Die Männer hinter der obskuren Center-Tainment

Die börsenkotierte Zuger Briefkastenfirma wollte Euro Disney übernehmen. Das Umfeld eines einschlägig bekannten Financiers zog dabei die Fäden.
Von Christian Bütikofer

Die Zuger Center-Tainment verkündete Ende November, sie wolle den Vergnügungspark Euro Disney bei Paris übernehmen. Das an der Frankfurter Börse kotierte Unternehmen behauptete, mit Firmen zusammenzuarbeiten, die langjährige Erfahrung in der Führung von Freizeitparks besässen. Die Pariser Börsenaufsicht (AMF) wollte Konkretes sehen: Bis Montagabend hätten die Zuger eine konkrete Offerte einreichen sollen. Doch dies tat sie nicht.

Die Center-Tainment existiert erst seit diesem Mai. Präsident wurde der Hamburger Michael Kreidenberg, der seit 2001 schon in über 90 deutschen Firmen anzutreffen war. Neben ihm fungierte der Zürcher Treuhänder René Longini als Verwaltungsrat. Er blieb bis Mitte Oktober und sammelte bereits Erfahrung mit illustren Kunden – so der notorischen Fax-Spammer-Firma WMZ Medien Werbung oder der Agenzia Coin des in diesem Jahr erstinstanzlich wegen Veruntreuung verurteilten Michele V.

Bereits im Juli verabschiedete sich Kreidenberg als Präsident. Auf ihn folgte der 60-jährige norddeutsche Bankkaufmann Ulf Herbert Werner, der sich auch schon mit Immobilien beschäftigte. Ein dem TA vorliegendes Dokument zeigt, dass bei diesem Beschluss der 36-jährige Rüdiger Beuttenmüller anwesend war – fürs Verfassen des Sitzungsprotokolls reiste er an jenem 12. Juli extra nach Zürich; bis heute trat er für die Center-Tainment nie öffentlich in Erscheinung.

Die Beuttenmüller-Connection

Beuttenmüller gehört zu den schillernden Figuren der deutschen Finanzszene. Während des Internet- und Börsenbooms Ende der 90er-Jahre galt er als Star – seine Beuttenmüller AG sorgte für Furore. Er engagierte sich unter anderem beim Prozessfinanzierer Foris, der Kamerafirma Leica, widmete sich Computerspiel-Projekten sowie in Österreich der Online-Auktionsseite Bidmania. Der Absturz folgte bald: 2001 ging die Beuttenmüller AG bankrott. Im Zuge dieser Wirren wurde gegen ihn wegen unerlaubter Finanzgeschäfte ermittelt; vor dem Landgericht Hamburg räumte er Bilanzfälschung ein und wurde 2003 in erster Instanz zu 34 Monaten Gefängnis verurteilt.

Auch in der Schweiz betrat Beuttenmüller die Bühne der Wirtschaft: Mit seinem ehemaligen Geschäftsleitungsassistenten Lutz Petrowsky versuchte er 2004, mit Hilfe des amerikanischen Sammelklagen-Spezialisten Ed Fagan, die Schweizer Bank UBS auf Millionen einzuklagen.

Im selben Boot wie Center-Tainment sitzt auch die deutsche Firma Krawallino, die mit einer Makro Capital GmbH in Verbindung steht: Bei beiden waren die Beuttenmüller-Spezies Kreidenberg und Petrowsky involviert, Beuttenmüller führt die Makro Capital. Sie hat sich auf kleine Firmen in den USA spezialisiert, die im schwach regulierten Over The Counter Bulletin Board (OTCBB) gehandelt werden. Beuttenmüller war in einer solchen Firma, der Endovasc, im Prüfungsausschuss. Kaum überraschend, dass man ihn mit Geschäftspartner Petrowsky auch in Florida antrifft – zum Beispiel in der Market Capital of America.

Pseudo-Insider-Webseite

Laut der «Neuen Luzerner Zeitung» beteuerte Center-Tainment-Präsident Ulf Werner, dass die Übernahmeankündigung kein Versuch war, die Aktienkurse zu manipulieren. Er nervt sich über die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ), welche sich «nicht an das Vorabveröffentlichungsverbot» gehalten habe. Stutzig macht die Tatsache, dass bereits Mitte Oktober, lange vor der FAZ, anonym die Webseite www.top-share.info ins Internet gestellt wurde, die «Insiderwissen» über diese Firma enthält. «Wir haben mit dem Management vertraulich gesprochen. Es sei die Akquisition einer absoluten Weltmarke im Freizeitbereich auf europäischem Boden geplant. Weltmarken sind . . . im Freizeitbereich Walt Disney. Und gibt es nicht vor den Toren von Paris den Ableger Euro Disney?» Webseiten wie diese sind nicht nur bei OTCBB-Firmen beliebt, um Kurse zu pushen.

© Tages-Anzeiger; 07.12.2006

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