vom Institut für Rechtswissenschaften der Makerere Universität bringt die Schwulen-Hetze mit politischem Kalkül in Verbindung. Es sei eine Tatsache, dass in Krisenzeiten Machthaber ihre Untergebenen gerne auf schwache Gruppen in der Gesellschaft hetzten, sagte sie gegenüber der «Huffington Post».

Laut einem Bericht der Organisation «Human Rights Watch» wurden in Uganda in letzter Zeit immer mehr politisch motivierte Übergriffe verzeichnet, die keine strafrechtlichen Konsequenzen hatten. Die seit Jahren dominierende Partei NRM habe in letzter Zeit politische Gegner immer wieder mit Anschuldigungen von sexuellen Übergriffen, Homosexualität oder «abtrünnigem» Verhalten eingedeckt, um sie einzuschüchtern