Archive for the ‘Evangelikale’ Category

Gymnasium-Rektor wirft modische Missionare raus

Wednesday, November 10th, 2010

Das Bieler Seelandgymnasium verweigert sich einer Snowboard-Kleiderfirma mit Verbindungen zur Pfingstbewegung. Das Unternehmen spendet einem intransparenten Hilfswerk. von Christian Bütikofer

Der Co-Rektor Leonhard Cadetg des Bielers Seelandgymnasiums will die Kleiderfirma «Blessed» nicht als Sponsor einer Party der Fachschaft Wirtschaft und Recht.

Blessed-Gründer Simon Georg zeigte sich gegenüber «Blick» über den rektoralen Rausschmiss «geschockt». Denn er habe die Firma Blessed GmbH (auf Deutsch: Gesegnet GmbH) auf christlichen Werten wie «Ehrlichkeit» und «Fairness» aufgebaut.

Und darüber hinaus habe er bereits einen DJ, eine Hip-Hop-Tanzgruppe und T-Shirts für alle Schüler organisiert, meinte er gegenüber dem «Blick».

Cadetg besteht darauf, dass das Seelandgymnasium laizistisch sei, also der Trennung von Kirche und Staat verpflichtet ist.

Dabei wird er vom Bundesgericht gestützt: Es beurteilte wiederholt, öffentliche Schulen seien verpflichtet, religiöse Neutralität zu üben.

Im Umfeld der evangelikalen Kirchenbewegung

Der Gymi-Lehrer und FDP-Politiker dürfte eine gute Nase gehabt haben, warum er sich Blessed verweigerte: Die Firma steht nicht einfach nur für christliche Werte, sie gehört zum Umfeld der evangelikalen Pfingstbewegung, die an Heilung, Prophetie oder Zungenreden glaubt und stark durch ihre US-amerikanischen Glaubensbrüder geprägt ist.

Blessed spendet den so genannten «Zehnten», also zehn Prozent der Einnahmen, für Projekte der Jugendhilfe.

Die Nähe zur amerikanischen Szene zeigt sich etwa daran, dass einer der Geldempfänger das Hilfswerk «Metro Ministries» ist, dessen Hauptstützpunkt in New York liegt.

Hilfswerk steht auf Warnliste

Gegenüber der unabhängigen evangelikalen Spendenprüfer-Organisation «Transparency Watch» machte «Metro Ministries» keinerlei finanzielle Angaben.

Das Hilfswerk steht mit der schlechtesten Bewertung auf der Warnliste. Denn Metro Ministries verweigerte sich Transparency Watch total: Weder wurden Fragen beantwortet, noch Zahlen vorgelegt.

Der Chefpfarrer von Metro Ministries ist Bill Wilson, der an der Universität des Oberverbandes «Assemblies of God» der US-Pfingstgemeinden studierte. Immer mal wieder sorgen Exponenten der Assemblies of God für Aufsehen.

Etwa James Watts, der ehemalige Innenminister der USA zu Zeiten des US-Präsidenten Ronald Reagan.

Watts machte sich öffentlich Gedanken zum Umweltschutz: Warum sich um einen intakten Planeten für spätere Generationen kümmern, wenn Jesus doch jeden Moment in unsere Welt zurückkehrt und das christliche Paradies erneut anbricht?

Auf Werbetour mit dem ICF

Bill Wilson tingelte dieses Jahr durch die Schweiz und wurde von der umstrittenen neocharismatischen Jugendbewegung ICF tatkräftig unterstützt. Prominenter Werbepartner: Blessed GmbH.

Die Vermutung liegt nahe, dass durch die trendige Snowboard-Mode von Blessed nicht einfach nur Kleidung verkauft wird sondern Jugendliche vom christlichen Glauben überzeugt werden sollen.

Hinter der Marke steckt missionarisches Gedankengut

Der missionarische Eifer äussert sich bereits im Logo der Marke. So steht auf der Firmen-Website: «Das Logo der Firma ist schwarz-weiss gestaltet, weil sich jeder Mensch entscheiden muss: Es gibt nur ein Leben mit oder ein Leben ohne den dreieinigen Gott. Die Spiegelung der Buchstaben im Logo sowie des Namens Blessed soll zeigen, dass es immer die Möglichkeit zur Umkehr gibt.»

© az Aargauer Zeitung, 10.11.2010

Journalisten und Evangelikale blasen zur Homo-Hatz

Tuesday, November 2nd, 2010

In Uganda publizierte ein Blatt die Adressen diverser Homosexueller. Der Konflikt wurde von einem evangelikalen Eiferer angeheizt, der verbreitet, Adolf Hitler sei schwul gewesen.

von Christian Bütikofer

Eine Hetzliste mit 100 Bildern sorgt für Empörung. Ugandas Zeitung «Rolling Stone» veröffentlichte die Bilder von homosexuellen Ugandern mit der Forderung, diese Leute am nächsten Baum aufzuknüpfen.

Redaktor Giles Muhame sagte, er wolle mit der Veröffentlichung von Fotos Schwuler fortfahren, um ihnen zu «helfen», ein verantwortungsbewusstes Leben zu führen. Gegenüber CNN stellte Muhame Homosexualität mit einem Virus gleich.

«Poo-Poo»-Priester sorgte für Eklat

Bereits 2009 sorgte Uganda für Furore. Ein Abgeordneter brachte einen Gesetzesentwurf ins Parlament ein, der für homosexuelle Handlungen die Todesstrafe vorsah.

In einer denkwürdigen Pressekonferenz sorgte Pastor Martin Ssempa für einen Eklat, als er vor versammeltem Publikum Schwule mit üblen Bildern als sexuell Abnorme hinstellte.

Nach internationalen Protesten legte Präsident Yoweri Musweni den Vorschlag auf Eis.

Amerikanische Eiferer haben neues Spielfeld gefunden

Wenn’s in Uganda um Schwulen-Hetze geht, sind amerikanische Evangelikale ganz vorne mit dabei. Seit Jahren veranstalteten sie in Ugandas Hauptstadt Kampala Seminare, um die angeblichen geheimen Pläne der Homosexuellen aufzudecken.

Die ugandische Organisation «Family Life Network» lud amerikanische Evangelikale ein, um Vorträge über die Zerstörung der traditionellen Familienwerte durch Homosexualität und die Gefahr für die Gesellschaft durch die Schwulen anzuprangern.

Einer dieser Missionare ist Scott Lively. Zu seinem Lebenswerk gehört das Buch «The Pink Swastika» (Das rosarote Hakenkreuz), in dem er behauptet, zwischen Homosexuellen und Nationalsozialisten bestehe ein enger Zusammenhang. Sogar Hitler sei schwul gewesen, meinte Lively in der US-Talkshow «The Daily Show». Wegen ihrer Homosexualität seien die Nazis auch so grausam gewesen.

The Daily Show With Jon Stewart Mon – Thurs 11p / 10c
Gay Reichs
www.thedailyshow.com
Daily Show Full Episodes Political Humor Rally to Restore Sanity

Historiker bezeichnen Scott Livelys Theorien als völlig haltlos. Das Gegenteil sei der Fall gewesen: Die Nazis verfolgten Homosexuelle und steckten sie in Konzentrationslager.

Rektorin Sylvia Tamale vom Institut für Rechtswissenschaften der Makerere Universität bringt die Schwulen-Hetze mit politischem Kalkül in Verbindung. Es sei eine Tatsache, dass in Krisenzeiten Machthaber ihre Untergebenen gerne auf schwache Gruppen in der Gesellschaft hetzten, sagte sie gegenüber der «Huffington Post».

Laut einem Bericht der Organisation «Human Rights Watch» wurden in Uganda in letzter Zeit immer mehr politisch motivierte Übergriffe verzeichnet, die keine strafrechtlichen Konsequenzen hatten. Die seit Jahren dominierende Partei NRM habe in letzter Zeit politische Gegner immer wieder mit Anschuldigungen von sexuellen Übergriffen, Homosexualität oder «abtrünnigem» Verhalten eingedeckt, um sie einzuschüchtern

Fundi-Plakate soweit das Auge reicht

Wednesday, May 19th, 2010

Da fährt man nichtsahnend durchs Zürcher Oberland und bemerkt am Strassenrand immer wieder mal ein Plakat, das die Landschaft verschandelt.

Erst denkt man an einen Scherz:

Aber nein, – ZACK! – es ist tatsächlich wahr: Darwins Evolutionstheorie, alles eine grosse Lüge!

Wie Kollege Hugo Stamm im Tagi schreibt, steckt der grosse Meister Harun Yahya alias Adnan Oktar dahinter, ein Türke, der offenbar eine ziemlich schillernde Figur ist.

Schuld am ganzen Weltschmerz sind mal wieder die Ungläubigen, die sich erfrechen, die Evolutionstheorie doch tatsächlich ernst zu nehmen.

Denen es seltsam erscheint, dass unser Planet  in sechs Tagen entstanden sein soll. Die Nachfahren jener kritischen Geister also, die auch nicht so recht daran glaubten, die Erde sei eine Scheibe.

Hunderte Domains reserviert

Nicht nur der Kanton Zürich ist mit diesen Plakaten zugepflastert. «24 heures» schreibt mehrmals über Harun Yahyas farbigen Traktaten: Bevor er Zürich beglückt, erklärt er am 25. Mai den Lausannern «wissenschaftlich», warum Darwin ein Scharlatan ist.

Seine «Wissenschaft» ist der Kreationismus, mit dem sich der amerikanische Politkomödiant Bill Maher auch schon mal eingehend beschäftigte.

Yahya hat hunderte Domains in diversen Sprachen registriert:

Immer wieder erstaunlich, wie sehr Fundis Fundis gleichen, egal ob christlich oder muslimisch.


24 Heures
18 Mai 2010

Anti-Islamisierungs-Gruppe will mit 60000 Broschüren über Islamisierung «aufklären»

Monday, May 10th, 2010

Ein «Aktionskomitee» will die Schweizer mit 60000 Broschüren und diversen Standaktionen über die «Islamisierung der Schweiz» aufklären. Mit Heinz Gstrein ist ein umstrittener Wissenschafter und ehemaliger NZZ-Korrespondent mit an Bord. Ihm wurden in der Vergangenheit Schwindeleien vorgeworfen.

Christian Bütikofer

In diversen Standaktionen wollen Daniel Zingg und seine Mitstreiter vom «Aktionskomitee gegen die strategische Islamisierung der Schweiz» die Schweizer über die kommende Islamisierung der Schweiz aufklären. Er findet, die Schweizer Bevölkerung sei ungenügend über islamische Symbole informiert – wie etwa der Burka. 60’000 verteilte Broschüren sollen diesem Wissensmangel abhelfen, diverse Standaktionen in der Deutschschweiz sind geplant.

«Islamischer Zentralrat will Islamisierung»

Zingg hat eine Mission: «Dem Islamischen Zentralrat Schweiz IZRS geht es doch in erster Linie um die strategische Islamisierung der Schweiz und nicht, wie vordergründig behauptet, um eine integrative und friedliche Ausübung der islamischen Religion.» Ganz im Gegensatz dazu wolle Zingg eine «breite und sachliche Diskussion über die Stellung der Frau innerhalb des Islams.»

Der Hakenkreuz-Vergleich

Die «sachliche Diskussion» dürfte schwierig werden. Denn im Aktionkomitee sitzt auch Heinz Gstrein. Der Orientalist gilt als Experte und war im Vorfeld der Minarett-Initiative das intellektuelle Aushängeschild der Minarettgegner. In der TV-Sendung «Club» vom Schweizer Fernsehen verglich er das Minarett mit dem Hakenkreuz. Die «Basler Zeitung» behauptete nach Recherchen, er sei ein Hochstapler: Gstrein habe sich illgeal «Professor der Universität Wien» und «NZZ-Nahostkorrespondent» genannt.

Auf Anfrage von a-z sagte Heinz Gstrein, er lehre nach wie vor in Österreich – als Lehrbeauftragter für Balkanstudien der Universität Wien. Auch sei er Korrespondent für die NZZ gewesen. Die NZZ selbst bezeichnete ihn noch 2003 als «Korrespondent für die NZZ und Radio DRS».

Quelle: a-z.ch News

Letztes Update: 08.05.10, 23:35 Uhr