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Allcanview: Test vom Verkäufer

Thursday, August 11th, 2005

Von Christian Bütikofer

Ich staunte nicht schlecht, als ich kürzlich die Mai-Ausgabe der «Home Electronic» durchblätterte und darin einen Testbericht zum Mediacenter Allcanview las. Mit diesem Gerät und seinem Erfinder Uwe Prochnow befasste ich mich ja bereits im April und im Mai beim TA.

Nun, was brachte mich zum Staunen beim Lesen der «Home Electronic»?

Das Gerät, stolze 17’500 Franken teuer, wurde von einem redaktionellen Mitarbeiter der «Home Electronic» getestet und bekam durchwegs gute bis beste Noten. Der Autor musste wohl einen ganz speziellen Draht zum Allcanview-Hersteller Atvisican haben, denn bisher ist es nicht einmal der c’t – der wichtigsten Computerzeitschrift im deutschsprachigen Raum -, gelungen, ein Testmuster zu erhalten. Im April 2005 sagte mir c’t-Redakteur Volker Zota: «Seit einem dreiviertel Jahr warten wir auf ein Testgerät».

Mein Erstaunen wandelte sich in schieren Unglauben, als ich meine Pressemappe zum Allcanview nochmals studierte, die ich diesen April im Vorfeld der Schweizer Pressekonferenz erhielt: Verfasst hat sie ebenfalls die gleiche Person. Der Testartikel lautet zum Teil genau gleich wie der Text in der Pressemappe.

Mit einem gewissen Amusement nahm ich danach schon fast gelassen zur Kenntnis, dass dieser Autor Geschäftsführer einer Firma ist, die hier den Allcanview verkauft.

Prochnows Lehrjahre in den USA – zweiter Teil

Nach dem Artikel im Tagi Ende Mai meldete sich bei mir eine Person, die den genialischen Allcanview-Erfinder Uwe Prochnow aus der Schulzeit kennt. Nachfolgende Recherchen ergaben, dass Prochnow 1989 in Ostdeutschland an der «Betriebsberufsschule Mansfeldkombinat Wilhelm Pieck» war und dort «Elektronikfacharbeiter mit Abitur» lernte.

Sofern er diese Ausbildung nicht abbrach, war ein Abschluss erst 1992 möglich. Bis 1993 will der erwähnte Informant mit Prochnow im Bundesland Sachsen-Anhalt Kontakt gehabt haben. Auf der Homepage von Allcanview, Kapitel Unternehmensgeschichte, wird behauptet, Uwe Prochnow sei nach der Wende in der DDR (9.11.1989) sieben Jahre in den USA gewesen und hätte sich dann 1996 in Essen niedergelassen.

In einer älteren Version der Allcanview-Unternehmensgeschichte war noch von einem fünfjährigen USA-Aufenthalt die Rede. In Amerika will Prochnow all sein Wissen für seine heutigen Produkte erlernt haben.

Tatsache ist, dass sich Prochnow anfangs der 90er-Jahre unter anderem mit einem Fitnessstudio namens «Proline» versuchte und damit scheiterte. Durch sein Sport-Engagement wird auch klarer, woher Prochnows Flair für Nahrungsergänzungsmittel stammte, bevor er in die komplexe Welt der Videotechnik abtauchte.

© Tages-Anzeiger Online, 12.08.2005