Archive for June, 2010

Dignitas und das Steuerregister

Wednesday, June 30th, 2010

Im «Tages-Anzeiger» verspricht Dignitas-Chef Ludwig A. Minelli hoch und heilig, die Bücher seines Vereins von einer unabhängigen Kontrollstelle prüfen zu lassen. Er will für Transparenz sorgen.

Tagi-Chefredaktor Res Strehle nahm die Geschichte auf, nachdem die Konkurrenz vom «Beobachter» Minelli – wieder einmal – zum Thema machte. Journalisten vom «Beobachter» schauten sich die Steuererklärungen von Dignitas an. Danach hatten sie einige Fragen. Die aber wollte der Rechtsanwalt sowie ehemalige «Blick»- und «Spiegel»-Journalist Minelli partout nicht beantworten.

Einen Tag später darf er dann wie erwähnt im Tagi verkünden, sein Verein lieferte in Zukunft eine saubere Buchhaltung ab.

Man darf gespannt sein, ob eintreffen wird, was Minelli in einem seiner raren Interviews verhiess: Dem «Basler Zeitungs»-Journalisten Timm Eugster versprach er 2009 auf die Frage:

Eugster: Die Zürcher Behörden und Kommentatoren fordern Sie auf, Ihre Buchhaltung offenzulegen.

Minelli: Solange sich all diese Brüeli nicht bemühen, unsere Arbeit zu verstehen, lasse ich mich nicht nötigen. Irgendwann aber werde ich sie alle Lügen strafen.

Hätten die Redaktoren Dominique Strebel und Simon Riklin die Sache mit dem Steuerregister beiseite gelassen, wäre es auch kein Thema, dass Dignitas erst seit 2007 im Steuerregister von Maur verzeichnet ist (dort hat der Verein seit 2007 seinen Sitz).

Für die Jahre zuvor müsste der Verein nämlich im Steuerregister der Stadt Zürich auftauchen. Das tut er aber nicht. Seit 1998 fehlen da einige «Daten».

Minelli wehrte sich vor 2007 mit Händen und Füssen gegen einen Eintrag des Vereins im Handelsregister, wie Akten zeigen.

Ende 2006 aber verlor er gegen die Behörden. Die Zürcher Justizdirektion verfügte, dass Dignitas ein kaufmännisches Gewerbe führe und deshalb im Handelsregister zu erscheinen habe.

Ist ein Verein im Handelsregister eingetragen, muss er den Steuerbehörden zwingend eine Buchhaltung vorlegen…


Tages Anzeiger
29 Jun 2010

Martha H. gab Dignitas über 200’000 Franken

Wednesday, June 30th, 2010

Hat Dignitas den letzten Willen von Mitglied Martha H. missachtet? Generalsekretär Ludwig A. Minelli bestreitet dies. Eine ehemalige Sterbehelferin widerspricht und sagt: Martha H. habe dem Verein eine grosse Summe vermacht.

Christian Bütikofer

Die Deutsche Martha H. wählte nach 81 Jahren den Freitod: Als Mitglied der Sterbehilfeorganisation Dignitas reiste sie von Kiel in die Schweiz und trank am 20. Juli 2003 in Zürich den Giftcocktail. Anschliessend wurde sie kremiert und ihre Asche in einer Urne aufbewahrt. Wenige Wochen später versenkte Dignitas «in den Abendstunden» die sterblichen Überreste von Martha H. im Zürichsee, wie ein Dokument zeigt, das dieser Zeitung vorliegt.

Minelli droht hohe Geldstrafe

Dignitas-Chef Ludwig A. Minelli entsorgte die Asche offenbar gleich selbst. Er berichtete dem amerikanischen Magazin «The Atlantic», er sammle die Urnen, bis der Kofferraum seines Autos genug gefüllt sei. Dann fahre er abends an einen ruhigen Ort und versenke alles im Zürichsee. Das gewerbsmässige Entsorgen von Urnen im See ist nicht gestattet, Minelli droht eine hohe Geldstrafe.

Martha H. wollte ihre letzte Ruhestätte nicht im Zürichsee, Minelli habe deren letzten Willen missachtet, schrieb die «NZZ am Sonntag». Sie stützt sich auf Aussagen und Dokumente von Martha H.s Stieftochter. Minelli hätte die Urne nach Deutschland senden sollen; Martha H. wollte in Kiel neben ihrem Ehegatten bestattet werden. Minelli bestreitet diese Vorwürfe. Auf der Dignitas-Webseite schreibt er, im Dossier von Martha H. befinde sich eine handschriftliche Notiz, die kurz vor ihrem Freitod erstellt wurde. Dort stehe: «Urne in See».

Ex-Sterbehelferin widerspricht

Minelli attackiert seine ehemalige Bürochefin Soraya Wernli massiv: Er bezeichnet die Krankenschwester als «psychisch gestört». Die Aargauerin Wernli ist eine dezidierte Kritikerin von Dignitas und hat als Informantin der Zürcher Stadtpolizei verdeckt Informationen über die Organisation geliefert.

Soraya Wernli bestätigt im Gespräch mit dieser Zeitung, sie habe Martha H. in den Tod begleitet und sei nie von ihrer Seite gewichen. Sie wisse deshalb, wie deren letzter Wunsch lautete: «Bis zum Schluss war Martha H. überzeugt, dass sie zu ihrem Ehemann ins Grab nach Kiel kommt.»

Dass Dignitas Urnen im See versenkt, erstaunt Wernli nicht: «Es kostet weniger, als das Päckchen ins Ausland zu schicken.» Ein Auszug der Buchhaltung von Dignitas zeigt: Im Jahr 2003 wurden immer wieder grosse Geldbeträge mit dem Vermerk «Zustupf» verbucht. Auch Martha H. zahlte Dignitas über 210 000 Franken. Das ist viel mehr, als die Mitgliedschaft oder die Freitodbegleitung bei Dignitas kostet. Laut Wernli seien immer wieder Frauen ohne Angehörige gekommen, die Minelli Geld bar überbracht hätten – bis zu 100 000 Franken. In der Buchhaltung ist etwa auch Maria K. erwähnt, die einen «Zustupf» von über 60000 Franken beisteuerte. Ludwig A. Minelli war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

© Aargauer Zeitung / MLZ; 17.05.2010

Prügelnde «Hells Angels» mischten bereits 2009 im Kanton Bern Motorrad-Club auf

Saturday, June 26th, 2010

Nachdem die «Aargauer Zeitung» (AZ) über die Schlägerei/Schiesserei zwischen den Töffclubs (MCs) «Outlaws» und «Hells Angels» erstmals vor zwei Wochen berichtete, beherrschte dieses Thema die Medien in der Schweiz für einige Tage.

Wenig später recherchierte AZ-Reporter Michael Spillmann, dass bereits vor der Baseball-Schläger-Aktion ein Überfall mit Molotov Cocktails auf den «Outlaws»-Club stattfand.

«Beobachter»-Journalist Peter Johannes Meier hat ebenfalls recherchiert. Sein Artikel «Hells Angels: Ein höllisches Geschäft» geht näher auf die Verstrickungen im Schweizer Milieu ein.

Journalist Urs Byland vom «Langenthaler Tagblatt» hat sich an Vergangenes erinnert, das sich in seiner Region im Oberaargau zugetragen hat. Er nimmt dabei Bezug auf einen Artikel von Julian Perrenoud der «Berner Rundschau» vor einem Jahr (beide Zeitungen gehören auch zur AZ Medien Gruppe und haben die «Solothurner Zeitung» als Mutterhaus) .

Hier in Thunstetten/Bützberg prügelten sich die Hells:


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Und nun die zwei Berichte von Byland und Perrenoud, die bisher nicht im Web publiziert wurden:

Zugeschlagen wird mit klarer Absicht

Im Aargau gebärden sich «Hells Angels» als Hooligans.
In Bützberg fühlt man
sich an einen Vorfall vor drei
Jahren erinnert. Und: Ein Insider
weiss, warum die
«Angels» keine Engel sind.

Urs Byland

Vor gut einem Jahr berichtete diese Zeitung unter dem Titel «Wenn Engel in der Hölle landen» von einer Gerichtsverhandlung in Aarwangen. Ein Mitglied der berüchtigten «Hells Angels» hatte sich mehr oder weniger stellvertretend für den Motorradklub zu verantworten – jener soll nämlich am 25. August 2007 auf üble Weise ein Familienfest des «Bad Clans» in Bützberg aufgemischt haben. «Bad Clans» feierten auf dem Gelände vis-à-vis des Bützberger Pascha Clubs.

Um 23 Uhr rumorte es auf der Strasse: Ein Konvoi von Motorrädern bog auf den Parkplatz ein: die «Hells Angels». Bis zu 100, hiess es. Die Beschuldigten selber sprachen von lediglich 40 bis 50. In einem Festzelt schlugen sie mit brutaler Gewalt auf vier Mitglieder des «Bad Clans» ein. Eines erlitt einen Nasen- und Rippenbruch.

Wiederholung in Ehrendingen

Am letzten Samstag fand im aargauischen Ehrendingen ein ähnlicher Vorfall statt. Der Motorradklub «Outlaws» feierte seine Gründungsversammlung, als eine hundert Mann starke Motorradgruppe mit «Hells Angels» auftauchte.

Es kam zu einer Schlägerei. Es fielen gar Schüsse. Bilanz des Angriffes: ein Sachschaden von über 100000 Franken sowie eine leicht verletzte Person. Wie im Nachhinein zu erfahren war, gab es bereits im April einen Brandanschlag auf das Klublokal der «Outlaws». Vermutet wird, dieser Brandanschlag sei eine erste Warnung der «Hells Angels» gewesen. Die Frage aber bleibt: weshalb schlagen die «Hells Angels» zu?

Platzhirsch befiehlt

Ein Insider aus der Region glaubt zu wissen, was der Grund für die Gewaltexzesse der «Hells Angels» sein könnte. «Es geht immer um das Gleiche. Die «Hells Angels» machen alles nieder, was nicht ihrer Gesinnung entspricht. Wer einen Motorradklub gründen will, muss zuerst die Zürcher fragen, ob er dies tun darf.»

Er verweist auf die Internetseite www.bike-time.ch, auf der schon mal klar gemacht wird, dass bei Neugründungen mit der nötigen Vorsicht vorgegangen werden soll. «Die Schweizer Bikerszene hat ihre eigenen Regeln, was Neugründungen von Patch-Clubs betrifft!» Es folgt eine E-Mail-Adresse, wo man sich melden solle.

«Da wollen die Zürcher entscheiden, ob jemand im Emmental einen Töffklub gründen darf oder nicht», empört sich der Insider. In der Schweiz werde die Motorradklub-Szene von den «Hells» dominiert.

Den Hinweis auf Konkurrenz in Geschäftsbereichen, in denen die «Hells Angels» möglicherweise aktiv sind, lässt der Insider nicht gelten. «Ja, dort wo man Geld holen kann, haben die «Hells Angels» ihre Finger drin, aber die Outlaws beispielsweise haben noch nie ein Problem gemacht.»

Diese Aussage ist beschönigend. In Deutschland beispielsweise befasst sich der Bundesverfassungsschutz mit den «Outlaws». Dort tobt ein Krieg zwischen den Motorradklubs «Hells Angels», «Outlaws» und «Bandidos», der auch schon Todesopfer kostete und der möglicherweise nun in die Schweiz ausstrahlt.

Nur einen erwischt

Der Richter in Aarwangen war vor einem Jahr wenig erfreut, dass er nur über eine Person urteilen konnte. Denn der Angeklagte sei nicht Haupt-, sondern Mittäter. Er wurde wegen einfacher Körperverletzung zu einer bedingten Strafe von 7500 Franken verurteilt.

Der geforderte Schadenersatz des Opfers (700 Franken für Krankenkassen-Selbstbehalt) wurde ebenfalls gutgeheissen. Hinzu kamen Busse (1500 Franken) und Verfahrenskosten (1200 Franken).

© Langenthaler Tagblatt / MLZ; 18.06.2010

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Dreckige Wäsche der Putzfrauenvermittlung.ch

Thursday, June 24th, 2010

Letzthin sind mir an den Züri-Trams mal wieder die eigentlich ganz anmächeligen grünblauen Werbebanner von Putzfrauenvermittlung.ch ins Auge gestochen:

Ganz einfach eine Putzfrau finden? Das tönt nach genialer Geschäftsidee.

Zum Glück habe ich vorher bei Beobachter-Redaktor “Pjm” Peter Johannes Meier vorbeigeschaut. Seine Recherchen zeigen: Die Putzfrauenvermittler trieben nicht gerade saubere Geschäfte mit ihren Putzfrauen.

Motorrad-Krieg: Outlaws weisen Vorwürfe zurück

Wednesday, June 23rd, 2010

Die Outlaws Schweiz wenden sich an die Presse. In einem Communiqué weisen sie die Vorwürfe zurück, ihre Mitglieder hätten am Samstag gegenüber den Hells Angels Gewalt angewendet.

Christian Bütikofer

Ein Exponent namens «Thorsten» weist im Namen der Outlaws MC Schweiz Vorwürfe zurück, sie hätten Gewalt angewendet. Namentlich Hells Angels-Anwalt Valentin Landmann liess die Schweizerische Nachrichtenagentur (SDA) wissen, die Outlaws hätten in Ehrendingen Hells Angels und andere Biker ohne Vorwarnung angegriffen.

13 Personen angegriffen, darunter auch Frauen

Outlaws-Exponent «Thorsten» schreibt dazu: «Allein der Gedanke, 13 Personen, darunter mehrere Frauen, würden eine Gruppe von weit über 100 Männern attackieren ist derart unrealistisch, dass der Urheber die Öffentlichkeit für sehr leichtgläubig halten muss.» Man sehe sich als Club der traditionellen Motorrad-Szene, «die ihren Lebensstil pflege, ohne dabei Gesetze zu brechen».

Man frage auch niemanden um Erlaubnis, wo man sich niederlasse, schreibt «Thorsten». Und weiter: Bisher sei auch kein Ableger (Chapter) der Outlaws als kriminelle Vereinigung verboten worden. Das könnten andere Organisationen nicht von sich behaupten.

Verschiedene Hinweise lassen darauf schliessen, dass die Pressemitteilung des Outlaws MC Schweiz aus Deutschland stammt. Sowohl Outlaws wie auch Hells Angels haben im Ausland immer wieder durch spektakuläre Gerichtsfälle Aufsehen erregt.

© Aargauer Zeitung Online 16.06.2010

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Hells Angels und Outlaws: Die Todfeinde brüsten sich im Internet

Wednesday, June 23rd, 2010

In Deutschland bringen sich Mitglieder der Motorrad-Gangs «Outlaws MC» und «Hells Angels MC» um. Nun droht der Konflikt in die Schweiz zu schwappen. Beide sind hier auf Expansionkurs, deren Mitglieder gratulieren sich zur Gewaltorgie im Internet.

Christian Bütikofer

Kaiserslautern war im Ausnahmezustand. Im Dezember 2009 mussten sich dort zwei Mitglider der Hells Angels vor Gericht verantworten. Sie sollen einen Regionalchef der Outlaws ermordet haben.

Am ersten Verhandlungstag wurden hunderte Polizisten aufgeboten, um die rivalisierenden Motorrad-Gangs auseinanderzuhalten. Etwa 1000 Anhänger beider Clubs reisten nach Kaiserslautern, in der Innenstadt herrschte Chaos.

Outlaws-Boss «aufmischen»

Diesen Mai wurden die zwei 29 und 43 Jahre alten Männer wegen Körperverletzung zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Ihr Opfer, der 45 Jahre alte Präsident eines neuen Outlaw-Ablegers in Donnersberg (Rheinland-Pfalz, etwa 340 Km von Zürich), war spätabends bei der Heimfahrt von seinem Motorrad gestoppt und erstochen worden.

Die tödlichen Verletzungen soll ihm ein dritter, 27-jähriger Hells Angel zugefügt haben. Er ist bis heute untergetaucht.
Wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» berichtete, sagte der Richter, die Hells hätten den Outlaw «aufmischen» wollen, um ihren Gebietsansprüchen in der Region Nachdruck zu verschaffen. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Langjährige blutige Fehden

Die Auseinandersetzung in Deutschland erinnert an die Gewaltorgie diesen Samstag in Ehrendingen bei Baden. Hells und Outlaws statteten sich dort mit Schusswaffen, Stangen und Steinen einen «Besuch» ab und beschnupperten sich auf ihre ganz eigene Art. Über 100 Hells Angels wüteten laut der Aargauer Kantonspolizei wie die Berserker. Was Hells Angels-Anwalt Valentin Landmann vehement bestreitet.

Im verschlafenen Ehrendingen «besuchten» Mitglieder der «Hells Angels» die «Outlaws»-Gründungsversammlung:

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Die Outlaws wurden 1935 gegründet und haben weltweit über 1700 Mitglieder. Die Hells Angels gingen 1948 hervor, ihre Mitgliederzahl wird auf 2500 weltweit geschätzt. Beide Gruppierungen werden in den USA vom FBI als Organisierte Verbrechersyndikate eingestuft.

In Deutschland wurden einige Ableger (so genannte «Chapter») als kriminelle Vereinigung verboten. Sowohl die Outlaws wie auch die Hells tauchen in den Verfassungsschutzberichten der deutschen Bundesländer regelmässig auf.

«Engel sterben in Outlaws Staaten»

In den letzten Jahren kam es in Deutschland immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den zwei Gruppen. Die Outlaws zählen seit Jahren zu den grössten Rivalen der Hells Angels. Outlaws-Mitglieder in den USA haben dafür ein Akronym kreiert: ADIOS (Angels Die in Outlaw States, Engel sterben in Outlaw-Staaten), eine Kampfansage, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt.

Die Benutzung von allerlei Abkürzungen ist in der Szene üblich. So haben die Hells Angels in Zürich zum Beispiel die Webseite mit dem Akronym AFFA.ch registriert: «Angels Forever, Forever Angels» (Für immer Engel, Engel für immer).

Immer wieder sorgen beide Gangs durch ihre Gewaltbereitschaft und Nähe zu kriminellen Machenschaften für Furore: 1999 etwa erhielt der internationale Präsident der Outlaws, Harry Joseph Bowman, für drei Morde zweimal lebenslänglich – er wurde lange vom FBI gesucht:

Terror in Kanada

Zwischen 1994 und 2002 forderte ein Bikerkrieg zwischen den Hells Angels und einer anderen Gruppe namens «Rock Machine» in Kanada über 160 Tote, darunter auch 12 völlig unbeteiligte Personen. Die Polizei verzeichnete während diesem Konflikt 167 Mordversuche, 16 «Verschwundene», über 80 Explosionen und über 140 Brandbombenanschläge.

Auch innerhalb der Hells wurde gemordet: Ein exklusiver Zirkel der Hells Angels Montreal beschloss hinter dem Rücken ihrer «gemeineren» Brüder, den Drogenkurier Marc Dubé (22) mit einem Sprengsatz umzubringen. Dubé war ein perfektes Opfer: Er war mit den Hells lose verbunden, eine kleine Nummer. Einmal tot, würde ihn niemand gross vermissen.

Die Attacke auf einen Hells-nahen Kleinkriminellen – und dann noch in Hells-«Territorium» – sollte die Empörung und Kampfbereitschaft innerhalb der Gruppe stärken. Nach dem Mord hätte die Schuld der Gegenseite zugeschoben werden sollen.

Bei jenem Attentat kam auch ein 11-jähriger Knabe um – ganz schlechte PR. Die Hells versuchten sich dann in Schadensbegrenzung, indem sie die Mutter des toten Jungen mit Geld stillkriegen wollten. Der Versuch misslang.

«Die sollen sich verpissen!»

Die Hells Angels wussten schon lange, dass die Outlaws von Deutschland in die Schweiz expandieren wollen. Sie haben ganz offen auf ihrer europäischen Webseite angekündigt, einen Ableger in Baden zu gründen.

Kaum wurde die Auseinandersetzung in Ehrendingen bekannt, wurden die Hells auf ihrer Website mit Glückwünschen bedacht: «Respect, denen habt ihrs gezeigt», schreib «Tony» und «René» meint: «Die sollen sich verpissen! Die Schweiz ist und bleibt rot-weiss!» (Rot-Weiss sind die Farben der Hells).

Auf den Websites der Outlaws tönt es ähnlich: «Grossen Respekt an unsere Schweizer! Die Aktion jetzt am Wochenende zeigt Stärke und Entschlossenheit, gut gemacht!»

Hell Angels «klauen» Outlaws-Website

Die Expansion der Outlaws kommt den Hells Angels ziemlich ungelegen. Ende Februar 2010 gründeten die Hells in Basel einen neuen Ableger an der Hammerstrasse in Kleinbasel, wie Recherchen zeigen. Und um ihre Gegner zu ärgern, reservierten sich die Hells gleich mal die Internet-Domain «Outlawsmc.ch», wie etliche weitere Domains anderer MC-Vereine (Bandidos, Gremium).

Pikant: Die Hells bestehen auf der Schweizer Website darauf, ihre markengeschützten Logos und die Wortmarke nicht zu missbrauchen. Wenns um ihre Gegner geht, scheint dies nicht zu gelten.

Peinliche PR-Aktion auf CC-Talk

Es mutete unfreillig komisch an, als sich dieses Wochenende in der Polit-Talkshow «CC-Talk» auf dem Zürcher Sender «Star-TV» ein Mitglied der Hells Angels und der Anwalt Valentin Landmann im besten Lichte präsentieren durften. Da erklärten die zwei Gäste des Langen und Breiten, wie harmlos die «Hells Angels» seien, und wie übereifrige Justizbehörden die Hells völlig zu unrecht kriminalisierten.

Fast glaubte man ihnen, das angeschlagene Image der «Hells Angels» beruhte nur auf einem Irrtum. Doch die Bilder von Ehrendingen rücken die verkappte PR-Show im CC-Talk des Zürcher SVP-Kantonsrats Claudio Zanetti in ein ganz anderes Licht.

© Aargauer Zeitung Online, 15.06.2010

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Schüsse auf Redaktion in Mexiko

Wednesday, June 23rd, 2010

Bewaffnete Männer feuerten am Dienstag in Mexiko während mehrere Minuten aufs Gebäude einer Zeitung und verletzten die Receptionistin. Ziel war «El Sol de La Laguna», berichtet Associated Press (AP).

Die Zeitung liegt in Torreón, im nördlichen Staat Coahuila. Die Schiesserei ist nicht die erste Gewalttat gegen die Presse in Coahuila. Am 18. August 2009 wurde die Zeitung «El Siglo de Torreón» das Opfer einer ähnlichen Aktion.

In anderen Staaten Mexikos wurden immer wieder Zeitungen und TV-Stationen Ziel von Gewalt. Die Täter stammen meist von Drogenkartellen, die sich in Mexiko seit Jahren ausbreiten.


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iPad: Apps-Abstürze, schlampiger Code

Tuesday, June 22nd, 2010

Apples iPad ist nett. Zeitunglesen macht Spass und ist billiger als auf Papier. Wenn da nur nicht diese andauernden Abstürze diverser Apps wären. Die «Libération» verabschiedet sich urplötzlich, mit schöner Regelmässigkeit.

Der «PressReader» der Firma Newspaperdirect – von mir in der Zeitung noch hoch gelobt – schmiert immer wieder ab. Vor allem dann, wenn man viele Zeitungen abonniert hat und sie jeden Tag runterlädt. Der «Support» von Pressdisplay hat dafür bisher keine Lösung anzubieten, auch die neue Version 1.7 behebt diesen Fehler nicht.

Und wenn ich schon am ranten bin: Die Jungs von Newspaperdirect scheinen auch sonst nicht so auf der Höhe zu sein. Die Website Newspaperdirect.de etwa lässt sich mit Google Chrome nicht richtig anzeigen…

Auch «Le Monde» macht Ärger. Das App funktioniert, stürzt nicht ab. Dafür haben die Programmierer für ihren Bezahlinhalt geschlampt. Will man als Schweizer «Le Monde» Geld für ein Abo überweisen (Monat, Jahr), dann muss man sich registrieren, klar. Und hier fangen die Probleme an: Als Postleitzahl muss man mal eben fünfstellige Zahlen eingeben – darauf hingewiesen wird nicht. Da wird dann halt aus 8XXX 08XXX für Zürich.

Schlimmer aber ist folgender Bug: Wenn man die Postleitzahl-Hürde nach einigem Pröbeln überwunden hat, danach wechselt man zum Bezahlfenster, wo man die Kredtikartenangaben macht.

Bricht man hier ab (etwa weil man ein anderes Abo wählen möchte), dann ist die verwendete E-Mail-Adresse bereits gesperrt, man kann mit ihr nichts mehr anfangen, eine neue Registrierung mit dieser Mail mit dem korrekten Abo ist nicht mehr möglich. Wohlverstanden: Man wird nie gefragt, irgendwas zu speichern. Der Bezahlprozess wird abgebrochen und – schwupps! – ist die E-Mail blockiert.

Schade fürs Geld, das die «Le Monde»-Gruppe dringend benötigte:


Duel de trios pour «Le Monde»
PRESSE Le
Liberation
22 Jun 2010

op départ. Le compte à rebours a été enclenché, hier, pour la reprise du groupe Le Monde. Dans une semaine, si tout se déroule selon le calendrier prévu, aura un nouveau propriétaire putatif. Car à l’issue du conseil de surveillance du 28 juin,…Lesen Sie mehr…

Obama jagt Informanten härter als Bush

Tuesday, June 15th, 2010

Die «New York Times» und die «World Socialist Web Site» berichten, dass die Obama-Administration viel härter gegen Plauderis vorgeht, als Bush Junior während seiner acht Jahren Regentschaft. Die Repression gegen Whistle-Blower muss zimelich heftig sein: Der Wikileaks-Frontmann Julien Assange hat deswegen u.a. eine Reise in die USA abgesagt, weil er offenbar von Pentagon-Beamten «gesucht» wird. Sie wollen durch Infos von Assange einen Informanten hinter Gitter bringen.

Second Life: Ein Drittel der Belegschaft auf der Stasse

Monday, June 14th, 2010

Die Macher der virtuellen Welt «Second Life» haben einen Drittel ihrer Mitarbeiter gefeuert, schreibt die französische Nachrichtenagentur Agence France Presse (AFP). Die Second Life-Entwicklerin Linden Labs legte lange ein Wachstum an den Tag, von dem andere Firmen nur träumten. Dies war u.a. auch dank einem unglaublichen Medienhype möglich.

AFP schreibt weiter:

Der Stellenabbau sei Teil eines “strategischen Umbaus”, erklärte die Firma. Demnach sollen die Produkt- und die Entwicklungsabteilung in Nordamerika zusammengelegt werden. Wie viele Mitarbeiter betroffen sind, teilte Linden Labs nicht mit, das Unternehmen beschäftigt aber angeblich rund 300 Menschen.