Archive for October, 2010

Drogenhandel und Geldwäscherei: Treuhänder im Visier der Bundesanwaltschaft

Saturday, October 30th, 2010

Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Personen aus dem Umfeld einer Zürcher Firma. Im Fokus stehen Geldwäscherei, schwerer Drogenhandel und Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung. Die Betroffenen hatten prominente Kunden.

von Christian Bütikofer

Am Anfang stand ein folgenschwerer Fehler: Der Genfer Steuerexperte Philip Egglishaw liess im Sheraton Hotel Sydneys wichtige Geschäftsdokumente seiner Kunden liegen, die ein flinker Beamte der australischen Finanzpolizei behändigte.

Dieses Missgeschick löste 2006 «Project Wickenby» aus, Australiens grösste Untersuchung in Sachen Steuerhinterziehung.

Über 500 Millionen Dollar aufgetaucht

Die Aktion förderte bisher über 500 Millionen Dollar Schwarzgeld zu Tage, berichtete die australische Steuerbehörde Ende August.

Diverse Steuerhinterzieher, deren Helfer sowie ein bekannter Rechtsanwalt wurden inzwischen zu Haftstrafen verurteilt. Bisher kam es zu 58 Anklagen und 12 Verurteilungen.

Seit 2008 steht auch ein Kunde der Firma K.* aus Zürich im Visier der Fahnder: Michael John Milne soll Millionen Dollar versteckt haben.

Die Australische Bundespolizei AFP behauptet, B.* habe zahlreiche Offshore-Firmen für Milne verwaltet und eine Schweizer Bank angewiesen, Aktien im Wert von 30 Millionen Dollar in eine Milne-Firma zu verschieben, schreibt «The Australian».

Die Australier stellten in Zürich ein Rechtshilfegesuch, wie Staatsanwalt Peter Hünig der «Aargauer Zeitung» bestätigte.

Hausdurchsuchung wegen Australien-Kunde

Darauf fand bei der Firma eine Hausdurchsuchung statt und die Eidgenössische Steuerverwaltung befand, dass im Fall Milnes eindeutig ein Abgabebetrug vorliege, sagte Hünig. Doch B. wehrte sich juristisch.

Die Australier warten noch immer auf die Akten aus der Schweiz. Hünig muss die Dokumente per Gerichtsverfahren freiklagen, der Fall liegt derzeit beim Bundesstrafgericht Bellinzona.

Als australische Journalisten B. zu kontaktieren versuchten, verschwand sein Profil von der Firmen-Website. Milne, der bei der ersten Einvernahme behauptete, er habe in 13 Jahren schlappe 3000 Dollar verdient, schaffte es ohne Probleme, eine Kaution von 5 Millionen Dollar für seine temporäre Freiheit zu hinterlegen.

Gemäss Gerichtsdokumenten wird Milne beschuldigt, die Millionen durch «Betrug und Einschüchterung» ergaunert zu haben. So habe seine Rechtsanwältin der 2004 noch aktiven Zürcher Bank Swissfirst den Auftrag gegeben, Dokumente zu vernichten, die bewiesen hätten, dass die Aktien nicht ihm gehörten, sondern seinem ehemaligen Geschäftspartner. Zu Milne will Firma K. keinen Kommentar abgeben.

Auch Bank Crédit Agricole involviert

Die Milne-Geschichte ist nicht die einzige, die Firma Ks.’ Umfeld betrifft. Die Bundesanwaltschaft (BA) ermittelt auch wegen des Verdachts auf Bestechung und Geldwäscherei. Dies bestätigte BA-Sprecherin Jeannette Balmer.

Weiter zeigen Recherchen, dass in diesem Zusammenhang auch wegen Verdachts auf schweren Drogenhandel und Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung gefahndet wird. Auch hierzu mochten die Zürcher zuerst keinen Kommentar abgeben.

B. legte aber Wert darauf, festzuhalten, dass die Bundesanwaltschaft gegen ihn die Ermittlungen wegen Drogenhandels sowie Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation Anfang September 2009 eingestellt habe, was zu seiner sofortigen Freilassung führte.

Gegen andere Personen dauern die Untersuchungen wegen schweren Drogenhandels und Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisationen gemäss Behördeninformationen aber an.

In die BA-Ermittlungen geriet auch ein Kadermann der Bank Crédit Agricole: Sein Büro wurde durchsucht, er für einen Monat in Haft gesetzt.

Nach Razzias Geld verschwunden

Offenbar herrscht zwischen der BA und dem Umfeld der Firma K. ein heftiger juristischer Streit. Diese Woche wurde vom Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) bekannt gegeben, dass gegen einen BA-Mitarbeiter Anzeige wegen Verdachts auf Amtsgeheimnisverletzung, Amtsmissbrauch und Verleumdung eingereicht wurde und die Vorwürfe nun durch einen ausserordentlichen Staatsanwalt untersucht würden.

Unter anderem seien aus dem Büro von B. Geldbeträge im sechsstelligen Bereich verschwunden. Auch bei Crédit Agrigole vermisste der betroffene Banker nach der Razzia teure Wertgegenstände.

Firma K. geschäftet seit Jahren mit speziellen Kunden. Die diskreten Buchhalter blieben in der Schweiz konsequent im Hintergrund. Im Ausland aber tauchten sie bereits vor Jahren auf.

«Ausweichende und unwahre Angaben»

So etwa in England. Die Entourage des Emirs von Katar soll zwischen 1997 und 2001 um 1,8 Millionen Pfund erleichtert worden sein. Es ging um die Renovation von Residenzen in London. Dabei war auch eine Offshore-Firma auf den Britischen Jungferninseln involviert. Laut Gerichtsakten wurde der Briefkasten durch Firma K. betreut, die Konti waren in Zürich.

Durch Kickback-Zahlungen zwischen der Firma und einem engen Berater des Emirats seien die Gelder versickert. Der Fall wurde 2004 abgeschlossen. Der zuständige Richter fand klare Worte für die Zeugenaussagen eines Mitarbeiters der schweizer Firma: Er und seine Kunden hätten in vielen Punkten ausweichende und unwahre Angaben gemacht.

Hacker-Zwischenfall in Israel

Wenig später kam Firma K. in Israel in die Schlagzeilen. Der erfolgreiche Geschäftsmann Roni Duek mit Kontakten zu den Schweizern wurde durch so genannte trojanische Software ausspioniert. Dabei wurden höchst sensitive Dokumente gestohlen, die «security and defense»-Deals betrafen. Vom Hacker-Angriff betroffen war auch Firma K. B. sagte gegenüber der «Aargauer Zeitung», Duek sei weder Kunde noch Berater der Schweizer gewesen, obwohl dies die israelische Presse kolportierte.

Auch im US-Report über Steueroasen erwähnt

Als der amerikanische Präsident Barack Obama 2008 US-Steuerbetrügern an den Kragen ging, tauchte Firma K. auf dem Radar der US-Politik auf: Das «Senate Permanent Subcommittee on Investigations» veröffentlichte einen 144 Seiten umfassenden Bericht, der anhand von acht typischen Beispielen zeigte, wie Millionäre ihr Geld am Fiskus vorbeischleusten.

Der Report zeichnet etwa nach, wie der Australier Frank Lowy Vermögen im Wert von 68 Millionen Dollar über Liechtenstein vor den Steuerbehörden versteckt haben soll. Lowy war ein guter Kunde der LGT Bank Liechtenstein.

Für die Steuerdeals kaufte die LGT laut dem US-Report eine Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln. Die Gelder wurden von den USA mit komplexen Überweisungen ins Ländle transferiert und landeten am Ende unversteuert in Genf bei der Bank Jacob Safra.

Bei diesen Operationen war auch die Firma Crofton beteiligt, ein Vehikel der Firma K. mit einem Konto bei der Union Bank of Israel in Tel Aviv.

Bei Madoff investiert

Firma K. muss über ganz besondere Drähte in die jüdische Gemeinschaft verfügt haben. Als der Investmentfonds des Finaciers Bernard Madoff 2008 in sich zusammenfiel, verloren Anleger um die 65 Millarden Dollar. Zu den Opfern gehörte auch ein Anlagevehikel der Schweizer, wie die öffentlich zugängliche Investorenliste zeigt.

Die Zürcher gehörten demnach in der Schweiz zu den wenigen von Grossbanken unabhängigen Insidern, die in Madoffs exklusiven Investment-Zirkel aufgenommen wurden.

Offshore-Bank auf Mini-Insel

B. war weltweit aktiv. Auch auf dem kleinen Inselstaat São Tomé und Príncipe vor den Küsten Nigerias. Dort war er Repräsentant einer Offshore-Bank. Ihr wurde 2008 die Lizenz entzogen, weil sie juristische Vorgaben nicht mehr erfüllte.

Die Bank gehörte zum Umfeld eines Münchner Rechtsanwalts, der 1993 in die Schlagzeilen geriet, als er sich in einem Konkursfall eines ostdeutschen Unternehmens für eine Woche Arbeit fast 13 Millionen Mark auszahlen liess.

* Namen der Redaktion bekannt

© Aargauer Zeitung, 30.10.2010

Öl-Baron gewinnt Klage in der Schweiz

Wednesday, October 27th, 2010

Millionenerbe Micael Gulbenkian hat eine Klage gegen die hier ansässige Ölfirma Heritage Petroleum gewonnen. Dort wurde er 2006 als CEO geschasst. von Christian Bütikofer

Micael Gulbenkian hat erfolgreich gegen seinen früheren kanadischen Arbeitgeber Hertiage Petroleum geklagt, berichtet «Africa Intelligence». Von 2003 bis 2006 war er deren CEO und residierte in St. Gallen.

Heritage ist im Ölgeschäft involviert, unter anderem im Irak, Afrika und ehemaligen Sowjet-Republiken. Im Tessin betreibt die Gruppe den Ableger «Heritage Oil & Gas (Switzerland) SA».

Fast 8 Millionen Franken als Entschädigung

Gulbenkian verklagte die Firma wegen den Bedingungen seines Abgangs – mit der erfolgreichen Klage könnte er laut «Africa Intelligence » knapp 8 Millionen Schweizer Franken geltend machen.

Micael Gulbenkian streitet sich auch in Kanada mit der Firma um Geld, das er in seine liechtensteinische Ogimatech überwiesen sehen möchte.

Gulbenkian ist der Enkel des armenisch-stämmigen Traders Calouste Sarkis Gulbenkian, der zu Beginn der irakischen Ölindustrie in den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts ein Vermögen machte und sich später bis zu seinem Tod in Portugal niederliess.

© az Aargauer Zeitung, 27.10.2010

«Spiele der Schande»: Schweizer Firmen involviert

Friday, October 22nd, 2010

Fast täglich erschüttern Indien neue Korruptions-Fälle: Während der «Commonwealth Games 2010» sollen sich diverse Politiker und Unternehmen die Taschen gefüllt haben. Recherchen zeigen: Auch Schweizer Firmen sind betroffen.

von Christian Bütikofer

Sie hätten ein glorioses Sportfest werden sollen, die «Commonwealth Games 2010», die diesen Oktober in Indien über die Bühnen gingen.

Neu Dehli sollte der Welt im besten Licht präsentiert werden, Indien endlich aus dem Schatten Chinas treten. Einige Politiker wurden nicht müde zu betonen, man wolle die Olympiade 2008 in China bei weitem übertreffen.

Der Anlass wäre dafür durchaus geeignet gewesen. Die «Commonwealth Games» sind die Olympiaden der ehemaligen britischen Kolonien und müssen sich hinter der Olympiade nicht verstecken: 74 Nationen waren vertreten, Top-Athleten aus der ganzen Welt kamen nach Asien.

Statt Stolz herrscht Katzenjammer

Seit dem Ende des Anlasses am 14. Oktober aber herrscht nicht Stolz sondern Katzenjammer. In der indischen Presse äussern sich Scham und Wut auf die Veranstalter, von «Spielen der Schande» ist die Rede.

Recherchen verschiedener Zeitungen zeigen seit Tagen, dass sich gewisse Personen am Anlass schamlos bereicherten.

Mehrmals tauchen dabei Firmen aus der Schweiz auf.

Die letzte Enthüllung machte die Zeitung «Headlines Today» – sie betrifft die Firma Nüssli aus Hüttwilen im Kanton Thurgau, die auf Eventbauten für Grossanlässe im Bereich Sport und Kultur spezialisiert ist.

Nüssli erhielt einen Grossauftrag für sechs Veranstaltungsorte. Der Vertrag sei ein «Meilenstein in der Geschichte von Nüssli», meinte Manager Christian Künzli. Verschiedene indische Quellen schätzen den Wert des Auftrags auf umgerechnet 29,6 Millionen Franken (Rs 141 crore, 1’410’000’000 Rupien).

Razzia bei Nüssli Indien

Der «Meilenstein» dürfte Nüssli noch Kopfzerbrechen bereiten. «Headlines Today» machte interne E-Mails publik, in denen sich ein indischer Verantwortlicher bitter über die Qualität der Nüssli-Ware beschwerte.

Statt hochwertige Produkte seien minderwertige Geräte geliefert worden – etwa Klimaanlagen. Auch sei der Preis für die Produkte viel höher veranschlagt worden, als dies normalerweise der Fall sei, schreibt «Headlines Today».

Die «Times of India» berichtete, dass für den Abbruch der Anlagen von einer Firma 98 Rupien per Kubikmeter Schutt veranschlagt wurde, während Nüssli für die gleiche Arbeit satte 13’368 Rupien kassierte.

Indische Steuerkommissäre führten am Dienstag im Zusammenhang mit solchen und anderen Unregelmässigkeiten an 23 Orten Razzias durch – dabei seien auch die Räume von «Nüssli India» / «Comfort-Net» durchsucht worden, berichtet «India Today».

Gegenüber der indischen Presse wollte sich Nüssli-Pressesprecherin Karin Ruhland nicht äussern. Auch der «Aargauer Zeitung» sagte Jonas Eberhardt von der Nüssli-Gruppe nur, man kommentiere die Vorfälle in Indien momentan nicht.

Auch Zeitmesser-Firma betroffen

Neben Nüssli wird in Indien auch über die Zeitmessungs-Firma «Swiss Timing» berichtet. Für die Resultatmessungen habe die Firma den Zuschlag bekommen – für umgerechnet 23 Milionen Franken (Rs 112 crore, 1’120’000’000 Rupien).

Der Preis war fünfmal so hoch, wie für einen vergleichbaren Auftrag in Australien. Die überhöhten Zahlen wurden gemäss «India Today» an der Finanzbehörde vorbeigeschmuggelt.

Kleiderhersteller baut Sportbeläge

Kurz vor den Spielen wurde bekannt, dass ein Kleiderhersteller, der über keinerlei Erfahrung im Bereich Leichtathletik-Laufbahnen verfügte, gleich siebenmal den Zuschlag für den Bau von Sportbelägen erhielt.

Wieder wurde der Deal für einen Betrag abgewickelt, der deutlich über dem Marktpreis lag. Zusätzlich wurden die Regeln für die Vergabe gebeugt, damit die Kleiderfirma überhaupt mitbieten konnte.

Die einzige «Kompetenz» der Kleiderfirma war, dass sie für das schweizer Unternehmen Conica als Intermediär schon einmal einen Deal einfädelte. Die Schaffhauser Conica Sportbeläge gehört heute zum deutschen Chemieriesen BASF.

© Aargauer Zeitung, 22.10.2010

«European City Guide» among «last year’s five worst companies»

Tuesday, October 19th, 2010

Spanish scam guide company «European City Guide» (ECG) was «honored» by the leading Swedish newspaper «Dagens Nyheter» recently.

The paper broke a story about fake invoices and scam guides on a two pages feature.

In the issue of August 26, the newspaper writes that the ECG belonged to the five worst companies in Sweden in the year 2009.

That year alone, 309 complaints about the «free update»-scam of the ECG were received by Varningsinfo.se.

The company «European City Guide SL» was founded in Spain by the Swiss holding company «Maiwolf Holding AG» in 1998.

Several Maiwolf Holding companies now face charges on fraudulent advertisement and other offenses in Switzerland.

At the beginning the company was set up by Ricardo Daura Pages, but for a long time the ECG was fronted by the Spaniard Francisco López-Peláez Torres.

He made quite a name for himself and the ECG – especially in Belgium, documented by the leading French-written paper «Le Soir»:

Le Soir, Friday 9, March 2007: Lire aussi les petits caractères!

Le Soir, March 28, November 2006: Dissolution de la société fautive

Le Soir, October 23, 2004: Justice – Procès à Bruxelles d’une gigantesque escroquerie internationale, avec des centaines de victimes Arnaque aux annuaires professionnels


Senaste årets fem värsta företag

Dagens Nyheter
26 Aug 2010

Svenska Hälsoinstitutet Erbjuder vaccinet AH1N1 Pandemic Geletinus EH14683 Fumigation. Skickar ut ett erbjudande som utformats som en faktura. 3303 inkomna klagomål Kontorsgrossisten AB Erbjuder kontorsmaterial artikelnr 55701, miljörentkoncentrat….Lesen Sie mehr…

Ein «Fall Madoff» am Genfersee?

Thursday, October 14th, 2010

Aus Montreux heraus sei ein HedgefondsManager in einen riesigen Anlageschwindel à la Madoff verwickelt. Das behaupten Beamte in den USA und reichten Klage ein.

Von Christian Bütikofer

Mindestens 323 Millionen Dollar an «falschen Gewinnen» («false profits») habe der Hedgefonds-Manager Steve Goran Stevanovich generiert. So steht es in einer Klageschrift vor dem Insolvenzgericht Minnesota, USA.

Der Amerikaner Stevanovich ist von Montreux aus aktiv. Er sei in den Anlagebetrugsfall des Amerikaners Tom Petters verwickelt, schreibt der für den Fall zuständige staatlich eingesetzte Liquidator.

Petters Firmengeflecht wurde in Zwangsliquidation gesetzt, nach dem so genannten «Chapter 11»-Paragrafen. Der eingesetzte Liquidator ist auf der Suche nach mehreren Milliarden Dollar.

Petters zog seit 1993 ein ähnliches Betrugsmodell auf, wie es Madoff jahrelang tat – Petters hat einen Gesamtschaden von über 3 Milliarden Dollar angerichtet. Insgesamt sollen über sein Firmengeflecht um die 40 Milliarden Dollar gewaschen worden sein.

Im Zuge der Ermittlungen wurde Petters diesen April zu 50 Jahren Haft verurteilt.

Spuren führen an den Genfersee

Die Klage gegen Petters Geschäftspartner Stevanovich wurde am Freitag hinterlegt und liegt der «Aargauer Zeitung» vor. Darin wird Stevanovich «aktiver und direkter» Verwicklung in den Millionenschwindel beschuldigt.

Recherchen zeigen: Stevanovich gründete im Herbst 2003 in Montreux am Genfersee zusammen mit seinem langjährigen Geschäftspartner Christian Valentini das Investment-Vehikel «Westford Sarl», das drei Jahre später mit der Fondsgesellschaft «SGS Asset Management Sarl» fusionierte.

An der gleichen Adresse war auch seine «Epsilon Investment Management» anzutreffen.

Stevanovich antwortete einem amerikanischen Gericht in einem anderen Fall noch während diesem August aus Montreux.

In den Dokumenten ist ersichtlich, dass die Epsilon Management aus Montreux heraus operierte, auch wenn sie auf einer Offshore-Insel ihren Sitz hatte.

Weiter zeigen der «Aargauer Zeitung» vorliegende Akten, dass der ehemalige Epsilon-Manager B. im Zuge der Petters-Verfahren erstinstanzlich wegen Überweisungsbetrugs zu 60 Monaten Gefängnis verurteilt wurde.

Milliarden-Transfers getätigt

Stevanovichs Firmen verfügten über Offshore-Parallelgesellschaften auf den Kaimaninseln, Delaware, den Britischen Jungferninseln sowie St. Kitts und Nevis.

Das Westford-Konstrukt wird in der Klage als so genannter «Feeder Fund» bezeichnet: Über ihn wurden bei Opfern Gelder eingesammelt und dann in die Gesellschaften des Anlagebtrügers Tom Petters investiert.

Stevanovich sei für Transfers von mindestens 3 Milliarden Dollar verwantwortlich gewesen und habe so Millionen Dollar eingestrichen. Damit habe er seinem extravaganten Lebensstil gefrönt und in Montreux in einer luxuriösen Villa gehaust.

Universität Millionen gespendet

Stevanovich betätigte sich auch als grosszügiger Gönner. So spendete er seiner Alma Mater, der Universität Chicago, 7 Millionen Dollar. Darauf wurde ein Insitut nach ihm benannt, heute sitzt er dort auch im Universitätsrat.

Anwalt dementiert

Die Anschuldigungen in der Klageschrift dementiert Stevanovichs Anwalt gegenüber der «Aargauer Zeitung» vehement. Die Klage sei in jeder Hinsicht falsch und entbehrte jeder Grundlage.

Stevanovich sei nicht Profiteur von Petters Millionen-Betrug gewesen sondern im Gegenteil ein Opfer.

Zum Zeitpunkt der Investitionen in Petters Fonds habe man keinerlei Anhaltspunkte gehabt, dass sie betrügerisch verwaltet würden. Wie auch die staatlichen Regulierungsbehörden sei man getäuscht worden.

Die Geschäfte mit Petters seien beendet worden, 18 Monate bevor er aufflog. Das Vorgehen des klagenden Liquidators würde statt Geschädigten nützen Investoren schädigen und die wirklichen Täter schützen.

Anmerkung: Petters tätigte einen Anlagebetrug nach dem klassischen so genannten «Ponzi-Modell», auch Madoffs Betrügereien entsprachen dem «Ponzi-Scheme». Fast alle Schäden in dieser Höhe werden nach diesem fast 100-jährigen Betrugsmodell verursacht.

© Aargauer Zeitung / MLZ; 14.10.2010; © Neue Luzerner Zeitung; 14.10.2010

Europa, Mekka der Motorrad-Gangs «Made in USA»

Thursday, October 7th, 2010

Europol hat mal wieder getagt, dieses Mal in Kroatien. Die Beamten liessen sich dort bei Häppchen und Sonnenschein über die rapide Expansion der so genannten Einprozenter-Clubs (1%-ers) der Motorrad-Szene aus.

Offenbar ist momentan Europa weltweit der Hotspot der so genannten «Outlaw»-Motorrad-Clubs, wie sich Bandidos, Hells Angels und Outlaws nennen.

In der aktuellen Pressemitteilung schreibt Europol: «Bandidos, Hells Angels und die Outlaws haben in den letzten fünf Jahren mehr als 120 Chapter (Ableger der US-Mutter-Vereine)  gegründet.»

Zusammen kommen diese Top-3-Clubs auf über 425 Chapter in ganz Europa, von Island nach Albanien bis in die Türkei.

In der Pressemitteilung werden einige Powerpoint-Statistiken präsentiert, unter anderem auch zu den Hells Angels:

Europol-Statistik über die Hells Angels. Quelle: Europol

Offenbar sorgen sich die Beamten vor allem um den ehemaligen Ostblock. Die dortigen Beamten hätten wenig bis gar keine Erfahrung, wie man mit diesen Motorrad-Gangs umzugehen hätte.

Rob Wainwright, Direktor von Europol hat den Bammel: «Kriminelle Aktivitäten sind ein Markenzeichen der Outlaw-Biker-Gangs in Europa. Europol ist besorgt über die Expansion und wir versuchen, die Aktivitäten der Clubs zu überwachen. Zusammen mit unseren Kollegen Europas wollen wir den Aktivitäten dieser Clubs ein Ende setzen.»

Viel PR-Blabla von Europol?

Fakt ist: An den selbst ernannten letzten «freien Bürgern» dieser Welt beissen sich die Europol-Kollegen in den USA, Kanada und Australien die Zähne aus – seit über 30 Jahren.

Biker-Krieg Kanada: Schweiz-Reisli klärt 28 Morde

Sunday, October 3rd, 2010

Dass etwas nicht stimmte, das ahnten sie schon, die Nachbarn von Gérald Gallant (59). Seine diversen Überwachungskameras am Haus erstaunten. Und dass er immer kurz angebunden war, trug auch nicht gerade zur Nachbarschaftsidylle bei.

Dass er aber als Auftragskiller jahrelang im so genannten Biker-Krieg Kanadas zwischen 1996 und 2002 reihenweise Hells Angels um die Ecke brachte, das dachte sich niemand im verschlafenen Dorf Donnacona in Québec.

Mann für alle Fälle der «Rock Machine»

Gérald Gallant vor Gericht. Quelle: Radio-Canada

Gérald Gallant war die Allzweckwaffe der Biker-Gang «Rock Machine», einem Zusammenschluss diverser Gestalten der Unterwelt Québecs, die sich mit den «Hells Angels» einen jahrelangen blutigen Krieg um die Vorherrschaft des Drogenmarkts lieferten.

Je nach Zählart wurden während diesem Konflikt um die 160 Personen ermordet, durch Blei und Bombenanschläge.

Manchmal trafs auch die Falschen

Gallant erklärte sich 2009 schuldig, zwischen 1979 und 2003 nicht weniger als 28 Morde und 13 fehlgeschlagene Mordversuche begangen zu haben. Dabei irrte er sich viermal in der Zielperson: Von den vier «Versehen» endete eines tödlich, dreimal wurden die Opfer schwer verwundet.

American Express brachte Stein ins Rollen

Wäre Gallant für einen weiteren «Auftrag» 2006 nicht übers Tessin in die Schweiz eingereist, wäre der unscheinbare Familienvater wohl noch immer auf freiem Fuss.

Mit seinem Reisekumpanen Daniel Forté nutzte er einen gefälschten Pass und gefälschte Kreditkarten. Was dazu führte, dass die geprellte American Express die Behörden einschaltete.

Beide reisten weiter in die Deutschschweiz und nach Genf. Dort wurden sie am 6. Mai 2006 im Genfer Hotel Excelsior verhaftet. Schnell finden die Ermittler heraus: Forté ist einer der grössten Kreditkartenbetrüger Kanadas. 2002 richtete er mit seinen gefälschten Karten einen Schaden zwischen 15 Millionen und 20 Millionen Dollar an.

Der Killer wird zum Informanten

Während Gallant in Genf im Knast sitzt, gesteht er dem Untersuchungsrichter die Auftragsmorde. Der schaltet die «Sûrété de Québec» ein, die Bundespolizei der Provinz Québec.

Die Cops aus Montréal schliessen mit Gérald Gallant einen Deal: Er wird Informant, legt alles offen und kann dafür mit einem milderen Urteil rechnen.

Auch die Geliebte soll mitgemacht haben

Die Informationen Gallants führen zu weiteren elf Verhaftungen – unter anderem auch seiner Ex-Geliebten Jacqueline Benoît (48), die in Frankreich aufgegriffen wurde. Sie soll Gallant bei zwei Morden von Hells Angels-Zugehörigen geholfen haben.

Louis «Melou» Roy. Quelle: Le Quotidien

Weiter sei sie an Gallants Mordversuch des damaligen Chefs des Hells Angels Charters «Trois-Rivières» Louis «Melou» Roy beteiligt gewesen.

Roy überlebte schwer verletzt, «verschwand» dann aber wenig später – seine Leiche wurde nie gefunden. Die Polizei Québecs vermutet, Roy sei von seinen eigenen Leuten umgebracht worden, weil er Kokain billiger als zum abgemachten Preis auf die Strasse brachte.

Journalisten-Attentat rettete Hells Angels-Boss – vorerst

Maurice «Mom» Boucher. Quelle: The Montreal Gazette

Gérald Gallant hatte auch den Auftrag, den damaligen Chef des «Nomads»-Charters der Hells Angels Kanada, Maurice «Mom» Boucher umzulegen. Boucher war der eigentliche Drahtzieher hinter dem so genannten Biker-Krieg. Weil er für den Auftragsmord zweier Gefängniswärter verantwortlich ist, sitzt er heute lebenslang hinter Gitter.

Zur Zeit, als ihm Gallant auflauerte, hatte Boucher jedoch Glück, denn am 13. September 2000 wäre auch er reif gewesen. Doch als Gérald Gallant loslegen wollte, bemerkte er gerade noch rechtzeitig, dass in jenem Quartier Montréals eine ungewöhnlich starke Polizeipräsenz herrschte.

Gerichtsreporter Michel Auger, «Le Journal de Montréal»

Wenig später begriff Gallant auch warum: Der bekannte Gerichtsreporter Michel Auger wurde ganz in der Nähe mit sechs Kugeln auf dem Gelände seiner Zeitung «Journal de Montréal» niedergestreckt.

Auger überlebte wie durch ein Wunder. Die Polizei geht heute aufgrund von Informanten-Aussagen davon aus, dass der Mordanschlag auf Auger von den Hells Angels verübt wurde.

Sie wollten Auger für immer zum Schweigen bringen. Das Gegenteil ist eingetroffen. Auger, der sich zwischenzeitlich als Imker versuchte und drauf und dran war, seine Tätigkeit als Journalist an den Nagel zu hängen, wurde zum Symbol der Pressefreiheit in Kanada.

In seiner Autobiografie «L’assassinat» schreibt er auch, dass bereits Journalisten vor ihm angeschossen wurden, sie aber deswegen nie jene Aufmerksamkeit erhielten, die ihm zuteil wurde. Sein «Glück» war: Er hatte überlebt, arbeitete bei einer bekannten Zeitung und es war der Kulminationspunkt der Biker-Gewalt in Kanada, die ihn zum Symbol machten.

Zurück zu Gérald Gallant: Er wurde inzwischen zu lebenslanger Haft verurteilt, ohne Möglichkeit auf Freiheit, bevor er nicht seine 25 Jahre abgesessen hat.

Der Fall Gallant ist keineswegs einzigartig in der Geschichte von Kanadas Motorrad-Gangs.

Serge Quesnel. Quelle: Privatbesitz

Serge Quesnel (40) wurde 1994 ein Auftragskiller für das Hells Angels Charter «Trois-Rivières» unter Louis «Melou» Roy. Man versprach ihm das grosse Leben, wenn er für die Hells unliebsame Personen der Rock Machine aus dem Weg räumt.

Pro Mord gabs 25 000 Dollar

Für die Auftragsmorde erhielt er von den Hells zwischen 10 000 und 25 000 Dollar pro «Hit». Die Woche gabs obendrauf 500 Dollar und immer mal wieder einen fetten Zustupf in Form von Frauen, einem Auto, Partys und weiterem Geld.

Als die Polizei Quesnel 1995 schnappt, wird er zum Informanten. Er gesteht fünf vollendete Morde und 13 Mordkomplotte. Dann verrät er seine Kumpels, was zu Anklagen diverser Hells Angels führt. Quesnel erhält lebenslänglich, mit Aussicht auf Begnadigung nach zwölf Jahren – seit 2007 ist er unter neuer Identität wieder auf freiem Fuss.

Telefonsex à la Suisse

Auch Serge Quesnel hatte einen Link zur Schweiz, der jedoch viel profanerer Natur war, als jener Gallants: Aus dem Knast rief er immer mal wieder eine Telefonsex-Nummer an und parlierte mit der Dame am anderen Ende. Er war angetan von ihrem schönen Akzent, wie er sagte. Sein entferntes Telefonsex-Gegenüber lebte in der Schweiz, was Quesnel gesalzene Rechnungen bescherte.

Zuerst die interne Säuberung…

Yves «Apache» Trudeau. Quelle: Polizeifoto

Einiges bunter als Gallant und Quesnel trieb es jedoch Yves «Apache» Trudeau (64), ein kanadischer Hells Angel der ersten Stunde – in den 70er-Jahren war er Mitgründer des «North»-Charters in Laval.

Seine Mitbrüder verscherzten es sich jedoch mit anderen Hells Angels: Statt Kokain in Verkehr zu bringen, zogen sich die Laval-Biker den Stoff lieber selber in die Nase.

Auch sollen sie ein weiteres Charter (Halifax) um erkleckliche Summen erleichtert haben.

Das führte zum so genannten Lennoxville-Massaker (euphemistisch auch als «Lennoxville Purge» bekannt).

Am 24. März 1985 luden Hells des «Sherbrooke»-Charters in Lennoxville die Kumpels von Laval zu sich ins Clubhaus ein. Zuerst gabs zwar ein Bier. Dann aber kamen statt der Party blaue Bohnen geflogen: Fünf Laval-Mitglieder wurden erschossen.

Ihre aufgedunsenen Leichen trieben wenig später im Sankt Lorenz-Strom:

In Schlafsäcke verpackt und mit Betonklötzen in den Fluss geworfen. Einige der Lennoxville-Opfer. Quelle: Polizeifotos

… dann die Rache des Verräters

Auch Yves «Apache» Trudeau hätte damals ermordet werden sollen. Doch er hatte Glück: Er befand sich zur Zeit in einem Drogen-Rehabilitationszentrum.

Aus Angst meldete er sich bei der Polizei und wurde Informant. Sein Geständnis stellt bis heute alles in den Schatten.

Ein «Killing Spree» ohnegleichen

Während Jahren war Trudeau als Auftragskiller für die Hells unterwegs. Zwischen 1970 und 1985 gehen 43 Morde auf sein Konto, meist waren Drogenverteilkämpfe der Grund für die Morde.

Auch hier zahlten zwei Personen für Verwechslungen mit dem Leben. Trudeaus Aussagen führten zu weiteren 21 Anklagen und er verriet 95 andere Mörder.

Selbst kam Trudeau glimpflich davon: Er erhielt zwar lebenslänglich, konnte nach sieben Jahren aber auf Bewährung 1994 wieder raus.

2004 musste er sich erneut vor Gericht verantworten: Wegen x-facher sexueller Gewalt an einem Minderjährigen. Er wurde zu weiteren vier Jahren verurteilt. 2006 wurde bei Trudeau Knochenmark-Krebs diagnostiziert. 2008 wurde er unter Auflagen wieder begnadigt.