Archive for the ‘Geldwäsche’ Category

Der neuste Gag des Rothsinvest-Bosses: Ich heisse nicht da Ponte!

Tuesday, October 30th, 2012

Der ehemalige Direktor Robert da Ponte der Zuger Skandalfirma Rothsinvest Asset Management (lockere 250 Millionen Euro – zumeist wohl Schwarzgeld – “betreut”) verblüfft die italienischen Strafverfolgungsbehörden immer wieder.

Neuster Streich: Nun will er nicht mehr Robert da Ponte heissen, sondern in Wahrheit sei sein Name Robert Moore. Und schliesslich sei er in der “Nähe” von Los Angeles geboren. Den Nachnamen “da Ponte” habe er von seiner Frau Sarah übernommen.

In den Handelsregisterakten gab er sich einmal als US-Bürger, dann wieder als Engländer aus. Und vermutlich, so die italienische Tageszeitung Repubblica, gehörte ihm auch noch ein bulgarischer Pass.

Interessant in diesem Zusammenhang auch eine Aussage von Manuel Brandenberg, aufstrebender SVP-Politiker und ebenfalls Verwaltungsrat der Rothsinvest Asset Management. Gegenüber der Neuen Luzerner Zeitung sagte er gestern, die Mafia-Verbindungen von Rothsinvest (Abteilung Camorra) seien «absurd», er kenne allerdings nicht die Bekannten von Herrn da Ponte.

Nun, die muss er auch nicht kennen. Fakt ist, dass Salvatore Aria, Sohn eines Mafiabosses, einen Audio A8 zur Verfügung hatte, der auf die Rothsinvest eingelöst war. Was Herr Aria den lieben langen Tag tat? Er sei der Chauffeur von da Ponte gewesen…

Rothsinvest Asset Management – was bisher geschah

Monday, October 29th, 2012

Die Rothsinvest Asset Management ist Pleite, Konkurs – über die letzte Episode der Firma aus dem Camorra-Umfeld berichtete ich heute in der Handelszeitung und der Bilanz.

Wer sich einen kurzen Überblick verschaffen will, dem seien folgende Artikel empfohlen:

Die Wochenzeitung beleuchtete die Vergangenheit der Schweizer Statthalter – und stiess auf die Stasi-Connection eines erzkatholischen Umfelds:

Manuel Brandenberg (39) gilt als Nachwuchshoffnung der SVP: Er war Parteipräsident in der Stadt Zug und vertritt die Nationalkonservativen heute in den Parlamenten der Stadt und des Kantons Zug. Brandenberg, stramm rechts mit einer Vorliebe für Armee und Waffen, wurde schweizweit bekannt, als er in der Arbeitsgruppe Einsitz nahm, die dafür sorgen soll, dass die Ausschaffungsinitiative im Sinne der SVP umgesetzt wird. Er stammt aus katholisch-konservativem Milieu (Vater Ernst war CVP-Verwaltungsrichter), und so erstaunt es kaum, dass Brandenberg junior in einem politischen Vorstoss Kruzifixe in Gerichtssälen forderte, seine Hochzeit am letzten Wochenende mit einer lateinischen Messe feierte oder einst einen Leserbrief an die «Zuger Zeitung» schrieb, weil «Fräulein Wille» vom Schweizer Fernsehen den Papst nach seiner Wahl nicht standesgemäss als «Heiligen Vater» oder «Patriarch des Abendlandes» ankündigte, sondern schlicht als «Herrn Ratzinger». Überdies ist Brandenberg Verwaltungsrat von Ulrich Schlüers «Schweizerzeit».

Sein Vater Ernst tauchte früher unter den Top 100 der Schweizer Verwaltungsratsmandatssammler auf. Anfang der neunziger Jahre wurde ihm seine Umtriebigkeit zum Verhängnis, als die Alternativen in Zug publik machten, dass Ernst Brandenberg mit Stasi-Beschaffer Michael Grossauer in Verbindung stand. Grossauer hatte in Zug Firmen gegründet, um die DDR über die Stasi-Beschaffungslinie 4 mit Technologien zu versorgen. Zu dieser Zeit war Militarist Brandenberg auch in der Militärjustiz tätig und verurteilte Kriegsdienstverweigerer zu hohen Haftstrafen. Altnationalrat Josef Lang kommentierte damals, der «CVP-Anwalt predigte antikommunistisches Wasser und trank stalinistischen Wein».

Die NZZ beleuchtete den Zuger-Wirtschaftsanwalts-Filz:

Nach 1990 durften Regierungsräte und Staatsanwälte auch im Kanton Zug nicht mehr in privaten Verwaltungsräten Einsitz nehmen, ausser bei Familienfirmen mit ausdrücklicher Bewilligung des Kantonsrats. Die enge Verbindung von Politik und Wirtschaft und die Rolle von Wirtschaftsanwälten als Machtfaktor haben in den letzten Jahren in Zug denn auch an Bedeutung verloren. Vor allem bei der CVP, die früher am meisten Wirtschaftsanwälte in ihren Reihen hatte, sind diese fast ganz verschwunden. Einerseits begannen sich die Wirtschaftsanwälte aus der Politik zurückzuziehen, anderseits wurden Wirtschaftsinteressen auch von andern Berufsgruppen vertreten. Dass bei Brandenberg dieses bekannte Zuger Muster aus der Vergangenheit eingeschlagen hat, erstaunt seine politischen Opponenten nicht. Es sei systemimmanent. «Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht», stellt der rot-grüne Zuger Kantonsrat Martin Stuber fest.

Das Wirtschaftsportal Finews, das als erstes in der Schweiz über den in Italien publik gewordenen Fall berichtete, nahm sich unter anderem dem netten Namensverwirrspiel mit “Rothschild” an:

Die Website des Unternehmens wurde inzwischen geschlossen; zuvor hatte das Unternehmen aber sogar ein eigenes Linkedin-Profil eingerichtet, in dem es sich als«professional investment management firm, backed by the Rothschild family office»darstellt: Man sei spezialisiert aufs «active management and alternative investments» für ausgewählte internationale Kunden.

Rothschild ist nicht Rothschild

Hier scheint also ein legendärer Name zweckentfremdet worden zu sein: Als Präsident des Verwaltungsrates der Rothsinvest Asset Management fungiert zwar mit Nathan Rothschild ein Namensvetter. Doch der Zürcher Anwalt hat nach eigenem Bekunden keinen familiären Bezug zu den bekannten britischen und französischen Rothschild-Zweigen.

Und der gleiche Autor schrieb in einem Artikel für die Zeit über Connections nach Spanien, die den Fall erst auslösten:

Doch hinter dem Betrug an den Sparern öffnet sich eine zweite Ebene. Robert Da Pontes Kartenhaus stürzte ein, als die Schweizer Behörden die Konten einer ganz anderen Zuger Firma sperrten. Die TMS Group, so der Name, betreibt laut Registereintrag »Handel mit Öl, Gold, weiteren Edelmetallen und Zement, im Weiteren mit Nahrungsmitteln wie Hummer«, und sie hatte dieselben Koordinaten wie Rothsinvest: Poststraße 9, Zug. Es ist die Adresse von Manuel Brandenbergs Büro.

Am 12. April, kurz vor Mittag, sperrte das Fedpol alle Konten der TMS, unter anderem bei zwei Banken in Genf. Die Aktion geschah auf Bitte der spanischen Zollbehörden, die einem internationalen Geldwäschereifall nachspürten: Bei Immobiliengeschäften zwischen der Provinz Valencia und der Toskana sollen Schwarzgelder in großem Stil verschoben worden sein.

Die Blockade in der Schweiz löste Panikwellen aus, welche die Carabinieri 500 Kilometer weiter südlich fast live verfolgen konnten: Sie hörten die Rothsinvest-Makler seit Wochen ab. Robert Da Ponte telefonierte in den folgenden Stunden mit seinen Vertrauten – um mitzuteilen, dass er nicht mehr zahlen könne. Die Schweizer, so seine Erklärung, hätten die Gelder von »Rothsinvest Capital« gesperrt.

Im Zeit-Artikel nahm sich der Finews-Journalist auch noch einem weiteren beliebten Betrugsspielfeld an: Penny-Stock-Firmen in den USA:

Offen bleiben damit auch Fragen zu einem anderen rätselhaften Geschäft. Im Februar 2011 übernimmt Rothsinvest für gut 5 Millionen Dollar Aktien einer Firma namens Bionovo Inc. in Emeryville bei San Francisco. Bionovo forscht laut eigenen Angaben an Medikamenten gegen Krebs und gegen Beschwerden der Wechseljahre, und sie ist an der Nachwuchsbörse Nasdaq kotiert. Als Rothsinvest einsteigt, wird die Aktie mit 1,25 Dollar bewertet, danach geht es stetig abwärts. Bis Ende 2011 verliert der »Penny Stock« drei Viertel seines Wertes. Im Januar 2012 beantragt die Gesellschaft, von der Nasdaq gestrichen zu werden. Im Februar meldet sie, man könne keinen Jahresbericht veröffentlichen. Im März entlässt sie alles Personal. Auf der anderen Seite gönnte das Unternehmen, das 265.000 Dollar umsetzt, seinen Direktoren letztes Jahr 1,3 Millionen Dollar an Honoraren.

100 Millionen ergaunert und in Genf versteckt, jetzt von Interpol gesucht

Thursday, June 2nd, 2011

Bei der Bank Merrill Lynch in Genf versteckte ein US-Grossbetrüger 15 Millionen Dollar. Die Gelder sind zurück, er aber wird international gesucht. Mit gefälschten Antivirus-Programmen haute seine Bande eine Million Computer-Benutzer übers Ohr. von Christian Bütikofer

Die Medienmitteilung des Bundesamtes für Justiz (BJ) vom 1. Juni tönt unspektakulär: «Gestützt auf ein US-Rechtshilfeersuchen […] wurde die Herausgabe von rund 15 Mio. US-Dollar angeordnet. Die Vermögenswerte […] werden den Geschädigten einer gross angelegten Betrügerei mit gefälschter Software zurückerstattet.»

Was amtlich nüchtern daherkommt, ist Teil einer internationalen Betrugsgeschichte, die 2002 ihren Lauf nahm und in der neben Softwarepiraterie auch die millionenfache Täuschung von Internet-Benutzern durch falsche Antivirus- und Sicherheitssoftware von zentraler Bedeutung war. Dies zeigen über tausend Seiten Untersuchungsakten, die az vorliegen.

Hauptfiguren sind der Amerikaner Shaileshkumar Jain (41), genannt Sam Jain, der Schwede Björn Daniel Sundin (32) und der kanadische Jurist Marc Gerard D’Souza. Die ersten zwei stehen auf der Fahndungsliste von Interpol.

Gefälschte Software «Made in China»

Jain sorgte bereits in der ersten Internet-Blase in den 90ern für Furore. Danach wollte er selbständig durchstarten und liess dazu die Firma Inventive Marketing, Inc. im mittelamerikanischen Staat Belize gründen. Mit aggressivem Marketing im Web lockte er Kunden auf Webseiten, die gefälschte Antiviren-Software von Symantec anbot, die er in China besorgte. Nicht lange und der Software-Gigant reichte gegen Jain Klage ein.

Bereits 1991 wegen Betrugs verurteilt

Probleme mit der Justiz waren sich Jain und Sundin gewöhnt. Bereits 1991 wurde Jain in Kalifornien wegen Betrugs rechtskräftig verurteilt. Sundin musste sich 2000 in Arzizona wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses vor dem Richter verantworten.

Während Jain die Symantec-Klage am Hals hatte, seilte er sich in die brasilianische Stadt Rio de Janeiro ab. Von dort koordinierte er mit seinen Kumpanen den nächsten Coup: Anstatt gefälschte Antiviren-Software zu verkaufen, programmierten sie die Programme gleich selber.

Gefälschte Windows-Meldungen

Ihre Produkte, die sie mit Namen wie «Winfixer» tauften, hatten im Unterschied zur Konkurrenz aber einen kleinen Unterschied: Sie erkannten auf den Computer der Getäuschten keine Viren, es handelte sich allesamt um Falschmeldungen.

Richtig ausgeklügelt war die Methode, wie die Internet-Nutzer überhaupt aufs nutzlose Produkt aufmerksam gemacht wurden: Mit Gefahren-Meldungen die als so genannte Pop-Ups (sich beim Surfen auf eine Website selbstständig öffnende Browserfenster) wurde den Benutzern vorgetäuscht, ihre Computer seien mit Viren infiziert. Um das Problem zu beheben, müssten sie nur eine spezielle Software wie «Winfixer» kaufen und installieren.

Angst einjagen und abkassieren: Mit vorgeblicher Sicherheits-Software wird weltweit viel Geld ergaunert

Angst einjagen und abkassieren: Mit vorgeblicher Sicherheits… (PDF)

Spam und Computer-Einbrüche

Neben dieser Methode wandten die Betrüger auch Massen-E-Mail-Versand (Spam) an. Daneben platzierten sie durch illegale Hackermethoden so genannte Ad-Ware auf den Rechnern von Privatpersonen. Das hatte zur Folge, dass auf den so infizierten Rechnern plötzlich ein Werbefenster mit den bekannten falschen Viren-Alarmen auftauchte.

Solche Methoden werden von Computer-Sicherheits-Experten als «Scareware» (Angstmacher-Ware) genannt. Praktisch jeder seriöse Antiviren-Hersteller listet solch falsche Anti-Virus-Tools als Schädlinge in seiner Datenbank und entfernt sie bei einem Viren-Check.

Kreditkartendaten offen im Web

Der deutsche Antiviren-Experten Dirk Kollberg von McAfee konnte die Aktivitäten der Bande dank einer Sicherheitslücke während längerer Zeit detailliert mitprotokollieren und wurde von den Behörden später dazu in Frankfurt am Main vernommen.

Mit der Sicherheit hatte die Bande auch sonst so ihre Probleme: Während geraumer Zeit lagen tausende Kreditkartendaten ihrer Opfer offen im Internet.

Eine grosse Herausforderung für die Betrügerbande war, wie sie das Problem der Zahlung lösten. Die Software wurde von den Opfern immer per Kreditkarte bezahlt. Als die merkten, was für einen Schrott sie da gekauft hatten, wollte viele ihre Kreditkartenbuchung rückgängig machen.

Obwohl dies noch lange nicht alle taten, generierten sie damit jeweils tausende von Stornierungen, was den Betrügern bei den Zahlungsabwicklern jeweils grossen Ärger brachte. Als sie in den USA nicht mehr salonfähig waren, behalfen sie sich mit Dienstleistern in Bahrain, Dubai, Singapur und versuchten es auch in Holland.

Die FTC nimmt sich dem Fall an

Die Masche mit den gefälschten Anti-Viren-Programmen führte dazu, dass tausende Reklamationen bei der amerikanischen Federal Trade Commission (FTC) eingingen. Nicht lange, und die Beamten nahmen sich den Brüdern an. Während ihrer Ermittlung sammelten die Beamten mehr als 21’000 Seiten Beweismaterial und kommen zum Schluss, dass die Bande mit ihren Aktivitäten mindestens 100 Millionen Dollar generierte.

Die FTC-Beamten stiessen während ihren Ermittlungen auf ein unglaubliches Firmen- und Bankkonten-Netz, verteilt auf die ganze Welt (siehe Box).

Um ihre richtige Identität vor Geschäftspartnern zu verbergen, nutzten die Täter mehrere Pseudonyme und agierten durch verschiedene Firmen, die zum Teil nicht existieren.

Merrill Lynch-Banker halfen wissentlich beim Betrug

Fälschungen standen auch am Anfang der Schweizer-Spur. Um die Gelder der amerikanischen Opfer (60 Prozent der Kunden stammten aus USA/Kanada, 40 aus dem Rest der Welt) in sichere Geldhafen zu transferieren, wurde das Geld über mehrere Transfers zu Merrill Lynch nach Uruguay verschoben. Dort gründete Sam Jain dank der geklauten Unterschrift und weiteren persönlichen Daten eines seiner früheren Angestellten die Société Financiera Volturno SA sowie die Rivonal Corporation SA.

Dabei arbeiteten ihm mehrere Merrill Lynch-Banker zu, die über die gefälschten Daten bestens Bescheid wussten. Während der FTC-Ermittlungen wurden sie vom Institut gefeuert. In Uruguay nahm Jain die Hilfe von Anwalt Federico Ponce de León sowie dessen Vater Walter Ponce de León in Anspruch und ein Konto bei Merrill Lynch in Genf wurde eröffnet. Mit der Zeit sammelten sich dort zwischen 15 und 18 Millionen Dollar an.

Die guten Dienste der Schweizer Anwälte

2008 blockierte die Schweiz wegen Verdachts auf Geldwäscherei das Konto und entsprach einem Rechtshilfegesuch der USA. Doch das wollte Jain nicht einfach so auf sich sitzen lassen. Die Genfer Rechtsanwälte Saverio Lembo und Anne Valérie Julen Berthod von Bär & Karrer versuchten die Rücküberweisung der Millionen in die Vereinigten Staaten während Jahren zu verhindern. In dieser Zeit befand sich Sam Jain schon lange auf der Flucht: Als er 2009 vor einem US-Gericht hätte erscheinen sollen, liess er sich nie mehr blicken.

Die Behörden vermuten ihn in der Ukraine. Sein Kumpel Sundin hält sich gemäss den Behörden in Schweden auf. Marc Gerard D’Souza hat sich mit der FTC verglichen: Er zahlte über 8 Millionen Dollar Wiedergutmachung.

Entscheid Bundesstrafgericht: RR.2009.159

Das Firmen- und Konten-Geflecht

Firmen gründeten die Täter unter anderem in Anguilla, Panama, Belize, USA, Uruguay, Niederlande, Bahrain, Vereinigte Arabische Emirate, Philippinen, Kanada, Britische Jungferninseln, Ukraine, Argentinien, Indien, Grossbritannien, Brasilien.

Konten unterhielten die Gauner etwa bei Merrill Lynch, HSBC Bahrain, ABN Amro, Standard Chartered Bank, Bank of Bahrain and Kuwait BSC, Bahrami Saudi Bank BSC, Emirates Bank, United Overseas Bank Singapore, Citibank, DBS Bank Ltd., HSBC Jersey, UBS Schweiz (Zürich Höngg, Bankkonti 836.360.60W, 836.360.L1 G bei Berater Thomas M.), Chinatrust (Philis) Commercial Banking Corp., Rizal Commercial Banking Corp., ING Bank, Royal Bank of Canada, Bank of Nova Scotia, Bank of Montreal, TD Canada Trust, HSBC Kanada, Fleet Bank.

© az Aargauer Zeitung 2011; 02.06.2011

So zerrte Roger de Weck die CS-Geldwäscher ans Licht

Thursday, May 20th, 2010

SRG-Generaldirektor Roger de Weck möchte mehr investigative Geschichten im Schweizer Fernsehen. Eine löbliche Idee, finde ich. De Weck weiss, wovon er spricht: Als 24-jähriger Journalist recherchierte er 1977 mit seinem älteren Kollegen Max Mabillard in der «Tribune de Genève» hartnäckig über die Bankfiliale Chiasso der Schweizerischen Kreditanstalt (SKA).

Die SKA wurde später zur Credit Suisse, was die Gitterstäbe vor den Fenstern der Fassade am Paradeplatz noch heute bezeugen.

Was recherchierte de Weck?

Während sechzehn Jahren baute und verbaute Ernst Kuhrmeier, Direktor jener Filiale, ein eigenes Imperium im Schatten der Grossbank.

Milliardenverlust durch Spekulationen

Seine Machenschaften fügten der SKA einen Verlust bei, der die Milliardengrenze überschritt. Hand in Hand arbeitete der Filialdirektor mit dem angesehenen Tessiner Anwaltsbüro Maspoli & Noseda (die verlinkte Spiegel-Geschichte ist lesenswert).

Bei der SKA in Zürich wurde Kuhrmeiers Treiben lange geduldet. Als die ersten Anzeichen öffentlich wurden, versuchte man erst den Fall kleinzureden. Danach distanzierten sich die Bosse in Zürich von Kuhrmeier und liessen ihn fallen.

Mabillard und de Weck waren die ersten, die der Geschichte permanent nachgingen – notabene Journalisten einer liberalen Zeitung, fern jeglicher «linker» Verdächtigkeit.

Sie nahmen schlicht ihren Beruf als Journalisten ernst.

Auch die TAT (die damalige Migros-Zeitung, die den aufkommenden «Blick» konkurrieren wollte – einfach eher von der Perspektive des linken «Blick»-Winkels…) mit dem heutigen Sonntagszeitung-Journalisten Hanspeter Bürgin landeten mehrere Male Recherche-Primeurs in dieser Sache.

Perfektes Geldwäsche-System

Die Chiasso-Affäre beherrschte die Medien monatelang. Es war auch das erste Mal, wo richtig öffentlich wurde, wie der Schweizer Finanzplatz zum Handlanger Krimineller wurde und wie die Drogenmafia Italiens und der USA hier unbemerkt ein Zentrum zur Geldwäsche aufbauten.

Die Affäre führte dazu, dass Heinz Wuffli, Generaldirektor der SKA, wegen Chiasso seinen Hut nahm.

Sein Sohn Peter Wuffli wurde 2001 Konzernchef der Konkurrenzbank UBS (damals hiess sie SBG) und trat dort 2007 überraschend zurück – offenbar wegen Führungsfehlern, wie der Tages-Anzeiger berichtet. Aber das nur nebenbei.

Journalistisches Lehrstück

Das Buch «Der Fall Chiasso» ist ein journalistisches Lehrstück: Auf einfache Weise erklären Mabillard und de Weck die komplizierten Tricks, welche Kuhrmeier und seine Komplizen erdachten, um aus italienischem Fluchtkapital Profit zu schlagen.

De Weck beschäftigte sich also schon vor über 30 Jahren mit einem Thema, das in der Schweiz aktueller nicht sein könnte.

Das Buch ist vergriffen. Man findet es aber sicher online bei Abebooks oder in grossen Bibliotheken wie der Zentralbibliothek Zürich.

PS: Den mit Abstand besten biographischen Abriss Roger de Wecks veröffentlichte Kollege Christian Mensch in der Basler Zeitung.


Basler Zeitung
19 Mai 2010

London hat genug von grossen Noten

Saturday, May 15th, 2010

Die Britischen Wechselhäuser und Banken rücken ab sofort keine 500er-Euroscheine mehr raus. Dies darum, weil die Noten häufig für Geldwäsche genutzt würden – die Missbrauchsrate liege bei 90 Prozent.

500er-Noten waren praktisch. So konnte ein Gauner ganz einfach 20’000 Euro in einer Zigarettenschachtel transportieren. Die Meldung gibts u.a. online beim «Figaro».